1981 gegründet
2011 Kurt Wolff Preis

Ein auffälliges, feines Programm: literarische Fundstücke und Überraschungen, politische Romane, getarnt als aufregende Krimis, ungewöhnliche Biographien, frische Kulturgeschichten oder auch elegante Frechheiten wie das »Biographische Lexikon vom literarischen Scheitern«.
Ein auffälliges, schön gestaltetes Programm: Bücher, die man gerne in die Hand nimmt.

 

Verlagsgeschichte

Der TRANSIT Buchverlag wurde am 1. April 1981 in Kreuzberg (im damaligen West-Berlin) gegründet, in einer abenteuerlichen Zeit, in der alles machbar schien, was man unbedingt  machen wollte.

Schon die ersten Bücher sprangen aus den gewohnten Schubladen heraus: ein Buch über die damals verpönte S-Bahn, garniert mit schönen Fotos vom Verfall und unterlegt mit einem irritierenden Text von Uwe Johnson; ein Buch über einen furiosen Kinderaufstand gegen die preußischen Besatzungstruppen im Elsass kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit einem Text von Erich Mühsam; über phantasievolle Arbeitslosenunruhen Ende des 19. Jahrhunderts, wo die Luxusläden in Berlin geplündert wurden mit dem für die Polizei überraschenden Befund, dass sich die Ärmsten der Armen danach bei Champagner, Trüffelleberpastete, Kaviar und kubanischen Zigarren gekonnt und friedlich vergnügten.

Dann kam die Zeit der Kulturgeschichten: über das Heulen, den Schluckauf, das Rauchen, über den Jazz, das Akkordeon, die Vespa (ein Bestseller) oder die Erfindung des Films – Bücher, die alltägliche Gegenstände oder Phänomene historisch hinterfragten und mit aufregenden und kuriosen Dokumenten und Fotos große Resonanz in den Medien (und oft auch bei den Lesern) hatten. Und die Zeit der Biographien, vor allem der Lebensläufe deutscher Juden, die mit viel Glück und Geschick der geplanten Vernichtung entkommen konnten.
1989 war natürlich für ganz Deutschland und erst recht für Berlin eine heftige Zäsur. Für den Verlag war es der Anfang eines mehr belletristisch geprägten Programms, anfangs getragen von Autorinnen und Autoren, die in der DDR gelebt hatten und dort nicht – oder nur zensiert – publizieren konnten: Heinz Knobloch, Peter Wawerzinek, Tilo Köhler, Jutta Voigt, Ines Geipel, Inka Bach oder Claudiu M. Florian, der von seiner Kindheit in Siebenbürgen erzählt. Die Literatur setzte sich dann fort mit Briefbänden von Uwe Johnson, Texten von Hubert Fichte, Imre Kértesz, George Grosz, F.C. Delius, Irina Liebmann, Ditte von Arnim, Ruth Berlau, Karsten Dümmel, Wolfgang Hilbig und Anila Wilms. Parallel dazu politische Bücher, die sich mit der DDR- bzw. der osteuropäischen Geschichte, aber auch mit Jugendgewalt in Berlin beschäftigen (Roswitha Quadflieg, »Das kurze Leben des Giuseppe M.«) oder mit der Situation von afrikanischen Flüchtlingen (Abasse Ndione, »Die Piroge«).
Seit einigen Jahren finden sich auch viele ausländische Autorinnen und Autoren in unserem Programm, Entdeckungen wie die Romane der Katalanin Maria Barbal, von isländischen Autoren, die vorher nie ins Deutsche übersetzt worden waren und hier großen Beifall erhielten, von Autorinnen und Autoren aus Finnland, Brasilien, Afrika (Kenia, Nigeria, Uganda) und aus Holland (die hierzulande völlig unterschätzte Hella Haasse) und Slowenien (Miha Mazzini). Ergänzt werden diese Titel immer wieder von Ausflügen in die Kulturgeschichte (jetzt gerade: Rosemarie Gebauer mit ihren Büchern über Pflanzennamen und über Bäume), in die Satire (»Das biographische Lexikon vom Literarischen Scheitern«) und in die (politische) Kriminalgeschichte.