Von Hof nach Rom. Johann Christian Reinhardt. Ein deutscher Maler in Italien

14,80  inkl. MWSt.

128 Seiten, gebunden, zahlreiche Abbildungen und Dokumente

Der große Landschaftsmaler und Radierer der Goethezeit: Johann Christian Reinhardt, geboren 1761  oberfränkischen Hof. Ein Künstler und Lebenskünstler, ein lebensfroher, streitbarer Freigeist, ein »Erzketzer« (wie er sich einmal nannte) im päpstlichen Rom.

Artikelnummer: ISBN 978-3-88747-245-0 Kategorien: ,

Johann Christian Reinhart war einer der großen Landschaftsmaler und Radierer der Goethezeit. Geboren 1761 als Sohn eines Pfarrers im kleinen oberfränkischen Hof (das er keineswegs so »abscheulich« findet wie der zwei Jahre jüngere Jean Paul) führt ihn sein Weg über Studien- und lebenslustige Wanderjahre in Leipzig, Dresden und Meiningen 1789 nach Italien. »Rom ist mein Vaterland geworden«, schreibt er nach Hause – und er sollte es nie wieder verlassen. 58 Jahre lang hat er in der Stadt am Tiber gelebt; 1847 wurde er dort auf dem Ausländerfriedhof an der Cestius-Pyramide zu Grabe getragen. Über Generationen hinweg war er das bewunderte »Kunsthaupt« (Ludwig Richter) der deutschen Fremdenkolonie gewesen, Erfinder der feucht-fröhlichen Frühlingsfeste in den Grotten von Cervara und Mitbegründer des »Deutschen Künstlervereins«. Mit seinen »Malerisch radierten Prospekten von Italien« hat er die Campagna von Rom, die er zu Pferd und als leidenschaftlicher Jäger durchstreifte, dem deutschen Publikum nahegebracht. Als Bayerischer Hofmaler schuf er für König Ludwig I. u.a. die »Vier Ansichten von der Villa Malta in Rom« (München, Neue Pinakothek).

Die schöne, ereignisreiche Biographie eines bedeutenden Malers und fränkischen Lebenskünstlers, der von seiner Heimatstadt Hof aus über Leipzig, Dresden und Meiningen schließlich in Rom landet und dort – verehrt und gefürchtet – über fünf Jahrzehnte malt und lebt.

Florian Illies Die Zeit

Es ist diese Lust, sich in ein Leben hineinzuvertiefen wie in einen See, das Dieter Richters Buch über den Maler Johann Christian Reinhart (1761 bis 1847) zu einer so erfrischenden Lektüre macht. Es ist vor allem eine Freude, weil man darin vordergründig über den Maler Reinhart, einen der großen deutschen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, gar nichts erfährt. Denn es faltet allein sein Leben aus, sein Aufwachsen in Hof, seine Liebschaften, seine Leidenschaften, sein Wesen, seine 57 Jahre in Rom. Doch genau mit seinem genauen, konzentrierten, neugierigen Blick auf die biografischen Details gelingt dem Literaturwissenschaftler Richter ein entscheidender Denkanstoß für die kunsthistorische Forschungsliteratur zum 19. Jahrhundert. […] Liest man Richters kleines Buch über Reinhart, dann […] gewinnt man aus zahlreichen bislang ungenutzten Quellen eine ganz andere, tiefere Einsicht in den Künstler Reinhart – seine ewige Lust an der Jagd nach den Frauen und dem Rehwild, seine Geschäftstüchtigkeit bei der Vermarktung seiner Radierungen, sein selbstbewusstes und »ein wenig rauhbeiniges« Temperament, seine Wohnungen, seine Fluchten vor der brütenden Hitze, seine Vernarrtheit in Hunde. Reinhart war auch ein Meister der Männerfreundschaft, nur einmal scheiterte er darin, als er Schiller, den er aus glücklichen Jugendtagen kannte, brieflich das Italienerlebnis veordnen wollte: »Oh wenn ich ihm doch das Maul nach Rom wäßrich machen könnte«, schrieb er am 1. August 1801 nach Weimar. Aber Schiller hatte keinen Durst nach Faustinas Küssen. […] Reinhart hingegen, Rom ganz und gar erlegen, erobert die Stadt wie eine Geliebte. Richter macht sich auf die Spuren dieser Eroberungsstreifzüge und liefert so nebenbei satteste Sozial- und Alltagsgeschichte aus dem frühen 19. Jahrhundert. Reinharts Rom ist die Stadt, die wir immer suchen.

Michael Thumser Hofer Anzeiger

Und Richter versteht auch etwas vom Erzählen. So staffiert er, ohne die Grundlage sicherer Quellen zu verlassen, den Ereignisgang mit Anekdoten und Zitaten, mit Farben und Lebendigkeit aus. Die Mutter lässt er zu Wort kommen, namhafte Gefährten aufmarschieren, Zündstoff entflammen wie etwa des Künstlers verdammendes Urteil über Kritiker, auch jene, die’s gut mit ihm meinten. Und Richter hält die Verbindung „von Hof nach Rom“ und zurück unter leichter Dauerspannung. Denn Reinhart gedachte gern und gut der Stadt seiner Herkunft. Noch auf seinem letzten großen Gemälde, der 1846 – zwei Jahre vor seinem Tod – entstandenen „Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos“, trug der 85-Jährige in nicht ganz schulgemäßem Latein die Signatur ein: „I. C. Reinhart curiae regnitianus …“ – ein Maler in Rom, aber einer „aus Hof“.

Zusätzliche Information

Gewicht 200 g
Größe 24 x 13.5 cm
ISBN Nummer

978-3-88747-245-0