Master Pongo oder Ein Gorilla erobert Europa

16,80  inkl. MWSt.

128 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Abbildungen

Opulent illustriert, spannend erzählt: die spektakuläre Ankunft des ersten lebenden Gorillas in Europa, neugierig beobachtet von aufgewühlten Menschen, die in ihm ihren Vorfahren erkannten…

Artikelnummer: ISBN 978-3-88747-285-6 Kategorien: , , ,

Liverpool Juni 1876, am Hafen drängen sich Tausende. Angekündigt ist der »gewaltigste Affe, den die Zoologie kennt«, oder wie es im Brockhaus heißt: »eines der scheußlichsten Geschöpfe«. Schon seit den ersten Afrikafahrern kursierten Gerüchte: »Riesen in Menschengestalt, unbezähmbare Killer«, so der Tenor.
Inzwischen hatte sich aber etwas Entscheidendes verändert. Nachdem einige Jahre zuvor Darwin seine Evolutionstheorie veröffentlicht hatte (ein europäischer Bestseller), galten die Gorillas als die Vorstufe der menschlichen Wesen. Das steigerte natürlich die Neugier ins Unermessliche – und tatsächlich wurde aus dem kleinen, jungen Gorilla, der einem deutschen Expeditionsarzt in Afrika geschenkt worden war, ein Medienstar. Für 20 000 Reichsmark, ein Vermögen damals, hatte ihn das Berliner Aquarium als Attraktion eingekauft; die Rechnung ging auf, die Neugierigen standen Schlange, der Gorilla wurde zum Liebling seines Publikums nicht nur in Berlin, sondern auch auf teuren Tourneen in ganz Europa. Auch die bedeutendsten Wissenschaftler wie Rudolf Virchow waren elektrisiert und studierten den »Urahn«. »Affe oder nicht – Vater? Onkel?«, fragte die satirische Zeitschrift »Kladderadatsch«. Das Spektakel dauerte anderthalb Jahre – dann war der Affe tot, er starb an Tuberkulose.
Doch das Interesse an fremden Tieren und Kontinenten war geweckt und wuchs immens … Wissen wurde populär.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Mustafa Haikal erzählt in einem schönen kleinen Band die Geschichte von M’Pungu, vom Erwerb des kleinen Gorillas durch eine deutsche Afrika-Expedition über dessen Zeit als europäische Berühmtheit – eine Reise ans Londoner »Royal Aquarium« eingeschlossen – bis zum Obduktionsbericht in der »Berliner Klinischen Wochenschrift«, der das eindrucksvolle »wissenschaftliche Trauergefolge« beschreibt, an dessen Spitze eine andere Berühmtheit, nämlich Rudolf Virchow stand.

Manuela Reichart DeutschlandradioKultur,

Das Buch ist sehr gut geschrieben, man liest es wirklich gern. Es ist ein naturkundliches Geschichtsbuch, wunderschön illustriert. Zum Nachlesen: Geschichte einer afrikanischen Trophäe

H. Strehlow Der Zoologische Garten,

Haikal schildert nicht nur den Lebenslauf Master Pongos, sondern geht auch auf die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe ein, die das Leben M’Pungus und seine Bedeutung für Wissenschaft und Forschung beeinflussten. Dazu erschließt er auch bisher ungenutzte Quellen, wie etwa die Tagebücher der Loango-Expedition. So ist ein faszinierendes Buch zu einem frühen Kapitel der Geschichte der Zoologischen Gärten entstanden, das ebenso für Fachleute, wie den interessierten Tierfreund gut zu lesen ist.

Annemarie Stoltenberg Norddeutscher Rundfunk Kultur

Eine kleine kostbare Trouvaille. Ich beneide jeden, der dieses Buch in die Hände bekommt.

Die Welt

Erkenne dich selbst: Mustafa Haikal erzählt das Leben des ersten Gorillas in Europa als Parabel der Zivilisationsgeschichte […] Dabei geht es nicht nur um wissenschaftlichen Ehrgeiz und Erkenntnis, auch um Geld, um Herrschaft und Innbesitznahme. Vordergründig die leicht lesbar erzählte Biographie eines Menschaffen, berichtet »Master Pongo« zudem von der Eroberung des Raumes und dem Anspruch der europäischen Mächte, jeden Winkel der Erde zu durchleuchten und zu besitzen

Der Freitag

Mustafa Haikal hat mit der anrührenden Geschichte von Master Pongo zugleich einen kundigen, trefflich illustrierten Rückblick auf die Afrika-Forschung, die Jugendjahre des Darwinismus und die zoologischen Ausstellungen jener Jahre geliefert.

 

Herman Reichenbach International Zoo News

M’Pungu’s short, fascinating and eventually tragic life is brilliantly retold by the zoo historian Mustafa Haikal, author of the standard histories of both the Leipzig and Dresden Zoos. The publishers have done a fine job producing a handsomely printed and generously illustrated slim volume; scholars will find the book well documented.

Michaela Adick Heilbronner Stimme

 

In seinem liebevoll illustrierten Bändchen findet sich, neben sachkundigen Einschätzungen der Kontroverse zwischen Charles Darwin und seines Widersachers Richard Owen, auch ein luzider Einblick in die vergessene deutsche Kolonialgeschichte.

Matthias Glaubrecht Die literarische Welt

 

Master Pongo war der Eisbär Knut der Kaiserzeit.

Zum Nachlesen:
Literarische Welt

 

Arno Widmann Berliner Zeitung

Mustaf Haikal erzählt von den Schwierigkeiten, die die Pfleger im „Aquarium Unter den Linden“ mit ihm hatten. Auch von dem Vergnügen und von dem riesigen Interesse des Publikums. Er erzählt von der Reise nach London, wo die britische Kolonialmacht neidisch war auf den Gorilla. Es ging dabei nicht nur um die Wissenschaft. Die Ökonomie spielte auch eine Rolle.

 

Utz Anhalt Junge Welt

Mustafa Haikal gelingt eine kritische Geschichte der Zoos, die nicht entweder aus Anekdoten von Zoodirektoren oder Agitation von Tierrechtlern besteht. Das Buch ist daher eine Pionierarbeit der Forschung über Mensch-Tier-Verhältnisse. Geschichtsforschung ist wie Tanzen: Leicht und spannend erzählt erst der, der die Quellen intensiv studiert hat und sein Handwerk versteht – so wie Haikal. Seine Dokumentation liest sich wie eine Abenteuergeschichte. Ein wichtiges Buch.

 

 

Zusätzliche Information

ISBN Nummer

978-3-88747-285-6