Jeder wird verrückt auf seine Art. Roman

18,00  inkl. MWSt.

Aus dem Albanischen übersetzt von Zuzana Finger

»Es macht Spaß, diesen Roman zu lesen, weil er humorvoll und reflektiert erzählt wird, während die Charaktere und Ereignisse wie in einem Schwarzweißfilm vor einem ablaufen. Denn schwarz-weiß war die Zeit.«
Gjergj Meta, Panorama

Deutsche Erstausgabe
160 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
Originalausgabe: Secili cmendet sipas menyre se vet
Fishta, Tirana, 2016

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Erscheint Ende Februar 2022

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Artikelnummer: 978 3 88747 390 7 Kategorien: , ,

Der Roman des albanischen Autors Stefan Çapaliku erzählt von den letzten zwanzig Jahren der kommunistischen Herrschaft in Albanien. Die Handlung beginnt im Jahr 1967, als Albanien zum atheistischen Staat erklärt wurde, und sie endet 1985 mit dem Tod des Allmächtigen, des Partei- und Staatsführers Enver Hoxha.
Die Zeit dazwischen wird aus der Sicht eines Heranwachsenden dargestellt, dessen Zeitrechnung sich am Erwerb und der Nutzung eines heiß ersehnten Fernsehgeräts orientiert. Die ohnehin engen Kontakte unter den Nachbarn und der Familie werden durch das gemeinsame Fernsehen von (verbotenen) italienischen oder jugoslawischen Sendern weiter intensiviert und bieten Überraschungen skurriler, origineller und tragischer Art.
Die Stadt Shkodra war vor der Machtergreifung der albanischen Kommunisten ein bedeutendes Religions-, Kultur- und Handelszentrum. Stefan Çapaliku, ein intimer Kenner seiner Heimatstadt, legt das dichte Gewebe aus venezianischen, osmanischen, österreichischen und albanisch-bürgerlichen Traditionen frei und brilliert mit einem ironischen, manchmal sarkastischen Blick auf die damaligen politischen Verhältnisse und auf eine archaische Familienstruktur, an der die politischen Zwänge abprallen.
Wohl noch nie ist die Realität eines kommunistisch dirigierten, längst abgewirtschafteten Landes mit einer so umwerfenden und bissigen Komik beschrieben worden wie hier.

»Jak ist zu Besuch gekommen. Das Wort Besuch wurde damals überdurchschnittlich oft gebraucht. Die Menschen besuchten einander spontan und unangekündigt. Sie kamen einfach herein und setzten sich. Die Gastgeber hatten dann üblicherweise drei Pflichten zu erfüllen: Kaffee, Raki und Unterhal­tung. Oft waren die ersten zwei schwerer zu bewältigen als die dritte.
Jak saß mit übereinandergeschlagenen Beinen da. Er trug einen grauen Anzug und spitze braune Schuhe. Er war kahlköpfig und hatte ein scharf geschnittenes Gesicht. Er bekam ein Glas Raki serviert und wartete auf den türkischen Kaffee mit viel Zucker von meiner Oma.
›Er liegt im Kühlschrank.‹
›Wer liegt im Kühlschrank?!‹
›Na, Er doch. Ich weiß das aus sicherer Quelle. Sie lagern ihn im Kühlschrank, weil sie nicht wissen, wie sie uns das sagen sollen. Sie sind dazu nicht bereit. Sie haben Angst. Aber das dauert nicht mehr lange. Es ist bald vorbei.«
Das war mehr oder weniger das, was Jak sagte. Er meinte den Dikta­tor. Enver Hoxha. Es wurde gemunkelt, dass er an einer ­unheilbaren Krankheit litt. Eine Art akute Diabetes, die nach und nach alle Organe beschädigte. Deshalb war er, also Jak, davon überzeugt, dass Enver Hoxha nicht mehr lebt und dass sein Leichnam in der Pathologie liegt, die von Jak Kühlschrank genannt wurde. Das war natürlich hochgeheim, aber Jak wusste es dennoch. Woher, das behielt er für sich.«

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