Glücksmarie

16,80  inkl. MWSt.

160 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Der Roman einer Kindheit, packend geschrieben aus der Perspektive des Mädchens Marie: Eine Kindheit zwischen Ausbrüchen von Gewalt, Angst, Widerstand und einer geglückten Flucht.

 

Artikelnummer: ISBN 978-3-88747-194-1 Kategorien: ,

Inka Bach zeichnet das Bild einer äußerlich normalen, im familiären Alltag aber traumatischen Kindheit: Gewalt ist überall anwesend. Marie wächst bei Stiefeltern, erfolgreichen Wissenschaftlern an einem angesehenen DDR-Institut, auf; der Stiefvater, zum Schluß des Zweiten Weltkriegs noch als Soldat ausgebildet, ist gewohnt, sich durchzusetzen, auch mit körperlicher Gewalt, die er ganz selbstverständlich gegenüber der Stiefmutter und dann auch gegenüber dem Stiefkind einsetzt. Aus der Perspektive des Mädchens, in einer genauen Wahrnehmung und einer eindringlich lakonischen Sprache, wird diese familiäre Gewalt in Beziehung oder Kontrast gesetzt zu anderen Lebensbereichen: zu den etwas verschrobenen und geliebten Großeltern, zu Nachbarn, zu politisch rigiden Lehrern, zu Freundinnen und Freunden. Aus diesen anderen Erfahrungen bezieht das Mädchen schließlich eigene Maßstäbe, die Widerstand wecken gegen die vom Stiefvater erwartete und jederzeit durchgesetzte Unterwerfung. Als er beschließt, mitsamt »seiner« Familie aus der DDR zu fliehen, weigert Marie sich mitzukommen: sie will in der DDR bleiben, damit sie so, nach deren Flucht, von ihren Stiefeltern endlich »befreit« ist; als das aber nicht gelingt, Marie in den Westen mitfliehen muß, sucht sie sich eine andere Lösung …

Julia Schneider  Stuttgarter Zeitung

»Glücksmarie« ist der erste Roman von Inka Bach, die 1956 in Ost-Berlin geboren wurde und, ähnlich wie ihre Protagonistin, in den siebziger Jahren mit ihrer Familie in den Westen flüchtete. […] Die eindringlich erzählte Entwicklung liest sich umso spannender, als sie in einer schnörkellosen Sprache und ohne Jammerton daherkommt und dabei absolut glaubwürdig wirkt.

Udo Scheer Die Welt

Dieser Roman erzählt eine jener Geschichten, die man kaum erfinden kann. Er liefert drastische Einblicke in familiäre Verhältnisse, wie sie bisher nicht zu lesen sind. […] Als Roman einer Kindheit in der DDR demontiert dieses Buch zusätzlich eine der letzten postsozialistischen Ikonen, die Geborgenheit in der Familie. […] Und Inka Bach, die spätestens seit ihrem »Rheinsberger Tagebuch« über Neonazismus in Ostdeutschland als investigative Autorin gilt, bricht ein weiteres Tabu. Mit einem Porträt über Herberts Chefarzt Prof. Hermann Stieve, der unter seinem richtigen Namen erscheint, dokumentiert sie die in der DDR tabuisierte Übernahme von Nazi-Ärzten aus dem Dritten Reich. Es interessierte niemanden, daß von den Nazis verurteilte Frauen für Stieves Forschungen wunschgemäß nach ihrem Menstruationszyklusses hingerichtet worden waren. Der moderne Frankenstein bestellte den »Tod nach Kalender«.
Dieser Roman ist eine eindringliche Abrechnung mit der »kommoden Diktatur« und den Abgründen hinter familiären Fassaden. An seinem Ende steht eine dramatische, doppelte Flucht aus den Fängen beider.

Uwe Stiehler Märkische Oderzeitung

»Glücksmarie« gehört in die dünn besetzte Reihe der die DDR unbestechlich entzaubernden Bücher. Es ist genauso desillusionierend wie Erich Loests »Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene«, aber noch radikaler. Man merkt dem Roman an, dass die Autorin nichts dem Zufall überlässt. Jedes Wort ist genau gesetzt, und keins ist zu viel.

Werner Mendling Deutsches Ärzteblatt

„Glücksmarie“ ist ebenso Entlarvung und Aufarbeitung eines kleinkarierten politischen Systems am Beispiel einer Arztkarriere in der Charité wie ein erschütterndes individuelles Psychogramm einer kranken Dreierbeziehung zwischen Herbert, Carola und Marie.
Der Schreibstil ist fast stakkatoartig gehetzt, prägnant, schlagend wie der Vater, aber auch hochsensibel und intelligent. Marie lehnt sich gegen ihre Selbstzerstörung auf und gewinnt als Glücksmarie. Das Buch leistet einen Beitrag, die auch im ärztlichen Bereich mögliche „Wir-sind-ein-Volk-Gefühlsduselei“ zu relativieren, gibt andererseits erschreckende Einblicke in die Psychopathologie eines Familienlebens und ist außerdem Zeugnis des Überlebenswillens einer jungen Frau.

Zusätzliche Information

Gewicht 200 g
Größe 22 × 14.5 cm
ISBN Nummer

978-3-88747-194-1