Emigranto. Vom Überleben in fremden Sprachen

14,00  inkl. MWSt.

Mit einem Essay von Abbas Khider
Und Texten von Erika Mann, Herbert Freeden, Max Hermann-Neisse, Carl Zuckmayer u.a.

Aktualisierte und erweiterte Auflage
112 Seiten, gebunden mit Abbildungen

»Ein Buch, bei dessen Lektüre sich oft die Lachtränen mit denen der Trauer mischen…«
Frankfurter Rundschau

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Erscheint am 5. Oktober 2020

Nicht vorrätig

Artikelnummer: ISBN 978-3-88747-381-5 Kategorien: ,

»Emigranto« wurde scherzhaft das Sprachgemisch genannt, das deutsche Emigranten in ihren neuen Ländern sprachen. Anhand eigener Erfahrungen und denen von Freunden und Bekannten erzählt Inge Deutschkron von der Not, sich aus existenziellen Gründen möglichst schnell in einer anderen, völlig unbekannten Sprache ausdrücken und zurechtfinden zu müssen. Über furchtbare Missverständnisse, über pure Verzweiflung, aber auch über die manchmal unfreiwillig komischen Ergebnisse. So wie die stolze Antwort eines deutschen Emigranten auf die Frage eines englischen Stromablesers nach dem Stromkasten (»Where’s the meter?«): »I’m the meter!«
Die Autorin erzählt von der schwierigen Situation besonders älterer Menschen, gerade dann, wenn sie beruflich auf sprachliche Gewandtheit angewiesen waren. Und von der schnellen Eingewöhnung von Kindern und Jugendlichen in die neue Umgebung und Sprache, so dass sie oft für ihre Eltern die Dolmetscher spielten. Entscheidend war auch, wie die »Einheimischen« auf die Sprachversuche der Eingewanderten reagierten; dies schwankte, übrigens auch je nach Land, zwischen absoluten Nicht-Verstehen-Wollen und einer Bereitschaft, auch noch jedes Kauderwelsch als perfekte Äußerung zu akzeptieren (was höflich ist, aber ausschließt, dass man aus Fehlern lernt).
Dieses Buch, erstmals 2001 erschienen, war für Abbas Khider, eine wichtige Entdeckung: es benennt genau die Schwierigkeiten, die Emigranten hierzulande aktuell haben (Deutsch ist eine sehr schwierige Sprache), auch die Probleme mit »Eingeborenen«, und zeigt auf der anderen Seite, wie man diese Schwierigkeiten überwinden kann, indem man auch die komische Seite von Nicht- oder Missverständnissen sieht.

Mein Vater hatte französische Philologie studiert und sich mit der englischen Sprache nur nebenher beschäftigt. Aber ausgerechnet in England fand er Asyl. In einer Abendschule suchte er, nicht mehr ganz jung, sein Englisch zu verbessern. Als er irgendwann im Jahr 1939 des Abends, in einen vornehmen Gehpelz gekleidet, der ihn sogleich als Ausländer auswies, die Londoner Oxford Street herunterspazierte, sprach ihn eine »Da­me« an mit den Worten: »Where are you going, darling?« Mit der Präzision eines eifrigen Schülers, der keinen Fehler machen wollte, aber sprachlich auf eine derartige Begegnung nicht vorbereitet war, antwortete er brav und wahrheitsgetreu: »To the ­evening-classes.« Seine Reaktion entsprach auch seiner damaligen Gemütslage. Er wollte alles richtig machen, nicht an­ecken, so schnell wie möglich dazuge­hö­ren. 1933 hatten ihm die Nazis mit dem Rausschmiß aus seinem geliebten Lehrerberuf und der Ausgrenzung aus der »deutschen« Gesellschaft den Boden unter den Füßen weggezogen. Er ist nie mehr heimisch geworden. War man nicht »British born« und sprach Englisch mit einem noch so leichten Akzent, blieb man ein Fremder.
Bei der Ankunft im fremden Land waren die Emigranten verständlicherweise überglücklich, den Gefahren für ihr Leben in ihrer ehemaligen Heimat entronnen zu sein. Die Staaten der westlichen Welt aber fühlten sich in keiner Weise verpflichtet, trotz der unmenschlichen, ihnen sehr wohl bekannten Maßnahmen und Begebenheiten in Nazi-Deutschland, Menschen in Gefahr aufzunehmen.

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