Der gute Russentisch

20,00  inkl. MWSt.

Originalausgabe
176 Seiten, 14 sw-Abbildungen
gebunden mit Schutzumschlag

Begegnungen in der sowjetisch-russischen Kulturszene vor und nach der Wende, mit Lilja Brik, Andrei Tarkowski,Ilja Kabakow, Alfred Schnittke, Maja Plissetskaja, Andrei Bitow, Tatjana Tretjakowa, Andrei Wossnessenski, Viktor Schklowski und vielen anderen.

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Artikelnummer: ISBN 978 3 88747 388 4 Kategorien: , , , , ,

Christiane Bauermeister hat ab den 1970er Jahren, zunächst als Studentin, später als »Russlandbeauftragte« der Berliner Festspiele und freie Kuratorin immer wieder die Sowjetunion bzw. nach dem Zusammenbruch die daraus entstandenen Staaten bereist. Dabei öffneten sich ihr viele Türen und sie lernte zahlreiche bekannte und unbekannte Künstlerinnen und Künstler kennen, woraus einige Freundschaften entstanden. Die Begegnungen zeigen auch die unterschiedlichen Lebensumstände der Künstler*innen im Verhältnis zur Staatsmacht auf: Menschen, die eher im Untergrund und versteckt wirkten, die in Opposition zu der jeweiligen Führung arbeiteten und zum Teil verfolgt wurden, andere, die völlig vergessen und verarmt ihr Dasein fristeten, und solche, die sich arrangiert hatten mit der Macht, offizielle Positionen besetzten, aber trotzdem interessiert waren am kulturellen Austausch mit deutschen Museen, Galerien, Konzerthäusern. Die Autorin war u.a. in Moskau, Leningrad/Petersburg, Wolgograd, Vilnius und Tiflis unterwegs, sodass die Begegnungen auch sehr lebendige Beschreibungen von Städten, Straßen und Plätzen enthalten. So entsteht Station für Station, Porträt für Porträt, Tisch für Tisch ein faszinierendes Mosaik der Kulturszene und des alltäglichen Lebens in der ehemaligen Sowjetunion von den 1920er Jahren bis heute.

In einem Seitenweg am Arbat, der Wesnin-Gasse, wohnte Tatjana Tretjakowa. Schon im Hausflur roch es nach Zigarettenrauch und nach gebratenen Zwiebeln. Der Lift rumpelte in den dritten Stock, ich stand vor einer Wohnungstür, wohl im vergangenen Jahrhundert einmal lindgrün gestrichen, an der Wand waren sieben Klingelschilder angebracht. Sieben verschiedene Parteien teilten sich eine ehemals noble 8-Zimmerwohnung, die schon in den zwanziger Jahren in eine Kommunalka umgewandelt worden war. Es hatte Wohnungsnot geherrscht, und die Bolschwiki hatten kurzerhand die ehemaligen Besitzer enteignet und ihre Wohnungen Arbeiterfamilien zur Verfügung gestellt, pro Familie ein Zimmer, das musste reichen. Tatjana Tretjakowa, groß und schlank, in schwarzen Hosen, mit violettem Schimmer in ihrem weißen Haar, holte mich an der Tür ab, führte mich durch einen dunklen schmalen Flur, der mit Schränken vollgestellt war, durch eine Küche, in der vier, etwas ältere Gasherde standen. Am Ende des Flures betraten wir ein geräumiges Zimmer, in dem ein Eisschrank brummte. Das Zimmer war mit Möbeln vollgestellt: Spiegelkommode, Garderobenständer, Schreibtisch. Ich nahm auf einem Sofa Platz, das wohl nachts als Tanjas Bett dient. Tanja zauberte mit Hilfe eines Tauchsieders einen starken russischen Tee und stellte Gebäck auf den Tisch. Sie knickte sich – nach russischer Art am Mundstück – eine Papirossa zurecht und fing an zu rauchen. Charmant fragte sie mich, was mich zu ihr führe.

Klaus-Rüdiger Mai NZZ Neue Zürcher Zeitung

… ein exzellentes Erinnerungsbuch … ein farbiges, pointiert erzähltes Kompendium russisch-deutscher Kulturbeziehungen bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. Und es ist von einer Autorin geschrieben, die weiss, wovon sie spricht … So wird das Buch nicht nur zum Zeitdokument, es ist darüber hinaus mit Eleganz und Noblesse geschrieben. Unprätentiös und vergnüglich wird der Geist der Zeiten, der Menschen und der Begegnungen heraufbeschworen. Die Russen würden nach der Lektüre vermutlich sagen: ›So ist das Leben.‹
NZZ, 7.7.2022

https://www.nzz.ch/feuilleton/ziemlich-beste-freunde-russische-kuenstler-in-deutschland-ld.1689774

Gerhild Heyder Weltwoche

Das Buch ist ein Schatzkästchen voller Geschichten, gerade auch für Leser, die mit der russischen Künstlerwelt nicht so vertraut sind – «feine» Menschen sind sie allemal. Man muss nicht alle Namen kennen, um vom Zauber einer zum großen Teil verflossenen Welt eingefangen zu werden.
Weltwoche, 29.6.2022

Elke Heidenreich Kölner Stadtanzeiger

Im Kölner Stadtanzeiger ist das Buch von Christiane Bauermeister »Der gute Russentisch« bei den Lese-Tipps der Woche dabei: Diese 97 Bücher empfiehlt Ihnen Elke Heidenreich
5.6.2022

Elke Heidenreich Kölner Stadtanzeiger

… einmal trifft sie bei einem Besuch in (damals noch) Leningrad im Vorzimmer des Bürgermeisters einen Herrn mit grauem Anzug und blauen Augen, die etwas von einem Wiesel hatten, und der gibt ihr seine Visitenkarte. Jetzt fiel ihr das Kärtchen in die Hände: ›Wladimir Putin‹ stand darauf. Wir wissen, wohin sich dieser Mann aus dem Vorzimmer entwickelte. Nein, er sitzt bestimmt nicht am Guten Russentisch, etwa mit Wladimir Sorokin, dessen Bücher in Russland schon verbrannt wurden, oder mit Helena Semjonowa, die mit 85 Jahren ärmlich in einem Mansardenzimmerchen im 6. Stock wohnte, als junge Frau hatte sie bei Alexander Rodtschenko Kunst studiert. Es gibt ihn noch, den guten Russentisch. Die russischen Schlächter aus der Ukraine sitzen dort nicht.
Das ist meine 100. Kolumne, 100 Mal habe ich Ihnen hier neue Bücher vorgestellt, und heute möchte ich nur daran erinnern, dass es Putins Krieg ist, nicht der von Tschechow, Turgenjew oder Lilja Brik.

Ann-Kathrin Maar Blog Textmanufaktur

Eine ungewöhnliche Autobiographie.
Mehr lesen: http://blog.text-manufaktur.de/2021/09/01/meine-erinnerungen-immer-scharf-stellen/
1.9.2021

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Zusätzliche Informationen

ISBN Nummer

9783887473884