Heute in Deutschlandfunk Kultur: Stefan Çapaliku mit seinem Roman »Jeder wird verrückt auf seine Art«. Jörg Magenau: Ein feiner Roman…

»Wie man als Kind das Leben in einer Diktatur erlebt, schildert Stefan Çapaliku in seinem Roman. Der Autor schreibt anekdotisch, in kurzen Szenen, an seinen Erinnerungen entlang. Çapaliku verzichtet auf eine sich entwickelnde Handlung und auf konturierte Hauptfiguren. Der Tonfall ist  dem kindlichen Erleben angemessen. Çapaliku schafft es auf diese Weise, den albanischen Alltag unter Enver Hoxha lebendig und verständlich zu machen. Das Buch endet 1985, als Enver Hoxha dann wirklich stirbt und mit ihm auch diese absurde, seltsam zurückgebliebene Epoche der Isolation zu Ende zu gehen beginnt. In der letzten Szene scheint sich ein Wunder zu ereignen. Ein Alter, der seit Jahren erblindet im Bett liegt, behauptet, wieder sehen zu können. Die Familie ist sich einig: Jeder wird verrückt auf seine Art. Doch erst jetzt, nach dem Tod des Diktators, wird die Verrücktheit greifbar, den vorher war die Verrücktheit der Verhältnisse normal. Und diese Verrücktheit zeigt Çapaliku sehr schön. Es ist ein einfaches, sympathisches und schlichtes Buch, das aber sehr viel verstehbar macht über diesen Alltag. Ein feiner Roman.«