Auf den Weihnachtstisch …

Erhard Schütz ruft im FREITAG: »Leute, kauft das für den Weihnachtstisch.Es ist eine Lust, von solcher Vielfalt zu lesen – und über Wissen zu staunen, das einem, zumal als Städter, nicht unmittelbar nutzt. Es in der Welt zu wissen, tröstet desto mehr! 

Letztjährig, in trüber Winterszeit, hatte ich meine Vorfreude auf die Wiederkehr des immer anders Gleichen durch ein schönes Buch über Blumen und vor allem ihre bezaubernden Namen finden können. Nun ist es wieder so weit. Der Winter und mit ihm der Geschenkzwang naht. Unterdessen hat sich Rosemarie Gebauer gewissermaßen von den Blumen hochgearbeitet und den Sträuchern und Bäumen gewidmet. Zeigt einmal mehr: Namen sind keineswegs Schall und Rauch. Diesmal macht das naturgemäß schön gemachte Büchlein es einem zunächst ziemlich schwer, weil es sich erst einmal an die lateinischen Haus- und nicht an die deutschen Vornamen hält. Wer würde zum Beispiel ad hoc unter Juniperus communis Wacholder vermuten – und also Frau Kranewitt, Machandelboom, Queckholder, Jeneverboom, jenen märchenerprobten, Gin und dergleichen spendenden Nadelhölzernen? Oder nehmen wir Rosa canina,Hagebutte oder Hatschepatsch. Wohingegen Viscum album, als weißbeerige Mistel, geradezu eine vielfaltsverarmseligte, der sprachsozialen Fürsorge hyperbedürftige Existenz zu pflegen scheint. Wiewohl sie sich doch, bedrohlich für die AfD, epiphytisch einschmarotzt und als Aufguss den Kreislauf normalisieren und beim jahreszeitlichen Küssen behilflich sein soll.

Es ist eine Lust, von solcher Vielfalt zu lesen – und über Wissen zu staunen, das einem, zumal als Städter, nicht unmittelbar nutzt. Es in der Welt zu wissen, tröstet desto mehr! Leute, kauft das für den Weihnachtstisch (interessanter als der Bestsellerie von Herrn Wohlleben ist es allemal).

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