Verlagsgeschichte
Der TRANSIT Buchverlag wurde am 1. April 1981 in Kreuzberg (im damaligen West-Berlin) gegründet, in einer angenehmen Zeit, in der alles machbar schien, was man gern machen wollte.
Schon die ersten Bücher sprangen aus den gewohnten Schubladen heraus: ein Buch über die damals verpönte S-Bahn, garniert mit schönen Fotos vom Verfall und unterlegt mit einem irritierenden Text von Uwe Johnson; ein Buch über einen furiosen Kinderaufstand gegen die preußischen Besatzungstruppen im Elsass kurz vor dem Ersten Weltkrieg; über phantasievolle Arbeitslosenunruhen Ende des 19. Jahrhunderts, wo die Luxusläden in Berlin geplündert wurden mit dem für die Polizei überraschenden Befund, dass sich die Ärmsten der Armen danach bei Champagner, Trüffelleberpastete, Kaviar und kubanischen Zigarren gekonnt und friedlich vergnügten.
Dann kam die Zeit der Kulturgeschichten: über das Heulen, den Schluckauf, das Rauchen, über den Jazz, das Akkordeon, die Vespa (ein Bestseller) oder die Erfindung des Films – Bücher, die alltägliche Gegenstände oder Phänomene historisch hinterfragten und mit aufregenden und kuriosen Dokumenten und Fotos große Resonanz in den Medien (und oft auch bei den Lesern) hatten. Und die Zeit der Biographien, vor allem der Lebensläufe deutscher Juden, die mit viel Glück und Geschick der geplanten Vernichtung entkommen konnten.
1989 war natürlich für ganz Deutschland und erst recht für Berlin eine mächtige Zäsur. Für den Verlag war es der Anfang eines mehr belletristisch geprägten Programms, anfangs getragen von Autorinnen und Autoren, die in der DDR gelebt hatten und dort nicht – oder nur zensiert – publizieren konnten: Heinz Knobloch, Peter Wawerzinek, Tilo Köhler, Jutta Voigt, Ines Geipel, Inka Bach oder Claudiu M. Florian, der von seiner Kindheit in Siebenbürgen erzählt. Die Literatur setzte sich dann fort mit Briefbänden von Uwe Johnson, Texten von Hubert Fichte, Imre Kértesz, George Grosz, F.C. Delius, Irina Liebmann, Ditte von Arnim, Ruth Berlau. Parallel dazu politische Bücher, die sich mit der DDR- bzw. der osteuropäischen Geschichte, aber auch mit dem Bankenskandal in Berlin beschäftigten (dabei unangenehm begleitet von vielen Prozessen, die wir Gott sei Dank größtenteils gewonnen haben).
Seit einigen Jahren finden sich auch ausländische Autorinnen und Autoren in unserem Programm, Entdeckungen wie die Romane der Katalanin Maria Barbal oder, ganz aktuell, von isländischen Autoren, die vorher nie ins Deutsche übersetzt worden waren und hier großen Beifall erhalten. Ergänzt werden diese Titel immer wieder von Ausflügen in die Kulturgeschichte (Baltasar Porcel »Das Mittelmeer« oder Dieter Richters Buch »Von Hof nach Rom«), von kleinen, luxuriösen Frechheiten, Titel wie »Berlin ist das Allerletzte«, »Unsere Architekten. Feinste Verrisse«, »Das große Buch über den Geiz«, über das Glücksspiel oder Texte von dem grandiosen Matthias Beltz.
Ein auffälliges, schön gestaltetes Programm: literarische Fundstücke und Überraschungen, Bücher, die man gerne in die Hand nimmt.

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