Eine Begegnung mit einem Land, das drauf und dran ist, im Mord und Terror der verschiedenen Drogenbarone und -kartelle zu versinken und sich moralisch aufzugeben; ein Land, in dem viele die Wahrheit nicht mehr wahrnehmen wollen, weil die Wahrheit tödlich ist bzw. die Wahrheit von ihnen Widerstand abverlangen würde – Widerstand, zu dem sie nicht mehr fähig sind bzw. sie garantiert zu den nächsten Opfern machen würde. Das könnte tatsächlich ein Modell werden dafür, wie die Menschheit zugrunde gehen kann ...
Jeanette Erazo Heufelder, aus Südamerika stammend, hat sich mit viel Mut und viel Kenntnis auf eine Route begeben, in der sich ein Inferno auftut – und hat dabei ihre Augen offen behalten: für falsche Erklärungen und Vertuschungen, für historische – Opium und Morphium im Ersten und Zweiten Weltkrieg – und aktuelle Hintergründe – rasant wachsender Kokainkonsum in den »besseren« nordamerikanischen und europäischen, also auch unseren Gesellschaften, ohne den die Macht und der Reichtum der mexikanischen Drogenbarone gar nicht denkbar wäre. Insofern hat sie ein Buch geschrieben nicht nur über das grausame, aber ferne Mexiko, sondern auch exemplarisch darüber, welche Verantwortung wir tragen für die dramatische Brutalisierung dieser Welt.
Über die Autorin
Jeanette Erazo Heufelder, 1964 geboren, ist Ethnologin und Autorin mit dem Themenschwerpunkt Lateinamerika. Sie war jahrelang als Autorin von Dokumentarfilmen tätig und hat als Kulturbeauftragte für die ecuadorianische Botschaft gearbeitet.Zuletzt erschienen »Havanna Feelings – Die Magie des alten Kuba« und »Der Smaragdkönig. Victor Carranza und das grüne Gold der Anden«. Das Buch war für den Lettre-Ulysses-Award nominiert. Jeanette Erazo Heufelder lebt mit ihrem Mann in Potsdam.
Pressestimmen
WDR 5, Redezeit, 25. Januar 2012
Im Gespräch mit Thomas Koch
»Wie ist die Wirklichkeit hinter den Nachrichten, die wir nicht verstehen.«
Perlentaucher, 9. Januar 2012
Bücherschau
»Mit angehaltenem Atem folgt die SZ Jeanette Heufelder auf ihrer Reise durch den ›Drogenkorridor Mexiko‹.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Januar 2012
»[…] Die Schilderung ständiger Todesangst durch nüchtern aneinandergereihte Geschichten überzeugt […] Während in der Wirklichkeit die Bevölkerung entmündigt wird, gibt Erazo Heufelder den Opfern die Hauptrolle.«
Süddeutsche Zeitung, 9. Januar 2012
Camilo Jiménez
»[…] Erazo Heufelders Darstellung ist mitreißend, sie schildert die befremdende Stille, in der diese verarmten Städtchen des Kriegs leben. Sie fährt durch Horte der Straflosigkeit wie Creel, Namiquipa und Ciudad Juárez, wo selbst sie überfallen wird. In Cuauhtémoc erfährt sie, wie Jugendliche nach dem Motto „Auffallen-um-jeden-Preis“ dem schnellen Geld hinterherjagen und sich stolz als Staatsfeinde gerieren. […] Erazo Heufelder hat ein Mexiko kennengelernt, das sich selbst belügt, eine „zutiefst konservative, verschlossene Mentalität“, die dazu anhält, zu verdrängen. […] Wer sich mit ihr auf diese Reise durch die Anbau- und Schmuggelparadiese des Westens begibt, weiß freilich, dass die mexikanische Gesellschaft erst dann begann unterzugehen, als der Staat in Sachen Bildung, Justiz und Institutionalisierung gescheitert war. Hätte Mexiko die Kartelle nicht über Jahrzehnte, vor allem während der siebzig Jahre der Alleinherrschaft der korrupten PRI-Partei, toleriert, wäre das Schicksal des Landes heute ein anderes. Aber seit 2006 findet ein blutiger Krieg statt, buchstäblich ein Krieg zwischen Brüdern, zwischen armen Brüdern. Ein Krieg der Armen. […]«
Junge Welt, 2. Januar 2012
Gerd Bedszent
»[…] Im Buch wird ausführlich dokumentiert, daß der Drogenkrieg kein spezifisch mexikanisches Phänomen ist. In Kolumbien erhält ein Bauer für das Kilo Kokablätter 300 US-Dollar. Nach Verarbeitung zu Kokain kostet dieses Kilo 15000 US-Dollar. Nach dem Transport über Mexiko in die USA zahlt der Endverbraucher dort 100000 Dollar. Die verfehlte Drogenpolitik der US-Regierung erzeugt auch im südlichen Nachbarland eine irrwitzige Gewinnspanne und frißt im »Drogenkorridor« jeden Ansatz einer halbwegs funktionierenden Ökonomie auf. Was bleibt, ist Kapitalismus in seiner barbarischsten Ausprägung. Wie zitierte Marx im »Kapital«: »300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«
ARD-Fernsehen:
Titel, Thesen, Temperamente
Hinweis auf die Sendung am Sonntag, 11. Dezember 2011
Der Beitrag beginnt, wenn Sie den Cursor auf 3,20 vorschieben.
Lateinamerika Nachrichten, Dezember 2011
Knut Henkel
»[…] ›Der Kampf gegen die Drogenkartelle ist zur Zerreißprobe für den Staat geworden, gerade weil die Demokratisierung und Durchsetzung der Menschenrechte in Mexiko nie abgeschlossen wurde‹, urteilt der mexikanische Historiker Jesús Vargas in einem der spannenden Kapitel. Die bringen Licht ins Dunkel des Drogenkriegs in Mexiko, zeigen Facetten auf, beleuchten aber auch Verbrechen, die unter dem Deckmantel des Drogenkonflikts unsichtbar werden wie die Frauenmorde von Ciudad Juárez oder die sozialen Säuberungen in Regionen mit klassischen Landkonflikten […].«
Deutschlandfunk, 21. November 2011
Jeanette Erazo Heufelder im Gespräch
mit Peter B. Schumann
»[…] Im Mittelpunkt der Untersuchung von Jeanette Erazo Heufelder stehen jedoch die Veränderungen, die der Krieg im Alltag, in den Lebensweisen und im Bewusstsein der Menschen verursacht hat. Die Autorin strebt keine politologische Analyse des Drogenphänomens von außen an, sondern beleuchtet die Folgen der Gewalt von innen, von den Betroffenen her. Dafür wählt sie die Reportage.
[…] Die Kunst von Jeanette Erazo Heufelder besteht darin, sie zu veranschaulichen, den Fakten Gesichter zu verleihen und die tieferen Schichten von Mexicos größtem Problem auszuloten. Der Blick in den Abgrund ist jedoch kein Abgesang. Wie ein roter Faden ziehen sich durch den Schrecken die kleinen und großen Akte zivilen Widerstands. […] Ihr ist mit Drogenkorridor Mexico die erste umfassende Darstellung der Thematik gelungen, die auf der Basis von Reportagen die erschreckende Wirklichkeit ergründet.«
Neues Deutschland, 1. November 2011
W.-D. Vogel
»[…] Die Autorin schreibt über eine traumatisierte Bevölkerung, über Kinder, deren Berufsziel es ist, einmal wie Chapo Guzmán zu werden. Doch sie trifft auch Menschen, die Wege suchen, um die Verhältnisse zu ändern: Pfarrer, Anwälte, Aktivisten. Zum Beispiel Julian Lebaron. Seit einer seiner Brüder entführt und ein anderer ermordet wurde, kämpft der 36-Jährige für die Aufklärung der Verbrechen. »Es waren die üblichen Verdächtigen aus der Gegend. Allerorts bekannte Handlanger der Narcos.« Die Täter sind bis heute auf freiem Fuß. Lebaron ist trotzdem optimistisch. »Die Mexikaner haben die politische Klasse abgeschrieben«, sagt er. »Vielleicht ist jetzt die Zeit reif für eine echte Zivilgesellschaft.«
taz, 24. Oktober 2011
W.-D. Vogel
»[…] Ihre spannend geschriebenen Reportagen erzählen von den Narcocorridos, jenen "blutigen Balladen", in denen Massenmörder wie der Sinaloa-Kartellboss Joaquín Chapo Guzmán geehrt werden und die sie in jedem Bus und sogar in der Gourmetabteilung einer Supermarktkette hört. Oder von der Kapelle des Schutzheiligen der Mafia, Jesus de Malverde, zu dessen Todestag Besucher aus aller Welt nach Culiacán pilgern. "Wie Seifenopern", so resümiert die Autorin, "scheinen die über die Drogenbosse verbreiteten Mythen und Legenden mit der Sehnsucht der Leute zu korrespondieren, der Lethargie ihres eigenen Alltags zu entfliehen." Das Buch macht aber besonders interessant, dass Jeanette Erazo Heufelder von den Menschen berichtet, die sie an diesen Orten getroffen hat. […]«
swr2, 5. Oktober 2011
Peter B. Schumann: Ein Interview mit Jeanette Erazo-Heufelder
»[…] Sie zeigt, dass die heutige Gewalt eine Folge ›jahrzehntelanger Korruption auf allen politischen Ebenen‹ ist und die gegenwärtigen Formen von Brutalität sich längst vom Drogenmarkt abgekoppelt haben. Sie äußern sich in blutigen Exzessen und Massenmorden, aber vor allem auch an der Gewalt gegenüber Frauen. Ihrer Ermordung ohne Strafe, dem sog. Feminizid, hat Jeanette Erazo Heufelder ihr eindringlichstes Kapitel gewidmet. […]«
Spiegel online, 3. Oktober 2011
Hendrik Ternieden: Ein Interview mit Jeanette Erazo-Heufelder
»[…] Hinter den schrecklichen Nachrichten verschwindet das Schicksal der Menschen, die in dieser Gesellschaft leben und ihren Alltag bestreiten. Und vor allem das Schicksal der Menschen, die fernab der großen Städte wohnen, im Hinterland, wo die Banden ihre Drogen auf einsamen Landstraßen Richtung USA transportieren. Die Autorin Jeanette Erazo Heufelder hat die Menschen besucht und ihre Eindrücke in einem Buch beschrieben. […]«
Deutschlandradio Kultur, 29. September 2011
Carsten Hueck
»[…] Ihr Bericht geht unter die Haut. Er vermittelt eindrücklich, dass im Norden Mexikos - durch den die Transportwege der Drogenhändler verlaufen - ein Ausmaß an Gewalt und Rechtlosigkeit herrscht, das das Leben für die Bevölkerung dort zum anhaltenden Albtraum macht. […] Jeanette Erazo Heufelder entreißt einige der Opfer der anonymen Statistik. Das ist die Stärke ihrer Reportage. […] Eine alarmierende Reportage aus dem Herzen der Finsternis, klug, anschaulich, informativ. […]«
Potsdamer Neueste Nachrichten, 20. September 2011
Dirk Becker
»[…] ›Drogenkorridor Mexiko: Eine Reportage‹ ist die erste deutschsprachige Veröffentlichung, die endlich tiefe Einblicke in die vielschichtige Gemengelage im Norden Mexikos gibt und so nachvollziehbar macht, wie dieses Land in diese scheinbar aussichtslose Lage geraten konnte. Ein Land, geprägt von einem unwahrscheinlichen Maß an Korruption und Kriminalität und einer traumatisierten Bevölkerung, für die der Tod und das Verschwinden geliebter Menschen mittlerweile zum Alltag gehört. […] Und je mehr man sich durch diesen ›Drogenkorridor‹ liest, umso deutlicher wird, dass es den einfachen Menschen in Mexiko tagtäglich fast immer so geht wie Jeanette Erazo Heufelder nach ihrem Überfall an der Straße von El Sauzal: ›Ich schreie um Hilfe, aber der Wind trägt meine Stimme davon.‹ Jeanette Erazo Heufelder schreibt und erzählt nüchtern und ernüchternd von ihren Reisen. Von den täglichen Morden und Entführungen, der ständigen Gewalt und Bedrohung, der immensen Brutalität und Unsicherheit in einem Land, in dem allein das Recht des Stärkeren gilt. Und obwohl man auf einiges gefasst ist, erschreckt einen dann doch immer wieder das Ausmaß der Selbstverständlichkeit, mit der hier die Drogenbanden agieren. […]«
Deutschlandradio Wissen, 7. September 2011
Globus
»Die extreme Gewalt, mit der sich die mexikanischen Drogenmafia bekämpft, beherrscht immer mehr auch den Alltag derjenigen, die mit den Kämpfen eigentlich nichts zu tun haben. […]
WDR Funkhaus Europa, 31. August 2011
Ulrich Noller
»Drogenkorridor Mexiko« ist ein reiches, aufmerksam recherchiertes Zeitzeugnis, das die Geschichte und die Gegenwart des mexikanischen Drogenirrsinns angenehm unaufgeregt aufzeichnet und sich gerade deshalb packend liest. Das Portrait einer Gesellschaft, die zutiefst zerrissen, korrupt und traumatisiert ist - und die doch hier und da kleine Zeichen der Hoffnung sieht. Wer wissen will, was in Mexiko passiert, wie es dazu kam und was das alles mit den Menschen macht, der findet in diesem Buch Antworten. […]
LESEPROBE
Der Drogenkorridor im Hinterland schlägt eine Schneise von Culiacan nach Juarez. 700 Kilometer Luftlinie. Quer durch die Sierra Madre und die Sierra Tarahumara, vorbei an Madera, Cuauhtemoc, Namiquipa, Benito Juarez und Casas Grandes – Orte, die eng mit der Geschichte Chihuahuas verknüpft sind – und weiter über Villa Ahumada ins Tal von Juarez.
Es ist einer der am heftigsten umkämpften Drogenkorridore, in dem die Druckwellen der Gewalt mit blinder, mörderischer Energie über Orte hinwegfegen, die reich an kulturellen Unterschieden und regionalgeschichtlichen Einfärbungen sind. Orte, die bei uns in den Nachrichten über den Drogenkrieg als Schauplätze auftauchen, die Momentaufnahmen eines ständig köchelnden Krieges liefern, der aus der Entfernung betrachtet aus verwirrend vielen solchen Momentaufnahmen und ständig wechselnden Brennpunkten zu bestehen scheint, ohne dass ein Frontverlauf zu erkennen wäre.
Die Vorstellung eines Krieges, in dem verschiedene Drogenkartelle gegeneinander beziehungsweise miteinander auf der einen Seite und die Regierungstruppen auf der anderen Seite kämpfen, pulverisiert sich in der Unübersichtlichkeit einer Wirklichkeit, die zu gesichtslosen Orten gehört, deren Namen uns fremd und unvertraut sind und deshalb nicht im Gedächtnis haften bleiben. Nachrichten aus Mexiko erscheinen wie ein endloser Reigen aus Gewalt, Massakern, Blutbädern – unterbrochen von vereinzelten Erfolgsmeldungen über Schläge gegen einzelne Drogenkartelle. Doch was sagen militärische Operationen über den Alltag der Bewohner in Konfliktregionen aus?
16,99 €
ISBN 978-3-88747-275-7
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Wichtige links zum Thema:
http://juarezdialoga.org/
http://www.pasodelsur.com/
http://www.diocesisdesaltillo.org.mx/
https://desaparecidosencoahuila.wordpress.com/
http://www.cedehm.org.mx/nosotras.html


