»Der Schatten eines Lächelns« ist eine beunruhigende, fesselnde Geschichte in einer Gesellschaft am Rande von Willkür und Gesetzlosigkeit. Zuba, der Held des Romans, ein eher schüchterner Junge von 21 Jahren, muss plötzlich wegen einer schweren Krankheit seines Vaters dessen private Oberschule übernehmen; als er die angestellte Direktorin wegen offensichtlicher Betrügereien feuert, dreht diese den Spieß gekonnt um: er wird von ihr und ihrem treuherzig wirkenden Ehemann des Raubes und der schweren Körperverletzung bezichtigt, bestochene Polizisten nehmen ihn und seinen Freund Ike fest. So geraten sie in das Labyrinth einer geldgierigen Justiz und eines rätselhaft organisierten Gefängnissystems, eine für sie zunächst undurchschaubare Welt, in der sie aufgrund ihrer Naivität und Ahnungslosigkeit in äußerst bedrohliche, aber auch äußerst kuriose Situationen geraten – bis zu ihrer klug und mutig eingefädelten Befreiung.
In einer klaren und ironisch gefärbten Sprache gelingt Kachi Ozumba in seinem ersten Roman ein überraschendes und facettenreiches Bild des heutigen Afrika, verbunden mit präzisen und oft auch komischen Porträts von Häftlingen, Polizisten, Frauen und Männern innerhalb und außerhalb des Gefängnisses – ein Roman, der mit seiner Genauigkeit, seiner Vielfalt von Beobachtungen und seinem Einfallsreichtum jeden Leser berührt und bereichert.
Ein Roman aus dem heutigen Afrika:
»Ergreifend, poetisch, oft sehr komisch –
und gar nicht so weit von uns entfernt.«
Jackie Kay
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.
Über den Autor
Kachi A. Ozumba,, 1972 in Nigeria geboren, studierte dort Philosophie, ging dann nach Großbritannien und machte in Leeds einen Abschluss in Literatur. Er gewann 2009 den Commonwealth Short Story Prize. Seine Geschichten wurden in vielen englischen und internationalen Zeitschriften und in verschiedenen BBC-Programmen veröffentlicht. Er lebt jetzt in Newcastle. »Der Schatten eines Lächelns«, 2009 in London erschienen, ist sein erster Roman.
Pressestimmen
www.aus-erlesen.de
Karsten Koblo
[…] Kachi A. Ozumba schafft es mit einfachen Mitteln den Leser zu packen und in sein Heimatland zu entführen. Mit viel Einfühlungsvermögen zeichnet er eine Welt, die uns so fremd ist. Nigeria kommt in den Nachrichten kaum vor. Ab und zu ein paar Unruhen oder ein paar explodierende Öltanks, Umweltverschmutzung im Nigerdelta – das war's. Mehr erfährt man über eines der reichsten Länder des schwarzen Kontinents auf traditionellem Weg nicht. Hunderte Ethnien bereichern dieses riesengroße Land, das mehr als 130 Millionen Einwohner zählt. Sie leben mal mehr oder weniger friedlich nebeneinander. Wenn wirtschaftliche Interessen die Oberhand gewinnen, wird eine Fehde unter dem Deckmantel der Religion angezettelt. Wer sich für das wahre Afrika interessiert, fernab von verklärten Romanzen im Busch, entrückt von klischeehaften Vorurteilen, der kommt an "Der Schatten eines Lächelns" nicht vorbei: Roh und poetisch, informativ und spannend, realistisch und bedrückend ehrlich zugleich.
www.aus-erlesen.de
Der evangelische Buchberater, 04/2010
Luise Rohrhirsch
[…] Der Autor zeigt in klarer, teils ironischer Sprache eine vielschichtige afrikanische Welt und Menschen, die ihre Hoffnung nicht verloren haben. Diese eindrucksvolle Schilderung der nigerianischen Gesellschaft und ihrer Schattenseiten hat bei aller Härte auch Witz und kann allen Lesern mit Interesse an fremden Kulturen empfohlen werden.
Nürnberger Zeitung, 7. Juli 2010
Florian Kaiser
Der momentane Trubel um die Fußball-WM hat erfreuliche Nebenwirkungen: Stärker denn je gerät Afrika auch kulturell ins Blickfeld, etwa mit seiner Literatur. Gelegenheit für spannende Entdeckungen.
Hier entlang, mister man.« So wie der Polizist mit dem Gewehr auf der Schulter Zuba in die Zelle schiebt, so unsanft führt der Autor Kachi Ozumba seine Leser in den Dschungel der nigerianischen Justiz hinein, tief in ein schwüles Geflecht aus Korruption und Willkür, Religion und Ethnizität, Naivität und Verrat. Das für Westafrika so typische »Broken English«, stimmig ins Deutsche übertragen, die Schilderung der Zustände in den überfüllten Gefängnissen, die sich niemand ausdenken kann, der nicht drinnen war, die Andeutungen, Anmaßungen und Aneignungen selbst der kleinsten Rädchen im System – kaum jemand kann das alles so scharf, so packend und auch so amüsant wiedergeben wie Ozumba (in der Übersetzung von Rainer Nitsche).
[…] Über die Metapher des Gefängnissystems wird klar, warum die endemische Korruption in einem Land kaum zu besiegen ist, in dem es den meisten Menschen zwangsläufig nur ums Überleben geht und nicht um Gerechtigkeit – und wo es einfacher ist mitzumachen als sich einem System zu opfern, das Integrität weder schützt noch ehrt.
Vorarlberger Nachrichten, Juli 2010
Susanne Alge
"Mit erstaunlicher Begabung, detailgetreu und spannend" führe der nigerianische Autor Kachi A. Ozumba die Leser in "die Katakomben afrikanischer Verhältnisse" – so schreibt der Independent in London über den Debütroman "Der Schatten eines Lächelns". In der Tat berührt und bereichert das Werk durch seine sprachliche Genauigkeit, die Vielfalt der Beobachtungen, die präzise und anschauliche Schilderung sinnlicher Eindrücke, sowie der allgegenwärtigen Brutalität und Grausamkeit. […] Wie klug und mutig sie auch selbst auf die bedrohliche Situation und ihre scheinbare Aussichtlosigkeit reagieren, gelingt Autor Ozumba in seiner klaren, ironisch gefärbten Sprache fabelhaft darzustellen. Trotz der laut Amnesty International offenbar sehr realistisch geschilderten Zustände in den Gefängnissen Nigerias, wo Folter und Gewalt gegenüber Häftlingen – davon sind selbst "bloß" Verdächtige betroffen – zur Normalität gehören, gelingt Ozumba teilweise eine witzige Satire, wobei einem das Lachen oft schnell im Halse stecken bleibt und schierem Entsetzen weicht. Wünschen wir diesem Roman, der seine Protagonisten in eine nahezu kafkaeske Situation stellt, dass er ein größeres Lesepublikum erreicht als den kleinen Kreis an afrikanischer Literatur Interessierter, und er womöglich eine über die Fußball-Weltmeisterschaft hinausgehende Aufmerksamkeit für diesen Kontinent aufrecht erhält.
ekz. Bibliotheksservice, 11. Mai 2010
Peter Bräunlein
[…] Die witzige Satire kritisiert die nigerianischen Verhältnisse mit ethnischen Konflikten, einer brutalen Polizei, gewalttätigen Gefängnissen und ahnungslosen Anwälten. Es entsteht eine kafkaeske Situation, aus der die Hauptfigur kaum herausfindet. Hoffentlich erreicht der Roman ein größeres Publikum als den kleinen Kreis an afrikanischer Literatur Interessierter.
Leseprobe
Neben mir, in der Schlange, stand eine Frau mit blauangelaufenen Lippen. Sie hatte natürlich noch nie von mir gehört; aber plötzlich kam sie aus dieser Trance, in die wir alle gefallen waren, heraus und flüsterte in mein Ohr (alle sprachen dort nur im Flüsterton): »Kannst du das hier beschreiben?« Und ich sagte: »Ja, das kann ich.« Und dann huschte so etwas wie der Schatten eines Lächelns über das, was einmal ihr Gesicht war. Anna Achmatowa, Requiem Der Polizist wies mit dem Gewehr, das von seiner Schulter baumelte, die Richtung. »Hier lang, mister man.« Zuba betrat einen halbdunklen Gang. Seine Schritte hallten auf dem aufgeplatzten Betonboden, der mit zertrümmerten Resten eines Besenstiels bedeckt war. Die gelben Wände waren ebenso von Flecken übersät wie die Albino-Haut des Polizisten. Ein beißender Geruch, eine Mischung aus kaltem Schweiß, Urin, Verfaultem und Trostlosigkeit hing in der Luft. »Du glaubst, Sohn von reichem Mann braucht nicht in Zelle?«, schrie der Polizist hinter ihm. Die Worte trafen ihn nicht, jetzt nicht mehr. Jede Menge Beschimpfungen waren während des Verhörs auf Zuba eingeprasselt, und er hatte sich mittlerweile daran gewöhnt. Mit leerem Blick ging er den Gang entlang. Ike folgte ihm, das Gesicht starr vor Zorn. Die Handfläche des Vernehmers zeichnete sich immer noch auf seiner Wange ab. Der Gestank steigerte sich, als sie an den verrosteten und verdreckten Gitterstäben einer Tür vorbeigingen. Dahinter Männer mit nacktem Oberkörper, die im Halbdunkel auf dem Fußboden kauerten. Das Wort new man ging plötzlich um; geflüstert, wiederholt, von Mund zu Mund. Körper begannen sich in der Zelle zu regen. »Idem, sie sagen, du haben Platz für die zwei in deine Zelle«, sagte der Albino, als sie das Büro am Ende des Korridors erreichten. Er legte dem pausbäckigen Mann in Polizeiuniform ein weißes Stück Papier auf den Tresen. Dann studierte er an der Wand einen Kalender mit Fotos farbenfroh gekleideter Frauen: NIGERIAN POLICE WIVES ASSOCIATION 2000. Der die Nase reizende Duft einer Moskito-Spule kämpfte mit dem Gestank, der vom Korridor hereindrang. Idem beugte sich über das Papier. »Hmmmmh, Gewaltandrohung und Diebstahl.« Er blickte hoch und warf einen kurzen Blick in Ikes glühende Augen. Dann musterte er Zubas sanfte Gesichtszüge, seine Augen, die ihn aus einer schwindelerregenden Distanz anzustarren schienen, und senkte seinen Blick auf den goldenen Manschettenknopf, der ihm über der gepflegten Hand, die Zuba auf den Tresen gestützt hatte, entgegenblitzte. »Ausziehen, ausziehen«, bellte er. »Oder willst du in Zelle gehen mit oberfeinem Anzug? Geld und Wertsachen gibst du auch ab.« Seine Worte mussten bis ans Ende des Korridors gedrungen sein. Sofort wurden aus der Zelle Rufe laut: »Wenn ihr Kerle euch hierein traut ohne eure cell-sho, dann verprügeln wir euch, bis ihr nicht mal mehr die Namen eurer Mütter kennt.« »Denkt auf jeden Fall an eure cell-sho, sonst stopfen wir euren Kopf in den Scheißeimer.«
260 Seiten, gebunden
mit Schutzumschlag
14,80 €
ISBN 978-3-88747-243-6
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