Conxa, ein Mädchen von dreizehn Jahren, wird von ihren Eltern, armen Bauern in einem kleinen Dorf in den katalanischen Pyrenäen, zur kinderlosen Tante in ein anderes Dorf gebracht. Dort arbeitet sie im Haushalt und auf dem Feld und lernt später Jaume kennen, den sie gegen anfängliche Widerstände heiratet. Maria Barbal führt uns mit einer schnörkellosen Sprache in die fast archaisch anmutende Welt spanischer Bergdörfer, in der das Leben von ewig gültigen Traditionen geprägt scheint. Diese Welt wird brutal von der Politik überfallen, vom Bürgerkrieg zwischen Anhängern der neuen Republik und den Anhängern Francos. Der Krieg bricht auch in den Dörfern Fronten auf, zerstört das Vertraute und damit die Selbstverständlichkeit, in den alten Bahnen weiterzuleben. Conxa, inzwischen Mutter dreier Kinder, erlebt die Verhaftung ihres Mannes, wird selbst mit anderen Frauen und Kindern interniert. Später erfährt sie, daß ihr Mann erschossen wurde – und folgt schließlich ihrem Sohn nach Barcelona, eine Stadt, so neu und so fremd wie ein anderer Planet ...
Ein zärtlicher Blick in eine fremde Welt, in der Leben,
Tod und die Liebe wie Urgewalten wirken.
Über die Autorin
Maria Barbal, 1949 in Tremp (Pyrenäen) geboren, lebt in Barcelona und gilt als eine der wichtigsten und erfolgreichsten katalanischen Autorinnen der Gegenwart. »Wie ein Stein im Geröll«, erschienen bei : TRANSIT im Frühjahr 2007, hat inzwischen die 10. Auflage erreicht. Die katalanische Originalausgabe von »Inneres Land«, (2008) »País íntim«, liegt in der 7. Auflage vor und hat zahlreiche angesehene Literaturpreise erhalten. »Emma«, ihr auch in Spanien zuletzt erschienener Roman erschien 2009. Im Herbst 2011 wird ein weiteres Buch von ihr im Transit Buchverlag erscheinen.
Pressestimmen
Die Berliner Literaturkritik, 23. Juni 2009
Weeranut Jaksarn
[…] Wehmütig ist ihre Erzählung, aber keineswegs wehleidig und schon gar nicht mitleidheischend. Völlig undramatisch wird ihre Geschichte wiedergegeben. Die Übersetzerin hat ganze Arbeit geleistet, denn Conxas einfaches Wesen kommt in nüchtern gewählten Worten wunderbar zur Geltung. […] Ihr restliches Leben bis hin zu den Jahren in Barcelona ist von Freudlosigkeit geprägt. Auf den allerletzten zwei Seiten schwingt sich der Roman in ungeahnte literarische Höhen. Bei der Beschreibung der Stadt Barcelona, explodiert die Sprache regelrecht in phantasievollen Metaphern, Vergleichen und stilistischen Feinheiten. Barcelona personifiziert sich auf vielfältige Art und wird dadurch nahezu greifbar. Der Leser fragt sich sprachlos: Warum? Und bleibt ohne Antwort zurück. Dennoch hat die Geschichte ihre Wirkung nicht verfehlt. Ob man sie als eine Biografie liest, als politischen Roman oder als bloße Fremdbeschreibung einer anderen Kultur und völlig anderen Lebensweise, die ohne Elektrizität und Medien auskommt – sie ist und bleibt eine warmherzig berührende Lesekost.
www.berlinerliteraturkritik.de
Süddeutsche Zeitung, 4. Juli 2007
Florian Welle
Im Angesicht des Todes blickt Conxa auf ihr Leben zurück. Die alte Frau erinnert sich: An ihre kärgliche Kindheit als fünftes von sechs Kindern in den Pyrenäen. An ihre Übersiedelung zu Onkel und Tante ins nächstgelegene Dorf; jetzt hat die Familie einen Esser weniger und die kinderlose Verwandtschaft endlich eine Arbeitskraft. An den immergleichen Rhythmus der Tage, die Versorgung des Viehs, die Verrichtungen auf dem Feld. An die erste Begegnung mit dem Handwerker Jaume, ihrem späteren Ehemann. An die Patronatsfeste, auf denen sie mit ihrem Geliebten tanzt, tanzt, tanzt. An ihre Heirat, die Geburten ihrer Kinder Elvira, Angeleta, Mateu. An das Engagement ihres Mannes für die spanische Republik. Und an seine Ermordung durch die Faschisten. […] So spiegelt sich auf den gerade mal hundert Seiten die große Historie des zwanzigsten Jahrhunderts in der kleinen. »Wie ein Stein im Geröll« ist auf mehreren Ebenen zu lesen, als politischer Roman, als gesellschaftliches Gemälde und als das Schicksal einer bildungsarmen, ihr ganzes Leben hart arbeitenden Frau.
www.sueddeutsche.de/mediathek
ZDF, Lesen!, 11. Mai 2007
Elke Heidenreich
[…] Buchmessenschwerpunkt in diesem Jahr ist die katalanische Kultur, und dazu können Sie zur Einstimmung nichts Besseres, Ergreifenderes und Eindringlicheres lesen, als diese kleine Liebesgeschichte. Und das ist die zweite Sensation: so ein schmales, ruhiges Buch und – es enthält nicht nur ein ganzes Leben, es enthält eine ganze verschwindende Welt. […] Dieses Buch ist von einer Ruhe, Kraft und Schönheit, die überwältigend ist. Ich habe so was lange nicht gelesen. Und es lehrt uns, wie kurz unser Leben ist und was eigentlich wirklich wichtig ist – letztlich nur lieben, geliebt werden, aufrecht bleiben und sich ein Gefühl für Schönheit bewahren. […] Dieses Buch hat etwas, was nur ganz wenige Bücher ganz selten haben. Man liest es und bekommt Kraft. Es ist traurig, aber es ist niemals wehleidig. Ja, danach hat es jetzt jedes andere Buch wirklich schwer.



