Wie in ihrem ersten Roman, aber diesmal aus der Sicht einer jüngeren, selbstbewussten Generation, hat sich Maria Barbal erneut dem großen Thema auseinander brechender Traditionen, dem Verlust familiärer Nähe und Liebe zugewandt. Rita – sie könnte die Enkelin von Conxa, der Hauptfigur in »Wie ein Stein im Geröll«, sein – muss von jüngster Kindheit an mit der Verschlossenheit, dem abweisenden Schweigen und der Unfähigkeit ihrer Mutter leben, Freude oder gar Liebe zu empfinden. In immer neuen Anläufen, in Gesprächen, Fragen und Erinnerungen versucht die Tochter dem Geheimnis dieses beklemmenden Verhaltens auf die Spur zu kommen und entdeckt dabei das »innere Land« ihrer Mutter, das geprägt ist von Verlassenheit, Einsamkeit und Trauer um den Vater, der im Bürgerkrieg abgeholt wurde und nie wiederkam, von Verzweiflung über die Familie, die durch den Krieg ihre Heimat und ihre selbstverständliche Sicherheit verlor.
In einer sensiblen, variantenreichen Sprache lässt Maria Barbal eine intensive Suche nach verborgenem Schmerz und verborgener Liebe sichtbar werden, eine Suche, die schließlich eine Brücke möglich macht nicht nur zwischen Mutter und Tochter, sondern auch zwischen zwei Generationen mit extrem unterschiedlichen Lebens- und Grenzerfahrungen.
Nach dem überwältigenden Erfolg von »Wie ein Stein im Geröll«
der neue, große Roman von Maria Barbal, »ein Beweis höchster erzählerischer Kunst«.
(So der bedeutende spanische Kritiker Joan Josep Isern.)
Über die Autorin
Maria Barbal, 1949 in Tremp (Pyrenäen) geboren, lebt in Barcelona und gilt als eine der wichtigsten und erfolgreichsten katalanischen Autorinnen der Gegenwart. »Wie ein Stein im Geröll«, erschienen bei : TRANSIT im Frühjahr 2007, hat inzwischen die 10. Auflage erreicht. Die katalanische Originalausgabe von »Inneres Land«, (2008) »País íntim«, liegt in der 7. Auflage vor und hat zahlreiche angesehene Literaturpreise erhalten. »Emma«, ihr auch in Spanien zuletzt erschienener Roman erschien 2009. Im Herbst 2011 wird ein weiteres Buch von ihr im Transit Buchverlag erscheinen.
Pressestimmen
literature.de, 4. Februar 2009
T. Fauth
"Keine einzige Freude konnte dich jemals glücklich machen", lautet der erste Satz von Inneres Land, dem neusten Roman von Maria Barbal, der uns zurückversetzt in das Spanien des Diktators Franco und in Katalonien mit dem angesehenen Prudenci-Bertrana-Preis ausgezeichnet wurde. Die Ich-Erzählerin Rita muss von Kindheit an mit der Verschlossenheit und der Unfähigkeit ihrer Mutter, Liebe und Freude auszudrücken, leben und einen Weg suchen, um damit umzugehen. Immer wieder versucht die Tochter dem Geheimnis dieses Verhaltens auf die Spur zu kommen, das "innere Land" ihrer Mutter zu erschließen. Doch dieses ist geprägt von Verlassenheit, Einsamkeit und Trauer um den Vater, der im Bürgerkrieg abgeholt wurde und nie wiederkehrte. An dieser Stelle zeigt sich die Verbindung zu Barbals ersten Roman Wie ein Stein im Geröll, in dem Conxas Mann Jaume dasselbe Schicksal ereilt. Bei Inneres Land handelt es sich jedoch nur thematisch um eine Art Fortsetzung ihres herausragenden Erstlingswerks. […]
www.literaturnetz.de
Die Zeit, 22. Januar 2009
Bernadette Conrad
[…] »Die Schönheit von Maria Barbals Sprache liegt in ihrer Sorgfalt; egal, ob die Keramiktöpfe auf der Terrasse beschrieben sind, die wie poliert glänzenden Hände der Großmutter – oder der maßlose Anspruch der Mutter, allen Schmerz der Welt für sich zu reklamieren […] Inneres Land‹, das sind 400 Seiten Kindheit, Jugend, Erwachsenwerden, der Mutter ins Gesicht erzählt; bildhaft, präzise, detailstark. 400 Seiten »Du«-Anrede, die der Wucht der verächtlichen Mutter-Rede keine Widerrede entgegenhält, sondern einen Spiegel. […]«
Süddeutsche Zeitung, 23. Januar 2009
Franziska Augstein
[…] Maria Barbal hat einen Kunstgriff angewandt, der glanzvoll aufgeht: Ihre Ich-Person, Rita, beginnt ihre zumeist im Präsens gehaltene Rede an ihre Mutter in einer Zeit, als sie ein kleines Kind ist. Von ihrem Unverständnis und ihrem hilflosen Staunen über die Welt der Erwachsenen zeugt ihr Bericht. Rita schreibt auf wie ihr als Schulkind zumute war […] Weil Maria Barbal genau kennt, was sie beschreibt, ist ihr etwas ganz Ungewöhnliches gelungen: Ein Entwicklungsroman, der Ritas Reifung nicht bloß psychologisch und politisch, sondern auch in der Sprache zeigt. […] ›Inneres Land‹ erzählt auch, was die Historiker ›Geschichte von unten‹ nennen. Je mehr Maria Barbal von Francos Spanien erzählt, desto mehr will man erfahren. […]
www.sueddeutschez.de
Deutschlandradio Kultur, 14. Januar 20099
Gregor Ziolkowski
[…] Im konsequenten und feinnervigen Zusammenführen der größten familiären Privatheit und einer breiten gesellschaftlichen Umwälzung liegt die beachtliche literarische Leistung dieses Romans.
Deutschlandradio Kultur, 23. September 2009
Gregor Ziolkowski
[…] Im konsequenten und feinnervigen Zusammenführen der größten familiären Privatheit und einer breiten gesellschaftlichen Umwälzung liegt die beachtliche literarische Leistung dieses Romans.
www.dradio.de/
Schwäbische Zeitung, 3. November 2008
http://www.szon.de//200811030264.html
Badische Zeitung, 29. Oktober 2008
Artikel2inneresland.pdf
Nürnberger Zeitung, 23. September 2008
Artikelinneresland3.pdf
Stuttgarter Zeitung, 22. Oktober 2008
Artikel4inneresland.pdf
Brigitte, Oktober 2008
[…] Maria Barbals Roman lässt sich als Fortsetzung ihres großen Erfolges »Wie ein Stein im Geröll« lesen, und das hat mich sehr gefreut. Schließlich kann man von Romanhelden, die man einmal ins Herz geschlossen hat, nie genug bekommen. […] So ist das Buch nicht nur eine berührende Mutter-Tochter-Geschichte geworden, sondern auch eine kluge Reflektion über das Verfallsdatum von Schuld.
Hofer Anzeiger, 29. September 2008
Ralf Sziegoleit
[…] Das Buch, in das Barbal autobiografische Impulse einbrachte, ist gesellschaftliche Bestandsaufnahme und zugleich Entwicklungs- und Familienroman. Und natürlich ist es ein "Frauenroman".
Leseprobe
Eines Nachmittags, ich will später noch ausgehen, sind wir beide allein in der Wohnung. Du bügelst, und ich erzähle dir von den Mädchen aus meiner Klasse. Einige sind immer richtig schick angezogen, äußerst zuvorkommend und echte Freundinnen. Du sagst mir, du fändest es schön, dass ich mit solchen Menschen verkehre, aber ich solle ja keinem trauen. Ich frage dich warum nicht, du wirst laut und mit erhobenem Bügeleisen entgegnest du mir, ob ich denn immer noch nicht begriffen hätte, dass es Leute gebe, die nur darauf aus sind, uns zu schaden. Doch bevor ich auf deinen abrupten Stimmungswechsel reagieren kann, bist du schon wieder bei einem anderen Thema. – Als ich in deinem Alter war, hatte ich die ganze Arbeit schon so was von satt. Wie ein Mann hab' ich geschuftet! – einen Augenblick lang klingt deine Stimme ganz heiser. Bei mir haben sie mit der Milch geknausert, weil man die ja für die Aufzucht der Kälbchen brauchte – sagst du und brichst in Tränen aus. Während du dich langsam wieder beruhigst, bin ich noch völlig baff, du würdest eher sagen, es hat mich »aus den Pantinen gehauen«.
– Nur weil du jetzt in Barcelona aufs Gymnasium gehst, glaubst du wohl, dass du schon trocken hinter den Ohren bist, oder was?
Ich muss daran denken, wie ich als kleines Kind einmal am Waschbecken gestanden bin, über dem ein Spiegel hing, und wie deine großen Hände meine eingeseift haben, die dunklen Rinnsale sind in den Abfluss gelaufen, und das Handtuch, mit dem du mir die Hände abgetrocknet hast, lag ausgebreitet über deinen Armen. »Warte nur, bis du erst deine Ohren im Spiegel sehen kannst!«
Noch immer stehe ich vor dir, bringe kein Wort heraus, und ich weiß, gleich wird das mit dem Unwetter kommen, das dich im Freien überrascht hat, ohne Unterstand und ohne Regenschirm, und das Wasser ist dir »bis in die Arschrinne« gelaufen. Ich sage dir schnell, ich hätte versprochen, bei meiner alten Schule vorbeizuschauen. Du wirfst mir einen Blick zu und wendest das Bügeleisen mit einem so energischen Schwung, dass das Bettlaken eine tiefe Falte abbekommt. Und all das, bloß weil ich dir eine Freude machen wollte und dir von Glòria erzählt habe. Im Flur, kurz bevor ich die Wohnungstür ins Schloss fallen lasse, kriege ich noch mit, wie du sagst:
– Freundinnen! Wenn ich das schon höre, jeder für sich und Gott für uns alle, so läuft das auf dieser Welt!
400 Seiten, gebunden
mit Schutzumschlag
22,80 €
ISBN 978-3-88747-233-7
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