Der Briefwechsel
Eine nur auf den ersten Blick überraschende Nähe zwischen zwei der wichtigsten zeitgenössischen Autoren: der Rostocker Reederssohn Walter Kempowski und der in Mecklenburg aufgewachsene und später in Rostock studierende Uwe Johnson. Früh hatten sie ihre Väter verloren; früh gerieten sie in Konflikt mit der DDR-Obrigkeit: Kempowski wurde für acht Jahre in Bautzen eingeschlossen und 1956 in die Bundesrepublik entlassen, Johnson verließ die DDR 1959; beide entwickelten ein leidenschaftliches Interesse an deutscher Geschichte, beide arbeiteten an riesigen literarischen Projekten, hier »Echolot«, dort »Jahrestage«.
Und beide waren Außenseiter: Johnson, ein akribischer, sprachmächtiger Formulierer und Beobachter entfernte sich schnell vom mainstream des literarischen Betriebs, Kempowski gehörte eigentlich nie dazu. Vielleicht konnten sie, trotz des völlig unterschiedlichen literarischen Ansatzes und Stils, deswegen zueinander Vertrauen fassen und ungewöhnlich intensive Briefe wechseln; zwei Autoren geben Auskunft über ihr Handwerk, ihre Arbeitsweise, ihre Verletzungen und über die Einsamkeit ihres Berufs, oft gespickt mit amüsanten oder widrigen Episoden aus der Abteilung »wirkliches Leben«.
und Gegenwart, über den Literaturbetrieb, über Mecklenburg
und natürlich die Frage aller Fragen: »Wie geht es Ihnen?«
ÜBER DIE HERAUSGEBER
Gesine Treptow, geboren 1973, Lektorin im Berlin Verlag. Mitherausgeberin von »Uwe Johnson. Befreundungen« (2002).
PRESSE
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Oktober 2006
Ernst Osterkamp
[…] Er habe sich, so Walter Kempowski, um Uwe Johnsons Freundschaft ›nicht gerissen‹, und es war wohl gerade dies, was Johnson die Nähe Kempowskis suchen ließ. [...]
Aus der Einsamkeit seiner letzten Jahre hat Uwe Johnson, berührt von dessen kollegialer Sympathie, einige der schönsten Briefe, die wir von ihm besitzen, an Walter Kempowski gerichtet: anrührende Selbstporträts eines Mannes, der nur dadurch von sich selbst sprechen konnte, daß er nicht über sich sprach. Es ist dies ein Briefwechsel, in dem sich der Leser von der ersten bis zur letzten Seite wohlfühlt.
Ernst-Jürgen Walberg
Selten so amüsiert – das sage ich mal vorweg und wiederhole es gleich noch einmal: selten so amüsiert. Und ich ergänze gern: selten so geschmunzelt und selten einen solchen Autorenbriefwechsel mit so großem Genuß gelesen. [...] Um die sechzig Exponate haben sicher erhalten, manchmal als Faksimile abgedruckt, manchmal nicht – die Zeit dieses Briefwechsels: zwischen März 1971 und Juni 1973, danach eine fast vollständige Pause, und dann haben sich die beiden wieder geschrieben zwischen 1979 und 1983. [...]
Jörg Drews
Am Anfang geht es um Mecklenburgica, und das Ende signalisieren ebenfalls Mecklenburgica; dazwischen, zwischen 1971 und 1983, entwickelt sich ein empfindlicher und brüderlicher, landsmannschaftlicher und - bis kurz vor Schluss -– meist fast zeremoniös gehemmter Briefwechsel, der den Leser bewegt und in ratloser Melancholie zurücklässt.
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http://www.sueddeutsche.de/kultur/uwe-johnson-und-walter-kempowski-im-briefwechsel-der-wueterich-und-der-duennhaeuter-1.797818
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