Michael Kohtes
Über Glücksspieler und Spielerglück
VA BANQUE
Über Glücksspieler und Spielerglück
Der Autor führt uns durch Casinos und Zockerhöllen von Monte Carlo bis nach Baden-Baden oder Bad Homburg, von Las Vegas bis San Remo, macht uns bekannt mit den heiligen Riten des Spielens und Verlierens, lässt bekannte oder berüchtigte Spielernaturen auftreten (von Casanova über Canada Bill bis zu Thomas Garcia, der mehrere Spielbanken in den Ruin trieb, bevor er sich selbst ruinierte). Er entdeckt für uns Spieler in der Literatur, aber auch Literaten als leidenschaftliche Spieler (Dostojewksi, Balzac, Lessing und sogar Schiller). Und er steigt hinab in die Geschichte der Spielleidenschaft, in die Antike, in die Zeit kurz vor der Französischen Revolution, geht an aktuellen Phänomenen des globalen Zockens und kalkulierter Gier aber keineswegs vorbei. Sein Fazit: Spielen ist eine extreme Form des Lebens – hier wie dort gilt: wer nicht wagt, der nicht verliert. Und wir sollten gespielt, also gelebt haben, bevor der grosse Croupier befiehlt: Rien ne va plus!
Der verwegene Kosmos der Glücksritter und Hasardeure,
ein Kosmos der Leidenschaften, der riskanten Einsätze und
der sicheren Verluste – kurzweilig und kenntnisreich dargeboten.
ein Kosmos der Leidenschaften, der riskanten Einsätze und
der sicheren Verluste – kurzweilig und kenntnisreich dargeboten.
ÜBER DEN AUTOR
Michael Kohtes, 1959 geboren, lebt als Schriftsteller und Journalist in Köln. Durchaus passende Veröffentlichungen: Nachtleben. Topographie des Lasters (1994); Literarische Abenteurer (1996); Boxen. Eine Faustschrift (1999); Dichter am Äther (2006). Er arbeitet für den Funk und Die Zeit.
PRESSESTIMMEN
Kölner Stadt-Anzeiger, 26. Juni 2010
Jochen Schimmang
Jochen Schimmang
[…] Nach und nach entfaltet der Autor das ganze Spektrum, das sich mit dem Spielen im Kasino verbindet, zieht Suchttheorien und die Neurologie zurate, führt uns die innere Architektur des Kasinos vor, die es zum geschlossenen, von der Welt abgesonderten Raum macht, plaudert über Wahrscheinlichkeitsrechnung und den Zufall, referiert die Geschichte des Roulettes und weiß, in Paraphrasierung eines bekannten Satzes des legendären FC-Liverpool-Managers Bill Shankly, dass es beim Roulette wahrlich um mehr geht als um Leben und Tod.
Das alles, obwohl die Materie gründlich durchdrungen wird, setzt nun aber nie die Erdschwere wuchtiger Theorie an. Man muss dieses Buch nicht mit dem Bleistift in der Hand lesen. Davor bewahrt uns die Eleganz des Autors Kohtes, dessen Schreibweise in ihrer nervösen und plötzlich ins Ziel treffenden Manier an Walter Benjamin erinnert und der seine Essays spürbar nach dem Benjamin´schen Satz modelliert: "Die entscheidenden Schläge werden mit der linken Hand geführt." Vielleicht auch am Roulettetisch.
Berliner Zeitung, 28. August 2009
Jörg Aufenanger
Jörg Aufenanger
"Rien ne va plus", nichts geht mehr, heißt es in der Finanzwelt seit jenem Septembertag des Jahres 2008, als die Lehmann Brothers Bank zusammenbrach und damit die Illusion, das System der Hedgefonds verspreche Gewinn in alle Ewigkeiten. Mit dem vom Croupier, wenn alle Einsätze getätigt sind, geflüsterten "Rien ne va plus" beendet auch Michael Kohtes sein Buch "Va banque", in dem er von Glücksspielern und Spielerglück erzählt.
Immer wieder wurde seit der Finanzkrise die Banken- und Börsenwelt mit dem Spielcasino verglichen. Falsch! Einen entscheidenden Unterschied konstatiert Kohtes nämlich zwischen den Glücksspielern am Roulettetisch und denen an der Börse. Die einen setzen das eigene Vermögen aufs Spiel, die Banker riskieren ihnen anvertrautes Geld, und ruinieren sich nicht selbst, sondern andere. [...]
Den vollständigen Artikel lesen:
www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0828/feuilleton/0017/index.html
Deutschlandfunk, 13. August 2009
Matthias Eckoldt
Matthias Eckoldt
Im alten Rom wurde geradezu entfesselt der Spielleidenschaft gefrönt. Das Mittelalter verteufelte den Spieler, der dem Zufall verfallen war und damit Gottes Allmacht herausforderte. Und in der Gegenwart werden Spielernaturen zu Süchtigen erklärt. Michael Kohtes' Essay forscht den Glücksspielern und dem Spielerglück nach.
Den vollständigen Artikel lesen:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1016217/
Focus , 27. April 2009
Von Glücksspielern und Spielerglück handelt diese kleine Geschichte einer verruchten Leidenschaft. Sie führt in die Zockerhöllen und Casinos von Las Vegas bis Bad Homburg, führt bekannte und berüchtigte Spielerfiguren vor und macht mit den Gesetzen und Riten des Verlierens und Gewinnens vertraut – wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
LESEPROBE >>
Für die Stammkunden einer Spielbank gilt, was Knut Hamsun im ersten Satz seines unvergänglichen Hunger von der Stadt Christiania sagt: Keiner verlässt sie, den sie nicht gezeichnet hätte. Ein Habitué, der seinen Casinoaufenthalt unter günstigen Umständen beendet, lässt sich an der Wechselkasse den Gewinnbetrag auszahlen, wissend wohl, dass er damit nächsten, spätestens übernächsten Tages erneut seine Glückszahl bespielen wird. Ein anderer mag sich mit frivolem Spott daran erfreuen, dass seine dauerentzündeten Spielernerven immerhin noch nicht völlig zerrüttet seien. Wehe dem aber, dem der Tabubezirk nach final durchlittener Pechsträhne zu einem Ort des Sichverlierens, zu einem Abort wird. Diesen Verzweifelten führt der Weg, und zwar in Erwartung des Unvermeidlichen, zum Ausgang und von dort im Stolperschritt die Stufen des Casinos hinab in den nächtlichen Kurpark. Es ist die gespenstische Kulisse jener Sinnwüste, in der die Unglücksspieler dazumal mit leerem Blick das Pistölchen aus der Rocktasche zogen und es an die Schläfe setzten...



