Dieter Richter :
Die schöne, ereignisreiche Biographie eines bedeutenden Malers und fränkischen Lebenskünstlers, der von seiner Heimatstadt Hof aus über Leipzig, Dresden und Meiningen schließlich in Rom landet und dort – verehrt und gefürchtet – über fünf Jahrzehnte malt und lebt.
PRESSESTIMMEN
Es ist diese Lust, sich in ein Leben hineinzuvertiefen wie in einen See, das Dieter Richters Buch über den Maler Johann Christian Reinhart (1761 bis 1847) zu einer so erfrischenden Lektüre macht. Es ist vor allem eine Freude, weil man darin vordergründig über den Maler Reinhart, einen der großen deutschen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, gar nichts erfährt. Denn es faltet allein sein Leben aus, sein Aufwachsen in Hof, seine Liebschaften, seine Leidenschaften, sein Wesen, seine 57 Jahre in Rom. Doch genau mit seinem genauen, konzentrierten, neugierigen Blick auf die biografischen Details gelingt dem Literaturwissenschaftler Richter ein entscheidender Denkanstoß für die kunsthistorische Forschungsliteratur zum 19. Jahrhundert. […] Liest man Richters kleines Buch über Reinhart, dann […] gewinnt man aus zahlreichen bislang ungenutzten Quellen eine ganz andere, tiefere Einsicht in den Künstler Reinhart – seine ewige Lust an der Jagd nach den Frauen und dem Rehwild, seine Geschäftstüchtigkeit bei der Vermarktung seiner Radierungen, sein selbstbewusstes und »ein wenig rauhbeiniges« Temperament, seine Wohnungen, seine Fluchten vor der brütenden Hitze, seine Vernarrtheit in Hunde. Reinhart war auch ein Meister der Männerfreundschaft, nur einmal scheiterte er darin, als er Schiller, den er aus glücklichen Jugendtagen kannte, brieflich das Italienerlebnis veordnen wollte: »Oh wenn ich ihm doch das Maul nach Rom wäßrich machen könnte«, schrieb er am 1. August 1801 nach Weimar. Aber Schiller hatte keinen Durst nach Faustinas Küssen. […] Reinhart hingegen, Rom ganz und gar erlegen, erobert die Stadt wie eine Geliebte. Richter macht sich auf die Spuren dieser Eroberungsstreifzüge und liefert so nebenbei satteste Sozial- und Alltagsgeschichte aus dem frühen 19. Jahrhundert. Reinharts Rom ist die Stadt, die wir immer suchen.
[…] Und Richter versteht auch etwas vom Erzählen. So staffiert er, ohne die Grundlage sicherer Quellen zu verlassen, den Ereignisgang mit Anekdoten und Zitaten, mit Farben und Lebendigkeit aus. Die Mutter lässt er zu Wort kommen, namhafte Gefährten aufmarschieren, Zündstoff entflammen wie etwa des Künstlers verdammendes Urteil über Kritiker, auch jene, die's gut mit ihm meinten. Und Richter hält die Verbindung "von Hof nach Rom" und zurück unter leichter Dauerspannung. Denn Reinhart gedachte gern und gut der Stadt seiner Herkunft. Noch auf seinem letzten großen Gemälde, der 1846 - zwei Jahre vor seinem Tod - entstandenen "Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos", trug der 85-Jährige in nicht ganz schulgemäßem Latein die Signatur ein: "I. C. Reinhart curiae regnitianus ..." - ein Maler in Rom, aber einer "aus Hof".
LESEPROBE
VON HOF NACH ROM. JOHANN CHRISTIAN REINHART.
EIN DEUTSCHER MALER IN ITALIEN. EINE BIOGRAPHIE
EIN DEUTSCHER MALER IN ITALIEN. EINE BIOGRAPHIE
Johann Christian Reinhart war einer der großen Landschaftsmaler und Radierer der Goethezeit. Geboren 1761 als Sohn eines Pfarrers im kleinen oberfränkischen Hof (das er keineswegs so »abscheulich« findet wie der zwei Jahre jüngere Jean Paul) führt ihn sein Weg über Studien- und lebenslustige Wanderjahre in Leipzig, Dresden und Meiningen 1789 nach Italien. »Rom ist mein Vaterland geworden«, schreibt er nach Hause – und er sollte es nie wieder verlassen. 58 Jahre lang hat er in der Stadt am Tiber gelebt; 1847 wurde er dort auf dem Ausländerfriedhof an der Cestius-Pyramide zu Grabe getragen. Über Generationen hinweg war er das bewunderte »Kunsthaupt« (Ludwig Richter) der deutschen Fremdenkolonie gewesen, Erfinder der feucht-fröhlichen Frühlingsfeste in den Grotten von Cervara und Mitbegründer des »Deutschen Künstlervereins«. Mit seinen »Malerisch radierten Prospekten von Italien« hat er die Campagna von Rom, die er zu Pferd und als leidenschaftlicher Jäger durchstreifte, dem deutschen Publikum nahegebracht. Als Bayerischer Hofmaler schuf er für König Ludwig I. u.a. die »Vier Ansichten von der Villa Malta in Rom« (München, Neue Pinakothek).
Dieter Richter schildert Reinhart als Künstler und Lebenskünstler, als lebensfrohen, streitbaren Freigeist, einen »Erzketzer« (wie er sich einmal nannte) im päpstlichen Rom. Sein Haus auf dem Pincio war geselliger Mittelpunkt der internationalen »Künstlerrepublik«, zahlreichen Reisenden blieb er zudem als ortskundiger Cicerone durch die Stadt und die Landschaften der Albaner Berge in Erinnerung. Ein weitgespannter Briefwechsel, u.a. mit Friedrich Schiller, den er vergebens nach Rom zu ziehen versuchte, verband ihn mit Schriftstellern, Verlegern und Künstlern, nicht zuletzt mit dem Kreis um den bayerischen König Ludwig I. Neu zu entdecken bleibt schließlich eine ganz besondere biographische Facette: Der Dichter Johann Christian Reinhart.
Dieter Richter schildert Reinhart als Künstler und Lebenskünstler, als lebensfrohen, streitbaren Freigeist, einen »Erzketzer« (wie er sich einmal nannte) im päpstlichen Rom. Sein Haus auf dem Pincio war geselliger Mittelpunkt der internationalen »Künstlerrepublik«, zahlreichen Reisenden blieb er zudem als ortskundiger Cicerone durch die Stadt und die Landschaften der Albaner Berge in Erinnerung. Ein weitgespannter Briefwechsel, u.a. mit Friedrich Schiller, den er vergebens nach Rom zu ziehen versuchte, verband ihn mit Schriftstellern, Verlegern und Künstlern, nicht zuletzt mit dem Kreis um den bayerischen König Ludwig I. Neu zu entdecken bleibt schließlich eine ganz besondere biographische Facette: Der Dichter Johann Christian Reinhart.
Die schöne, ereignisreiche Biographie eines bedeutenden Malers und fränkischen Lebenskünstlers, der von seiner Heimatstadt Hof aus über Leipzig, Dresden und Meiningen schließlich in Rom landet und dort – verehrt und gefürchtet – über fünf Jahrzehnte malt und lebt.
ÜBER DEN AUTOR
Dieter Richter, geboren 1938 in Hof, war bis 2004 Professor für Kritische Literaturgeschichte an der Universität Bremen und ist Autor zahlreicher, in Deutschland und Italien erschienener Bücher zur europäischen Kulturgeschichte. Er ist Mitautor des Buches: »Johann Christian Reinhart aus Hof. Aquarelle, Radierungen, Zeichnungen.« Er lebt in Bremen und ist Ehrenbürger von Amalfi.
PRESSESTIMMEN
Die Zeit, 5. August 2010
Florian Illies
Florian Illies
Es ist diese Lust, sich in ein Leben hineinzuvertiefen wie in einen See, das Dieter Richters Buch über den Maler Johann Christian Reinhart (1761 bis 1847) zu einer so erfrischenden Lektüre macht. Es ist vor allem eine Freude, weil man darin vordergründig über den Maler Reinhart, einen der großen deutschen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, gar nichts erfährt. Denn es faltet allein sein Leben aus, sein Aufwachsen in Hof, seine Liebschaften, seine Leidenschaften, sein Wesen, seine 57 Jahre in Rom. Doch genau mit seinem genauen, konzentrierten, neugierigen Blick auf die biografischen Details gelingt dem Literaturwissenschaftler Richter ein entscheidender Denkanstoß für die kunsthistorische Forschungsliteratur zum 19. Jahrhundert. […] Liest man Richters kleines Buch über Reinhart, dann […] gewinnt man aus zahlreichen bislang ungenutzten Quellen eine ganz andere, tiefere Einsicht in den Künstler Reinhart – seine ewige Lust an der Jagd nach den Frauen und dem Rehwild, seine Geschäftstüchtigkeit bei der Vermarktung seiner Radierungen, sein selbstbewusstes und »ein wenig rauhbeiniges« Temperament, seine Wohnungen, seine Fluchten vor der brütenden Hitze, seine Vernarrtheit in Hunde. Reinhart war auch ein Meister der Männerfreundschaft, nur einmal scheiterte er darin, als er Schiller, den er aus glücklichen Jugendtagen kannte, brieflich das Italienerlebnis veordnen wollte: »Oh wenn ich ihm doch das Maul nach Rom wäßrich machen könnte«, schrieb er am 1. August 1801 nach Weimar. Aber Schiller hatte keinen Durst nach Faustinas Küssen. […] Reinhart hingegen, Rom ganz und gar erlegen, erobert die Stadt wie eine Geliebte. Richter macht sich auf die Spuren dieser Eroberungsstreifzüge und liefert so nebenbei satteste Sozial- und Alltagsgeschichte aus dem frühen 19. Jahrhundert. Reinharts Rom ist die Stadt, die wir immer suchen.
Hofer Anzeiger, 8. April 2010
Michael Thumser
Michael Thumser
[…] Und Richter versteht auch etwas vom Erzählen. So staffiert er, ohne die Grundlage sicherer Quellen zu verlassen, den Ereignisgang mit Anekdoten und Zitaten, mit Farben und Lebendigkeit aus. Die Mutter lässt er zu Wort kommen, namhafte Gefährten aufmarschieren, Zündstoff entflammen wie etwa des Künstlers verdammendes Urteil über Kritiker, auch jene, die's gut mit ihm meinten. Und Richter hält die Verbindung "von Hof nach Rom" und zurück unter leichter Dauerspannung. Denn Reinhart gedachte gern und gut der Stadt seiner Herkunft. Noch auf seinem letzten großen Gemälde, der 1846 - zwei Jahre vor seinem Tod - entstandenen "Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos", trug der 85-Jährige in nicht ganz schulgemäßem Latein die Signatur ein: "I. C. Reinhart curiae regnitianus ..." - ein Maler in Rom, aber einer "aus Hof".
LESEPROBE
Wer heute auf den Spuren von Johann Christian Reinhart durch Rom, Reinharts Wahlheimat, wandert, wird seine Schritte zunächst zum »Caffé Greco« in der Via Condotti lenken. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es von einem Griechen gegründet (daher der Name), in einem Viertel, das sich in jener Zeit zum Zentrum des europäischen Fremdenverkehrs in der Ewigen Stadt entwickelte. Hier lagen, im Umkreis von weniger als einem Kilometer, die diplomatischen Vertretungen Spaniens und Frankreichs, die letztere mit der 1666 durch Ludwig XIV. gegründeten Académie de France auch Mittelpunkt der französischen Kunstwelt. Und hier lagen die meisten Hotels. […] Auf der anderen Straßenseite, in der Via Condotti 9/10 lag die von Fremden als Speiselokal frequentierte »Trattoria del Lepre«, die »Hasenwirtschaft« und, ebenfalls in der Via Condotti, das »Hotel d' Alemagne«, das besonders bei deutschen Reisenden beliebt war, nicht zuletzt deshalb, weil der Wirt, Franz Roesler, deutsch und ohne Verwendung von Olivenöl kochte. Das »Greco« entwickelte sich auf diese Weise zu einem beliebten Künstlertreffpunkt. Unter dieser Postadresse war auch Herr Maler Reinhart aus Hof zu erreichen. […]
Es war ein weiter Weg, den Johann Christian Reinhart zurückzulegen hatte, um aus dem kleinen »Hof in Oberfranken« (wie die königliche Grabinschrift sagt) in der Hauptstadt der Welt, dem Zentrum der europäischen Kunst anzukommen. »Richter in London! Was wär er geworden!«, heißt es in einem der Xenien von Goethe/Schiller boshaft über den reisefaulen Jean Paul, der Deutschland nie verlassen hatte: Was hätte aus ihm werden können, wenn er sein Talent in einer europäischen Weltstadt wie London gebildet hätte. Dem entsprechend ließe sich fragen: »Reinhart in Hof! Was wär er geblieben!« Eine müßige Frage, ebenso wie im Falle des Dichters Jean Paul. Reinharts Weg führte nach Italien, »es ist mein Vaterland geworden« wird er über Rom bereits acht Jahre nach seiner Ankunft an den Bruder Amandus schreiben. Aber seine Wurzeln liegen nicht am Tiber, sondern an der Saale.
Johann Christian Reinhart wurde am 24. Januar 1761, »abends gegen 5 Uhr«, wie es das Kirchenbuch präzise festhält, in Hof an der Saale geboren. Sein Vater, Magister Peter Johann Reinhart (Hof 1717 – ebd. 1764), war »Lorenzprediger« bei St. Michaelis, die Familie lebte in einer Predigerwohnung im »Orlaviertel«, unmittelbar an der alten Stadtmauer mit Blick zur Saale. Auch Vater und Großvater stammten aus der kleinen fränkischen Stadt, die Familie betrieb über Generationen das Handwerk der »Schieferdecker«; von 1699 bis 1865 sind Angehörige der Familie in diesem Metier bezeugt. Die Mutter hingegen, Magdalena Wilhelmina Friederica Müllner (Hof 1730 – ebd. 1784), entstammte einer Familienlinie von »studierten Leuten« (wie man im Fränkischen sagte): Juristen und Beamte in markgräflich-brandenburgischen oder sächsischen Diensten.
Es war ein weiter Weg, den Johann Christian Reinhart zurückzulegen hatte, um aus dem kleinen »Hof in Oberfranken« (wie die königliche Grabinschrift sagt) in der Hauptstadt der Welt, dem Zentrum der europäischen Kunst anzukommen. »Richter in London! Was wär er geworden!«, heißt es in einem der Xenien von Goethe/Schiller boshaft über den reisefaulen Jean Paul, der Deutschland nie verlassen hatte: Was hätte aus ihm werden können, wenn er sein Talent in einer europäischen Weltstadt wie London gebildet hätte. Dem entsprechend ließe sich fragen: »Reinhart in Hof! Was wär er geblieben!« Eine müßige Frage, ebenso wie im Falle des Dichters Jean Paul. Reinharts Weg führte nach Italien, »es ist mein Vaterland geworden« wird er über Rom bereits acht Jahre nach seiner Ankunft an den Bruder Amandus schreiben. Aber seine Wurzeln liegen nicht am Tiber, sondern an der Saale.
Johann Christian Reinhart wurde am 24. Januar 1761, »abends gegen 5 Uhr«, wie es das Kirchenbuch präzise festhält, in Hof an der Saale geboren. Sein Vater, Magister Peter Johann Reinhart (Hof 1717 – ebd. 1764), war »Lorenzprediger« bei St. Michaelis, die Familie lebte in einer Predigerwohnung im »Orlaviertel«, unmittelbar an der alten Stadtmauer mit Blick zur Saale. Auch Vater und Großvater stammten aus der kleinen fränkischen Stadt, die Familie betrieb über Generationen das Handwerk der »Schieferdecker«; von 1699 bis 1865 sind Angehörige der Familie in diesem Metier bezeugt. Die Mutter hingegen, Magdalena Wilhelmina Friederica Müllner (Hof 1730 – ebd. 1784), entstammte einer Familienlinie von »studierten Leuten« (wie man im Fränkischen sagte): Juristen und Beamte in markgräflich-brandenburgischen oder sächsischen Diensten.



