Manfred Lahnstein und Joachim Sartorius (Hg.) :
BERLINER LEKTIONEN
Eine politisch-kulturelle Chronik der Gegenwart
Eine politisch-kulturelle Chronik der Gegenwart
Seit zwanzig Jahren bewegt ein Termin die Gemüter der Stadt – die Berliner Lektionen, die Sonntagsmatineen im Berliner Renaissance-Theater. Schriftsteller, Philosophen, Künstler aller Sparten, Wissenschaftler, Menschen, die das Gesicht ihrer Zeit geprägt haben, treten auf die Bühne und sprechen. Ihre Reden und Dialoge sind spannende, oft brillante Reflexionen über das eigene Leben, über die Geschichte, die Politik und die Gegenwart. Die Liste der Redner ist lang und prominent Sie alle eint – in aller Unterschiedlichkeit ihrer Beiträge – eine unterschwellige Frage: in welchem Bezug steht das Individuum zur Welt, zur Zeit, zu seiner Gegenwart? Was sind das Wort und der Gedanke wert in einer Welt, die sich rapide verändert? Wie kommt der Gedanke in die Welt? Jede einzelne Rede ist ein Plädoyer für die Kraft des Denkens, für die Bedeutung und den Wert individueller Lebenserfahrung. Die Reflexionen darauf haben diese Reihe zu einer vitalen Chronik des politischen und kulturellen Wandels gemacht. Diese Auswahl der besten Lektionen seit 2000 spiegelt die Auseinandersetzung großer Persönlichkeiten mit unserer Gegenwart. Die stillen Revolutionen in der Wissenschaft (Wolf Singer, Christine Nüsslein-Vollhard), die Wieder-Erinnerung an den alten Glanz von Berlin (Helmut Newton), die Bedeutung politischer Arbeit in einer globalisierten Welt (Hebe de Bonafini), die Deformation journalistischer Arbeit in der Mediendemokratie (Roger de Weck) oder einfach das Herausarbeiten persönlicher Lebenserinnerungen – dies sind die Themen, die Polemik, die Vision oder die beeindruckende Rhetorik die Formen.
Menschen, die das Gesicht ihrer Zeit geprägt haben,
reden über das eigene Leben, über Geschichte, Politik
und Gegenwart – spannende, oft brillante Reflexionen.
Manfred Lahnstein ist ein deutscher Politiker (SPD), Manager und Unternehmensberater. Er war 1982 Bundesminister der Finanzen und Bundesminister für Wirtschaft und bis 2004 für Bertelsmann tätig.
Joachim Sartorius ist seit 2001 Intedant der Berliner Festspiele(bis Ende 2011). Gemeinsam mit Manfred Lahnstein Herausgeber von »Berliner Lektionen«.
LESEPROBE
»Mit einem Fuß im Schnee, mit dem andern im Sand«
Ich möchte Ihnen zum Schluß eine Geschichte erzählen, sie ist traurig, aber stark. Während der achtziger Jahre tobte in Mozambique ein fürchterlicher Bürgerkrieg, vielleicht der schlimmste Bürgerkrieg des gesamten Jahrhunderts. Ich besuchte den Norden Mozambiques, die sogenannte Provinz Cap Delgado. Ich wanderte einen Pfad entlang, plötzlich kam mir ein junger Mann entgegen. Er war sehr mager, seine Kleider schmutzig und abgerissen. Doch auf einmal sah ich seine Füße und bemerkte etwas, das unvergeßlich war. Er hatte gemalte Schuhe an seinen Füßen! Er hatte versucht, seine Würde zu bewahren, indem er Farben benutzte, die der Erde entstammten, um die Schuhe an seine Füße zu malen, die er real nicht besaß. (...) Er lehrte mich etwas sehr Wichtiges. Wie schlimm es um dich auch immer stehen mag, mit Hilfe deiner Phantasie und den Farben der Erde kann es möglich sein, deine Würde zu bewahren. Er lehrte mich auch, daß es mit uns allen so weit kommen kann, daß wir fähig sein müssen, uns mit Erdfarben Schuhe an die Füße zu malen, um unsere Würde zu bewahren.
[Henning Mankell, geboren 1948, gilt als bekanntester schwedischer Schriftsteller seit August Strindberg. Mit fünfzehn Jahren verließ er die Schule und arbeitete ab 1965 als Regieassistent am Theater. Ab den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts avancierte Mankell zum Bestsellerautor – seine später verfilmten Kriminalromane mit der Hauptfigur Kommissar Wallander machten ihn international bekannt. Nach eimehrere Romane, darunter »Der Chronist der Winde«, »Die rote Antilope«, »Tea-Bag« und »Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt«. Seit 1986 leitet Mankell das Teatro Avenida in Maputo, Mosambique.ner ersten Afrikareise 1972 widmete er dem Kontinent]

Mit Beiträgen von Imre Kertész, Amartya K. Sen, Christine Nüsslein-Vollhard, Herbert
Grönemeyer, Helmut Newton Harry Belafonte, Wolf Singer, Madeleine Albright, Bernard Lewis, István Szabó, Frank Stella, Roger de Weck, Gerhard Casper, Hebe de Bonafini, Henning Mankell, Michael Ballhaus und Tom Tykwer
200 Seiten
gebunden
16,80 €
ISBN 978-3-88747-226-9
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