marlene dietrich adressbuch   Marlene Dietrich Adressbuch

Herausgegeben von Christine Fischer-Defoy

Das Adreßbuch im Faksimile, ergänzt durch Briefe, Fotos, Dokumente und biographische Angaben zu den erwähnten Personen.

Zu: Elke Heidenreich Lesen!, ZDF-Sendung vom 9.12.

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Gebunden in dunkelrotem Samt mit
geprägtem Rücken und Lesebändchen
320 Seiten, ca. 116 Seiten vierfarbiges Faksimile der
Adreßbuch-Seiten und ca. 80 s/w Abbildungen und Fakimiles, Format 13x19 cm, gebunden, fadengeheftet
EUR 24,80 (D) / CHF 42,20
ISBN 3-88747-183-0

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»Bleiben Sie dran, Elke Heidenreich stellt gleich schöne Bücher vor, beispielsweise das Marlene Dietrich Adreßbuch!«,
Marietta Slomka, ZDF Heute

...

»Wir leben in Zeiten, die vor nichts zurückschrecken. Jeder Prominente oder wer sich dafür hält schreibt seine idiotische Biografie, die die Welt nicht braucht, und wenn er sie nicht selbst schreibt, findet sich immer ein geldgieriger Schreiberling, der in den Archiven wühlt und über Harald Schmidt, Herbert Grönemeyer, sogar gerade über mich Unauthorisiertes zusammenschustert, weil man angeblich ,eine Figur der Zeitgeschichte’ sei.
Es geht nur ums schnelle Geld, sonst um gar nichts, und man kann all diese Bücher getrost links liegen lassen, da, wo der Mülleimer steht.

Jetzt hat der kleine, sympathische Transit Verlag in Berlin eines von Marlene Dietrichs vielen nachgelassenen Telefon- und Adreßbüchlein herausgegeben, und ich dachte: nun auch noch Leichenfledderei, wer ist eigentlich noch sicher mit irgendetwas!

Aber ich habe mich geirrt. Es ist ein von Christine Fischer-Defoy liebevoll betreutes, wunderbar komponiertes kleines Kunstwerk geworden, mit Hunderten von Photos in schönem altem Sepia-Braun. Zuerst ist in der Tat das Adreßbuch der sechziger Jahre im Faksimile abgedruckt, - das waren die Jahre, in denen die Dietrich noch einmal auf Tourneen durch die ganze Welt war. Sie hat ihre Adressen - Freunde, Rechtsanwälte, Hotels, Ärzte - nicht nach dem Alphabet, sondern nach Ländern und innerhalb der Länder nach Städten geordnet, und so wußte sie immer gleich: aha, Wien, da lebt der und der, da gibt es die und die Anlaufadresse. Und zu jedem auch nur halbwegs interessanten Namen hat die Herausgeberin eine Erklärung, eine kleine Geschichte, sie schildert die Beziehung der Dietrich zu dieser Telefonnummer, zu diesem Menschen - und wir begegnen einer disziplinierten Arbeiterin, einer liebevollen Freundin, die ihren Fans Postkarten und Geschenke schickte, einer resoluten Künstlerin, die sich selbst managte und die auch wütend an einen Impressario schreiben kann, der sie verärgert hat, er solle sie doch am Arsch lecken.

Wir spüren eine liebende und einsame Frau, wir begreifen ihre strikte Gegnerschaft zu den Nazis - das Buch ist voll mit Adressen von Freunden im Exil. Und am Ende freuen wir uns darüber, daß dieses Büchlein nicht im Museum in Berlin in einem Karton vermodert, sondern uns zugänglich gemacht wurde - vorsichtig, klug und liebevoll, ohne jedes Kramen in Geheimnissen, wunderschön gebunden in roten Samt. Denn wir lernen eine ganz andere Marlene Dietrich kennen - nicht den Star, sondern die Frau auf Reisen, im Hotel, die im Telefonbuch blättert und Freundschaften pflegt und aufrecht hält. Der Mensch Marlene Dietrich - er war mir noch nie so nah wie nach der Lektüre dieses bezaubernden kleinen Geschichtenbuches, das meilenweit entfernt ist vom Billigtratsch unserer Tage.«

Elke Heidenreich