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KACHI A. OZUMBA
DER SCHATTEN EINES LÄCHELNS
Roman
Aus dem Englischen übersetzt von Rainer Nitsche
Ein Roman aus dem heutigen Afrika: »Ergreifend, poetisch, oft sehr komisch und gar nicht so weit von uns entfernt.«
Jackie Kay
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch litprom Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.
Abbildung: Jim Goldberg / © Magnum Photos / Agentur Focus
Originalverlag: Alma Books London
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260 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
€ 18,80 (D) / CHF 33,90
ISBN 978-3-88747-243-6
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Inhalt:
»Der Schatten eines Lächelns« ist eine beunruhigende, fesselnde Geschichte in einer Gesellschaft am Rande von Willkür und Gesetzlosigkeit. Zuba, der Held des Romans, ein eher schüchterner Junge von 21 Jahren, muss plötzlich wegen einer schweren Krankheit seines Vaters dessen private Oberschule übernehmen; als er die angestellte Direktorin wegen offensichtlicher Betrügereien feuert, dreht diese den Spieß gekonnt um: er wird von ihr und ihrem treuherzig wirkenden Ehemann des Raubes und der schweren Körperverletzung bezichtigt, bestochene Polizisten nehmen ihn und seinen Freund Ike fest. So geraten sie in das Labyrinth einer geldgierigen Justiz und eines rätselhaft organisierten Gefängnissystems, eine für sie zunächst undurchschaubare Welt, in der sie aufgrund ihrer Naivität und Ahnungslosigkeit in äußerst bedrohliche, aber auch äußerst kuriose Situationen geraten bis zu ihrer klug und mutig eingefädelten Befreiung.
In einer klaren und ironisch gefärbten Sprache gelingt Kachi Ozumba in seinem ersten Roman ein überraschendes und facettenreiches Bild des heutigen Afrika, verbunden mit präzisen und oft auch komischen Porträts von Häftlingen, Polizisten, Frauen und Männern innerhalb und außerhalb des Gefängnisses ein Roman, der mit seiner Genauigkeit, seiner Vielfalt von Beobachtungen und seinem Einfallsreichtum jeden Leser berührt und bereichert.
»›Der Schatten eines Lächelns‹ nimmt die Leser mit auf eine Exkursion durch die Katakomben afrikanischer Verhältnisse. Ozumba besitzt die erstaunliche Begabung, detailgenau und spannend zu erzählen.«
The Independent, London
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Kachi A. Ozumba, 1972 in Nigeria geboren, studierte dort Philosophie, ging dann nach Großbritannien und machte in Leeds einen Abschluss in Literatur. Er gewann 2009 den Commonwealth Short Story Prize. Seine Geschichten wurden in vielen englischen und internationalen Zeitschriften und in verschiedenen BBC-Programmen veröffentlicht. Er lebt jetzt in Newcastle. »Der Schatten eines Lächelns«, 2009 in London erschienen, ist sein erster Roman.
Foto des Autors © Privat
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Leseprobe
Neben mir, in der Schlange, stand eine Frau mit blauangelaufenen Lippen. Sie hatte natürlich noch nie von mir gehört; aber plötzlich kam sie aus dieser Trance, in die wir alle gefallen waren, heraus und flüsterte in mein Ohr (alle sprachen dort nur im Flüsterton): »Kannst du das hier beschreiben?« Und ich sagte: »Ja, das kann ich.« Und dann huschte so etwas wie der Schatten eines Lächelns über das, was einmal ihr Gesicht war.
Anna Achmatowa, Requiem
Der Polizist wies mit dem Gewehr, das von seiner Schulter baumelte, die Richtung. »Hier lang, mister man.«
Zuba betrat einen halbdunklen Gang. Seine Schritte hallten auf dem aufgeplatzten Betonboden, der mit zertrümmerten Resten eines Besenstiels bedeckt war. Die gelben Wände waren ebenso von Flecken übersät wie die Albino-Haut des Polizisten. Ein beißender Geruch, eine Mischung aus kaltem Schweiß, Urin, Verfaultem und Trostlosigkeit hing in der Luft. »Du glaubst, Sohn von reichem Mann braucht nicht in Zelle?«, schrie der Polizist hinter ihm.
Die Worte trafen ihn nicht, jetzt nicht mehr. Jede Menge Beschimpfungen waren während des Verhörs auf Zuba eingeprasselt, und er hatte sich mittlerweile daran gewöhnt. Mit leerem Blick ging er den Gang entlang. Ike folgte ihm, das Gesicht starr vor Zorn. Die Handfläche des Vernehmers zeichnete sich immer noch auf seiner Wange ab.
Der Gestank steigerte sich, als sie an den verrosteten und verdreckten Gitterstäben einer Tür vorbeigingen. Dahinter Männer mit nacktem Oberkörper, die im Halbdunkel auf dem Fußboden kauerten. Das Wort new man ging plötzlich um; geflüstert, wiederholt, von Mund zu Mund. Körper begannen sich in der Zelle zu regen.
»Idem, sie sagen, du haben Platz für die zwei in deine Zelle«, sagte der Albino, als sie das Büro am Ende des Korridors erreichten. Er legte dem pausbäckigen Mann in Polizeiuniform ein weißes Stück Papier auf den Tresen. Dann studierte er an der Wand einen Kalender mit Fotos farbenfroh gekleideter Frauen: NIGERIAN POLICE WIVES ASSOCIATION 2000. Der die Nase reizende Duft einer Moskito-Spule kämpfte mit dem Gestank, der vom Korridor hereindrang.
Idem beugte sich über das Papier. »Hmmmmh, Gewaltandrohung und Diebstahl.« Er blickte hoch und warf einen kurzen Blick in Ikes glühende Augen.
Dann musterte er Zubas sanfte Gesichtszüge, seine Augen, die ihn aus einer schwindelerregenden Distanz anzustarren schienen, und senkte seinen Blick auf den goldenen Manschettenknopf, der ihm über der gepflegten Hand, die Zuba auf den Tresen gestützt hatte, entgegenblitzte. »Ausziehen, ausziehen«, bellte er. »Oder willst du in Zelle gehen mit oberfeinem Anzug? Geld und Wertsachen gibst du auch ab.«
Seine Worte mussten bis ans Ende des Korridors gedrungen sein. Sofort wurden aus der Zelle Rufe laut: »Wenn ihr Kerle euch hierein traut ohne eure cell-sho, dann verprügeln wir euch, bis ihr nicht mal mehr die Namen eurer Mütter kennt.«
»Denkt auf jeden Fall an eure cell-sho, sonst stopfen wir euren Kopf in den Scheißeimer.«
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Pressestimmen
NÜRNBERGER ZEITUNG, 7.7.2010
Hoffnungslos ausgeliefert
Afrika erzählt: «Der Schatten eines Lächelns». Von Florian Kaiser
Der momentane Trubel um die Fußball-WM hat erfreuliche Nebenwirkungen: Stärker denn je gerät Afrika auch kulturell ins Blickfeld, etwa mit seiner Literatur. Gelegenheit für spannende Entdeckungen.
Hier entlang, mister man.« So wie der Polizist mit dem Gewehr auf der Schulter Zuba in die Zelle schiebt, so unsanft führt der Autor Kachi Ozumba seine Leser in den Dschungel der nigerianischen Justiz hinein, tief in ein schwüles Geflecht aus Korruption und Willkür, Religion und Ethnizität, Naivität und Verrat. Das für Westafrika so typische »Broken English«, stimmig ins Deutsche übertragen, die Schilderung der Zustände in den überfüllten Gefängnissen, die sich niemand ausdenken kann, der nicht drinnen war, die Andeutungen, Anmaßungen und Aneignungen selbst der kleinsten Rädchen im System kaum jemand kann das alles so scharf, so packend und auch so amüsant wiedergeben wie Ozumba (in der Übersetzung von Rainer Nitsche).
In seinem ersten Roman »Der Schatten eines Lächelns« zeichnet der inzwischen in Großbritannien lebende Journalist Kachi Ozumba den Weg des jungen Zuba nach begütert, gebildet, strebsam. Ohne eigenes Verschulden gerät er in die so langsamen wie gnadenlosen Mühlen der nigerianischen Justiz. Zubas Vater, einst als Regierungsmitglied zu Reichtum gekommen, hat eine Privatschule gegründet, die Zuba nach dessen Schlaganfall kommissarisch führt, nach bestem Wissen und Gewissen. Und sein Gewissen soll Zubas fast seinen Kopf kosten. Denn als er die betrügerische Direktorin feuert, zeigt ihn diese wegen eines angeblichen Überfalls an. Und Zuba, behütet und naiv, glaubt tatsächlich an Gesetz und Gerechtigkeit. Viel hellsichtiger ist da seine Schwester: »Das ist nicht die Frage von richtig oder falsch. Es geht darum, ob du deinen Kopf rettest.«
Auf dem Weg von der Freiheit durch die Untersuchungshaft ins Strafgefängnis vom Autor Außenwelt, Zwischenwelt und Innenwelt getauft verliert der gute Zuba seinen Glauben kaum, kämpft für sein Recht, verweigert sich Korruption und faulen Kompromissen. Weil er es sich leisten kann. Sein Chauffeur und Freund Ike, der mit ihm angeklagt ist und mit ins Gefängnis geht, kennt das System besser und steht Zuba doch treu zur Seite. Als ihn Zuba aufzumuntern versucht: »Stellen wir uns vor, es ist so eine Art . . . eine Art . . . Ja! Eine Art Ausflug!«, entgegnet Ike: »Du hast vergessen, dass ich nie zur Schule ging.«
Ein Ausflug also, ein vermeintliches Zwischenspiel, das sich Zuba mit dem Geld seines Vaters erträglicher machen kann. Die Hierarchien und Abhängigkeiten in den Zellen, wo jeder Eimer Wasser vom selbst inhaftierten Zellenchef gekauft werden muss, die ständigen Gefälligkeiten für die eigenen Verfolger, der Kauf einer kleinen Erleichterung hier, einer Verlegung da der Professorensohn kann es sich leisten, stur zu bleiben. Mit Geld geht vieles. Aber es ist kein Privileg, es ist ein Muss. Wer kein Geld hat, ist nicht einfach weniger gut dran, er ist nichts. Und wer in dem geschmierten System nicht mittut, nicht mittun kann, der ist ihm hoffnungslos ausgeliefert. Das lernt irgendwann, nach zahllosen zerplatzten Hoffnungen auch Zuba. Erst als er akzeptiert, dass nicht Recht das Mittel zur Freiheit ist, sondern Geld, findet er einen Weg, das System bewusst zu nutzen, um mit seinem Freund Ike in die Freiheit, in die Außenwelt zurückzukehren. Eine Außenwelt, deren Spiegel die Innenwelt der Gefängnisse ist. Hier wie dort sind Status und Macht abhängig vom verfügbaren Geld.
Über die Metapher des Gefängnissystems wird klar, warum die endemische Korruption in einem Land kaum zu besiegen ist, in dem es den meisten Menschen zwangsläufig nur ums Überleben geht und nicht um Gerechtigkeit und wo es einfacher ist mitzumachen als sich einem System zu opfern, das Integrität weder schützt noch ehrt.
VORALBERGER NACHRICHTEN, JULI 2010
Von Susanne Alge
Witz und Widerstand im Kampf gegen Korruption und Gewalt
„Mit erstaunlicher Begabung, detailgetreu und spannend“ führe der nigerianische Autor Kachi A. Ozumba die Leser in „die Katakomben afrikanischer Verhältnisse“ so schreibt der Independent in London über den Debütroman „Der Schatten eines Lächelns“. In der Tat berührt und bereichert das Werk durch seine sprachliche Genauigkeit, die Vielfalt der Beobachtungen, die präzise und anschauliche Schilderung sinnlicher Eindrücke, sowie der allgegenwärtigen Brutalität und Grausamkeit.
Zuba, ein schüchterner zurückhaltender Student der Biochemie mit guten Aussichten, weiter in der Forschung seine Meriten zu erwerben, muss nach einem Schlaganfall seines Vaters dessen Privatschule übernehmen, wo er schnell der betrügerischen Direktorin auf die Schliche kommt. Als er darauf sie und ihren ebenfalls kriminellen Ehemann feuert, drehen diese den Spieß um und erweisen sich als sehr geschickt im Umgang mit der korrupten Polizei und der geldgierigen Justiz. Zuba und sein Freund, die so naiv wie ahnungslos in das grausame Räderwerk geraten sind, schaffen es nur mit Mühe und der Hilfe eines Rechtsanwalts, der dem System teilweise ebenso ohnmächtig gegenübersteht wie sie selbst, die Freiheit wieder zu erlangen. Wie klug und mutig sie auch selbst auf die bedrohliche Situation und ihre scheinbare Aussichtlosigkeit reagieren, gelingt Autor Ozumba in seiner klaren, ironisch gefärbten Sprache fabelhaft darzustellen.
Trotz der laut Amnesty International offenbar sehr realistisch geschilderten Zustände in den Gefängnissen Nigerias, wo Folter und Gewalt gegenüber Häftlingen davon sind selbst „bloß“ Verdächtige betroffen zur Normalität gehören, gelingt Ozumba teilweise eine witzige Satire, wobei einem das Lachen oft schnell im Halse stecken bleibt und schierem Entsetzen weicht.
Wünschen wir diesem Roman, der seine Protagonisten in eine nahezu kafkaeske Situation stellt, dass er ein größeres Lesepublikum erreicht als den kleinen Kreis an afrikanischer Literatur Interessierter, und er womöglich eine über die Fußball-Weltmeisterschaft hinausgehende Aufmerksamkeit für diesen Kontinent aufrecht erhält.
ekz. Bibliotheksservice, 11. Mai 2010 von Peter Bräunlein
Der in England lebende nigerianische Autor erzählt in seinem Debütroman die Geschichte Zubas, der nach einem Schlaganfall seines Vaters die Leitung von dessen Privatschule übernimmt. Er gerät in einen Konflikt mit der Direktorin und deren Mann. Als er sie wegen aggressiven Verhaltens entlässt, fordern die beiden eine hohe Abfindung, was Zuba ablehnt.
Doch die beiden lassen Zuba und seinen Freund wegen angeblichen Diebstahls einsperren und Zuba erlebt die katastrophalen Zustände in Nigerias Gefängnissen. Der tragikomische Roman porträtiert einen naiven Helden, der durch seine Aufrichtigkeit in einer korrupten Gesellschaft in immer größere Schwierigkeiten gerät und dabei fast den Glauben an die Gerechtigkeit verliert. Die witzige Satire kritisiert die nigerianischen Verhältnisse mit ethnischen Konflikten, einer brutalen Polizei, gewalttätigen Gefängnissen und ahnungslosen Anwälten. Es entsteht eine kafkaeske Situation, aus der die Hauptfigur kaum herausfindet.
Hoffentlich erreicht der Roman ein größeres Publikum als den kleinen Kreis an afrikanischer
Literatur Interessierter.
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