
 |
Pressestimmen
Sendung „Gen Süden“/GUTENBERGS WELT, WDR 3,
Sonntag, den 9. Mai 2010, 12.05-13.00 Uhr
Autor: Tobias Eisermann
Redakteurin: Gisela Corves
Wer zu diesem Buch greift, begibt sich in Gefahr. Aber es ist eine rauschhafte, lustvolle Gefahr. Die Gefahr, sich endlos treiben zu lassen zwischen Karthago und Byzanz, zwischen Djerba und Gibraltar, und letztlich abzutauchen im Licht des Südens und im hochschäumenden Meer dieses historischen Kulturpanoramas. „Im Sonnenmeer“, wie der Autor im Kapitel „Hinweis für Seefahrer“ schreibt. Wenn ich Baltasar Porcel auf der Reise durch Zeiten und Kulturen begleiten könnte, so fiele meine Wahl auf Istanbul. Hier streift der Zeitreisende wie ein Flaneur durch die moderne Metropole und evoziert im Chaos des orientalischen Molochs die morbide Pracht der legendären Vergangenheit. Per Boot und zu Fuß oder im vollbesetzten Bus geht es vorbei an Zeitungskiosken und Döner-Buden, der Blick schweift hinüber zu verfallenen Palästen mit ihren verlassenen, verwahrlosten Gärten am Bosporus. Ein Streifzug durch die tunnelartigen Gänge des ägyptischen Basars läßt den Besucher schwindeln. Manchmal glaubt er zu halluzinieren von der Vielfalt der aufeinander-folgenden Düfte, die mal messerscharf wie Pfeffer, mal breiig und schwer wie Moschus und Ambra sind und denen man sich nicht entziehen kann. Es treibt ihn zum berühmten Eminönü-Platz, dem einstmals großen, sonnenüberfluteten Zentrum der historischen Altstadt, wo früher die stillen Alten geistesabwesend auf ihren abgenutzten Teppichen saßen.
„Das goldene Istanbul: Bei Sonnenuntergang hüllt ein feiner gedämpfter Nebel die ganze Stadt ein: Man weiß nicht, ob die Jahrhunderte der Kaiser und Sultane schon vergangen sind oder hoch aufgerichtet und stolz auf uns warten, in einer erträumten Zukunft.“
Porcel ist ein erfahrener Erzähler, Autor zahlreicher bedeutender Romane, und das spürt man auch an allen Ecken und Enden seines großen Mittelmeerpanoramas. Genauso gerne wie nach Istanbul und ins alte Byzanz würde ich ihm nach Andalusien folgen, nach Italien, bis Marokko und nach Israel. Wir treffen Richard Löwenherz, El Cid und die Dogen. Künstler und Schriftsteller aus allen Epochen, die Porcels Liebe teilen, sind dabei. Mit einem feinen Gespür für Gemeinsamkeiten und Unterschiede der zahlreichen Kulturen führt Baltasar Porcel uns kreuz und quer durch die mediterrane Kulturgeschichte. Gerade an Orten, wie Barcelona, Genua oder Marrakesch, die man aus eigener Anschauung kennt, beeindruckt einen die spielerische Eleganz, mit der Autor immer wieder leichthin das Wesentliche anspricht und die schillernde Atmosphäre einfängt. Ob er leibhaftig durch die Einsamkeit karger Inseln wie Patmos streift oder im Geiste durch den lärmenden Wirrwarr der einstmals kosmopolitischen Hafenstadt Korinth, immer empfindet Porcel eine große Leidenschaft für seinen Kulturraum. Fast überall hin ist er selbst gereist. Und obwohl er in seinem Buch über das Mittelmeer ganz eigene geographische Schwerpunkte setzt und die vertrauten Routen verlässt, entdeckt er immer wieder unbekannte Zusammenhänge zwischen den unter-schiedlichsten Kulturtraditionen. Manchmal wundert man sich bei der Lektüre, dass man als Leser von der geballten Fülle der Details gar nicht erdrückt wird. Der Autor verteilt seine Gaben mit leichter Hand. Aus dem maurischen Spanien findet er zurück in den vorderen Orient und von den sanften Hügeln der Provence führt in sein Weg in die weiten Wüsten Nordafrikas. Ein spezielles Augenmerk hat Porcel für die sinnlichen Reize und Genüsse. Weine und Speisen aus den verschiedensten Regionen finden immer wieder sein Interesse. Überzeugend wirkt sein Buch auch, wenn er bei aller historischen Tiefenschärfe eine politische Zukunftsperspektive aufzeigt:
„Die Europäische Union braucht Erweiterung und Sicherheit nach Süden. Es führt kein Weg an einer Zusammenarbeit vorbei. Und diese Lösung muss sich zwangsläufig am Vorbild des klassischen Mittelmeers orientieren: Dialog und Demokratie. Der Islamismus des Westens wird wieder mediterran werden, dem mittelalterlichen Modell von al-Andalus folgend.“
Der brodelnde Erzählfluss, der sehr stürmisch und gleichzeitig planvoll durch den mediterranen Kulturraum mäandert, endet in einer Oase der Ruhe, wenn sich der sinnliche Genießer Porcel zum Schluss auf seine Heimatinsel Mallorca zurückzieht.
„Gerade eben hat mir ein wortkarger Fischer zwei Wolfsbarsche gebracht. Ich brate sie mir mit Salz und Öl über dem lodernden Kaminfeuer. Aus dem noch winterkahlen Garten hole ich mir den ersten Mangold und ganz zarte Zwiebeln. Dazu mache ich mir eine Flasche kühlen Weißweins auf. Ich habe knuspriges Brot. In diesem Augenblick bin ich dem Glück sehr nahe. Ja, ich bin Teil dessen, was ist und sein wird: unseres Mittelmeers.“
Diese Rezension als Podcast
Kulturtipps von Uli Rothfuss im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
http://www.swo.de/ktbuchtipp247b.html
"Das Mittelmeer" von Baltasar Porcel
Wie vielfältig ist es, dieses Meer! Das „Meer unserer Sehnsüchte“! Kultur, Wärme, Schönheit, Blau. Die Phantasie überschlägt sich, beim Gedanken daran. Unser Autor, Baltasar Porcel,unternimmt eine Reise durch Zeiten und Kulturen, er stellt uns politische und militärische Kämpfe vor, Religionen und gesellschaftliches Leben. Was ist das Geheimnis dieses Buches, das Besondere? Baltasar Porcel verlässt die Wege der Klassiker der Reiseliteratur wie der historischen Erzähler, er spürt kulturelle Besonderheiten auf, arbeitet Gemeinsamkeiten heraus; und das in einer Sprache, die den Leser manchmal schlichtweg kaum Atem holen lässt, so reißt sie ihn mit sich fort.
Dieser Autor versteht es, Geschichten zu erzählen und so die große Geschichte deutlich zu machen wahrhaft ein Buch, das ganze Geschichtsbücher ersetzen kann. Wunderbar. Weltliteratur aus dem Katalanischen.
mare, No. 76, Oktober / November 2009

Elke Heidenreichs Kolumne "lesen!":
Buchtipp 17 bei litcologne (Video)
http://litcolony.de/littv/26
Die Rheinpfalz, 11. Juli 2009 Lesezeichen
Am 2. Juli dieses Jahres starb Baltasar Porcel im Alter von 72 Jahren. Der katalanische Schriftsteller und Mittelmeer-Historiker aus Mallorca hat noch vor drei Jahren ein großes Buch über das Mittelmeer vorgelegt, das nun auch ins Deutsche übersetzt wurde. Es kann als die Summe seiner Forschungen gelten und bildet mit seinen 22 Essays, von denen jeder einzelne eine Mischung aus Kulturreportage, Reisebericht, historische Skizze und literarischer Meditation darstellt, ein einmaliges Porträt des Mittelmeerraums. […]
Ist das nur die Melancholie des mediterranen Menschen? Für Mittelmeerreisende, die heutzutage oft genug jene »hingepfuschte« Seite erfahren müssen, ist dieses Buch jedenfalls ein Wegweiser in eine große Welt, die nie nur schön oder nur arm oder nur imperial war. So eröffnet Baltasar Porcel zahlreiche Perspektiven: auf Schönheit und Grausamkeit, auf Freiheit und Diktatur, auf Lebenslust und Morbidität. Mit seinen wissbegierigen Augen blickt er auf die westlichen wie die östlichen Dinge, auf das Gestern wie auf das Heute.
ekz-Informationsdienst, 8/09, Dietmar Adam
[…] Zwar ist das Buch chronologisch aufgebaut, aber man überlässt sich gerne dem mäandernden Erzählfluss Porcels, dem es um mehr geht als um die Aneinanderreihung mehr oder weniger bekannter historischer Eckdaten. Er entwickelt mit Enthusiasmus das Bild eines Lebens- und Kulturraumes, das bei aller Konkurrenz, Feindschaft und Andersartigkeit seiner auf drei Kontinente verteilten Bewohner vor allem vom Austausch von Waren und Ideen, der gegenseitigen Befruchtung geprägt ist. Nie kommt Langeweile auf, auch wenn er abschweift, etwa um die Qualität von Seeteufel und Sardine zu erörtern. Den Leser erwartet ein sowohl literarischer wie auch kulturgeschichtlicher Genuss bei dieser erhellenden und unterhaltsamen Reise durch mehrerere Jahrtausende.
Rheinischer Merkur, Nr. 30, 2009

Hofer Anzeiger, 12. Mai 2009, Schauplatz Kultur

Deutschlandradio Kultur
Mai 09 Empfehlungen, Literatur, Sach- und Hörbücher
Die Geschichte des Mittelmeers in 22 Essays. Der Autor beginnt vor 20 Millionen Jahren und spannt den Rahmen bis in die heutige Zeit, sinnlich und amüsant erzählt. Mediterrane Flaneure und Liebhaber geschichtlicher Details kommen gleichermaßen auf ihre Kosten.
FOCUS Nr. 18, 27. April 2009
Buch-Tipp
Mauren, Juden und Christen, Könige, Päpste und Sultane, Kaufleute, Seeräuber und Kreuzfahrer der katalanische Autor Baltasar Porcel begibt sich auf eine stürmische Reise durch die Geschichte des Mittelmeerraums. Er erzählt von Gemeinsamkeiten, himmelschreienden Ungerechtigkeiten, von regionalen wie kulturellen Besonderheiten der Völker und Städte. Mühelos zieht er die Fäden zwischen den drei Kontinenten, die das Mittelmeer das »Mare nostrum« trennt und verbindet.
Deutschlandradio Kultur, 16. 4. 09
Von Lutz Bunk
Ein einziges großes Piratennest
Das Werk des mallorquinischen Schriftstellers Báltasar Porcel wird von einem einzigen Grundthema durchzogen: das Mittelmeer. In seinem gleichnamigen neuen Sachbuch erzählt der Autor in 22 Essays von Pharaonen, Griechen und Römern - und von schaurigen Piratenliedern.
1937 wurde er auf Mallorca geboren, in dem Örtchen Andratx, sein Name Báltasar Porcel. Heute gehört er zu den großen Schriftstellern der katalanischen Sprache, mit Literaturpreisen überhäuft. Auf Deutsch erschienen 2007 der Roman "Verstorbene unter Mandelbäumen" und 2001 "Galopp in die Finsternis". Ob in seinen historischen Romanen oder in seinen Gedichten, Kolumnen, Reiseberichten und Theaterstücken, ein einziges Grundthema beherrscht Porcels Arbeit, das Mittelmeer. Und so heißt auch das neue Sachbuch Porcels: "Das Mittelmeer - Eine stürmische Reise durch Zeiten und Kulturen". […]
Vollständiger Artikel unter: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/949716/
|