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Pressestimmen
Fürstenfeldbrucker Tageblatt
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Berliner Zeitung, 16.04.2009
Ein Fernseher namens Dacia
Claudiu M. Florians Roman "Zweieinhalb Störche" über eine Kindheit in Siebenbürgen
Von Ingeborg Ruthe
Großmutter ist ein Storch, Großvater auch. Und der Sechsjährige Ich-Erzähler, zumindest ein halber. Die andere Hälfte des Zugvogels hätte ein Brüderchen sein sollen. Notfalls eine Schwester. Daraus ist nichts geworden. Mutter und Vater waren immer weit weg.
Mit solch skurriler poetischer Symbolik hält der Autor den Leser von "Zweieinhalb Störche" in Atem. Er lässt einen staunen, auflachen und an absurd melancholischen Absätzen ungläubig fragen, wie Claudiu M. Florian, geboren vor knapp 40 Jahren in Reps (Rupea), Spross siebenbürgisch-sächsischer und rumänischer Vorfahren gleichermaßen, sich so haarklein an genau zwei Jahre seiner Kindheit zu erinnern vermag. […]
Den vollständigen Artikel finden Sie unter:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0416/bcher/0016/index.html
Neues Deutschland, 16.01.2009
»Indeutschland«: jammernswerter Ort
Claudiu M. Florian erzählt von einer Siebenbürger Kindheit
Von Benjamin Jakob
Ost-Europa scheint ein unerschöpfliches Reservoir an frischen, gut erzählten Prosastoffen zu sein. Der Romancier Claudiu M. Florian (Jahrgang 1969) stammt aus einem Ort in Siebenbürgen, einem Städtchen mit Burg zwischen Sighisoara (Schäßburg) und Brasov (Kronstadt). Er wuchs zweisprachig auf, deutsch-rumänisch. Mit elf verschlug es ihn nach Bukarest, das Ende der Ära Ceausescu 1989 erlebte er beim Militär; er studierte Germanistik und Geschichte, wurde dann Diplomat. Seit ein paar Jahren arbeitet Florian an Rumäniens Botschaft in Berlin, derzeit als Presseattaché.
Mit seinem ersten Buch kehrt der Autor zurück in das Kindheitsland der frühen Siebziger, zurück in die eigene Biografie. Der Held des Romans ist fünf/sechs Jahre alt, ein Knirps, der jedes Storchenpaar mit Nachwuchs um das intakte Familienleben beneidet. Der Kleine lebt bei den Großeltern in einem siebenbürgischen Nest. Die beiden Alten Iorgu ist Rumäne, Anni eine Siebenbürger Sächsin sind für ihn Vater und Mutter. Die leiblichen Eltern leben an einem fernen Platz, Bukarest genannt; Fremde sind sie, die manchmal nur zu Besuch erscheinen. Familienvorstand ist die Großmutter, Anni, streng und deutsch, die Hüterin von Haus und Hof. [...]
Den Artikel finden Sie unter:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/142225.indeutschland-jammernswerter-ort.html
Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) - 19.12.2008
http://www.adz.ro/k081219.htm#2
„Zweieinhalb Störche“ – der Roman einer
Kindheit in Siebenbürgen / Von Jens Langer
Bevor Claudiu Mihail Florian, 1969 in Reps/Rupea geboren,
Presseattaché der Botschaft Rumäniens in Berlin
war, muss es ihm ergangen sein wie dem Vorschulkind, von dem
er so hinreißend erzählt. Die Menschen mögen
andere Namen getragen haben, aber sonst war es in Siebenbürgen
sicher so, eben vielfach. „Mehrerlei“ sagt der
heutige Germanist und Historiker dazu. „Es ist nicht
alles eins. Es ist alles zwei. Oder drei. Oder vier.“
Das beginnt bereits mit den Festtagen. Sie sind nicht allesamt
gleich grau wie die Katzen in der Nacht, sondern werden ganz
unterschiedlich gefeiert. Ein Tag zum Beispiel gehört
dem Jungen selbst, sein Geburtstag, da wird er geherzt und
geküsst, kann herrlich schmausen. Anders sind der 1.
Mai und der 23. August mit offiziellen Ansprachen und Lobhudeleien
an den obersten Genossen; denn der Autor entführt seine
Leserschaft in die 1970er Zeit.
Die Feste selbst sind auch in sich nochmals mehrerlei, wie
der Heiligabend zeigt. Mit der sächsischen Großmutter
singt er „O Tannenbaum“, und der rumänische
Großvater summt dazu. Diesen hinwiederum begleitet der
Enkel singend bei der rumänischen Fassung. „Die
Sprachen des Liedes trennen uns weitaus weniger, als uns die
Melodie und der Anlass desselben vereinen“, stellt er
fest. Noch eine Dimension dieses Festes tritt in die kindliche
Welt, wenn der auf Zimmerlautstärke gestellte Sender
„Freies Europa“ traditionell „das Glockengeläut
aller deutschen Dome“ erschallen lässt. Eine total
andere Geschichte als dieser Radiosender bietet im übrigen
das staatliche Fernsehen, in dem es vorwiegend um jenen obersten
Genossen geht.
In der naiven Weltsicht und Sprachwelt des Jungen macht die
Leserschaft die Bekanntschaft mit komplizierten Verhältnissen.
Sie ergeben sich nicht allein einfach vor Ort, sondern ferne
Städte und Länder spielen mit in der Gestaltung
des Lebens, selbstredend Bukarest, aber auch Deutschland.
Der Kinderverstand sagt „Indeutschland“ und „Ausdeutschland“.
In dieses Paradies wandern die Leute mit Tränen aus,
und Besucher von dort fahren weinend aus dem Dorf wieder zurück,
andererseits bringen zwei Onkel, Brüder der Großmutter,
von dort wunderschönen Krimskram mit, während ein
anderer Besuch nichts Besonderes schenkt. „Denn es sei
nur die Tante aus der DDR gewesen.“
Zu antiker Größe schwingt sich die Begegnung der
beiden Großonkel mit dem verwitweten und mit einer Rumänin
wiederverheirateten Vater in Seiburg auf. Der greise Seher
sorgt sich um die Zukunft seiner Kultur, ihrer Sprache und
dörflichen Existenz. Die Söhne reagieren verdruckst.
Sie haben sich innerlich abgemeldet. Eine Entsprechung findet
sich, als der Vater des Erzählers seinen ersten Besuch
mit dem Kind bei den rumänischen Großeltern in
der Walachei macht. Der blinde über Achtzigjährige
legt Kind und Kindeskind ans Herz, den eigenen Ursprung nicht
zu vergessen. Der Sohn, in politische Schwierigkeiten geratener
Theaterregisseur aus Bukarest, stimmt zwar zu, ohne für
seinen Nachkommen sprechen zu können und zu wollen.
Dieser ist glücklich, als er wieder im Heimatort in Siebenbürgen
ist. „Wo selbst die Katzen Deutsch sprechen.“
Der Großvater mütter-licherseits, ein in Ungnade
gefallener rumänischer Gendarm, hatte 1945 auf Bitten
des Seiburger Alten dessen wunderschöne Tochter vor der
Deportation gerettet, und zwar durch Heirat. Inzwischen soll
ihm sein Haus enteignet werden, weil die Vorbesitzerin nach
Deutschland ausgewandert war. Nun stärkt die Sächsin
ihn. Sie schützt auch den Enkel vor Ausgrenzung in der
Kirche, die es auch mehrerlei gibt – für die orthodoxen
Rumänen, für die evangelischen Siebenbürger
Sachsen und die evangelischen Ungarn. Bei den Sachsen verweigert
der Pfarrer dem Kind das Weihnachtspäckchen.
Die Großmutter stellt ihren Geistlichen zur Rede und
bekommt das Geschenk: „Wo gibt’s denn das (...),
was weiß dies Kind schon von Konfession und von dieser
Kirche oder jener!“ Die beiden Alten sind das Storchenpaar
mit der halben Portion. Die Eltern des Kindes leben in Bukarest,
sind liebevoll, aber fern, strapaziert und gefährdet.
Sie brauchen den Schutzschirm des siebenbürgischen Dorfes
für ihre kleine Familie.
Angetan legen wir dieses fesselnde Buch aus dem Südosten
Europas aus der Hand. Wir möchten gern mehr erfahren.
Neue Zürcher Zeitung, 3. Januar 2009
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/buchrezensionen/kindheit_in_siebenbuergen_1.1631295.html
DeutschlandRadio Kultur
„,Zweieinhalb Störche‘ ist ein gelungenes Debüt, eine geradlinige Erzählung mit Atmosphäre, Tiefgang und erfrischenden Dialogen. Ein Buch über die Sehnsucht Sehnsucht nach dem Miteinander in einer längst unerreichbaren Region des Glücks …“
Siebenbürgische Zeitung - 6. 12. 200808
http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/8366-claudiu-m-florian-wandelt-auf-den.html
RBB Inforadio
Kultur, 18.11.2008
Neu im Buchregal
http://www.inforadio.de/static/dyn2sta_article/606/280606_article.shtml
Claudiu M. Florian: Zweieinhalb Störche
Innenwelt und Außenwelt, das Nahe und das Ferne, das Eigene und das Andere, sind oft untrennbar verquickt. Dörfliche Enge, fürsorgliche Umarmung durch Großvater, Großmutter, Tanten, Onkels bilden den Nährboden für den Ich-Erzähler in Claudiu M. Florians Zweieinhalb Störche. Von den Titel gebenden Störchen wünscht er sich ein Geschwisterchen.
Affirmativ, mit den kindlich-naiven Augen eines Sechsjährigen, blickt der heutige Presseattaché der Botschaft Rumäniens in seinem Romanerstling zurück auf seine Kindheit in Siebenbürgen Mitte der 70er Jahre. In filigranem Altdeutsch meistert er die Geheimnisse abgelegener Orte an der "Europastraße 60", fängt das mit Toleranz gepaarte "Vielerlei" der Idiome und Bräuche ein. Souverän überspringt er die Klippen zwischen Menschen, die wie der Großvater, von Hause aus, Rumänen sind, und deutschstämmigen Siebenbürger Sachsen, wie die Großmutter - und einem übermächtigen Regime, das mit dem Namen des Diktators Ceausescu verbunden ist.
Der Hof ist die Mitte seiner kleinen Welt, in der die Besucher aus Deutschland für so viel materiellen Wirbel sorgen, dass "Indeutschland" zum feststehenden Begriff für das gelobte Land wird. Es ist die genuin kindliche Perspektive, die diese Landeserkundung mit bitterem Ende spannend macht.
Heike Geilen - www.sandammeer.at - 8 / 08
www.sandammeer.at/rez08/florian-stoerche.htm
Claudiu M. Florian: "Zweieinhalb Störche"
Roman einer Kindheit in Siebenbürgen
Kaugummi und eiserne Autochens "Ausdeutschland"
Wenn der Name Siebenbürgen fällt, denkt jeder sogleich an das sagenumwobene Transsilvanien mit seinen Schlössern, Burgen, Werwölfen, Vampiren und seinem bekanntesten Vertreter, Graf Dracula. Auch der Wirtschaft ist diese rumänische Region ein Begriff.
Einen ganz anderen, noch dörflich geprägten Landstrich erweckt Claudiu Mihail Florian in seinem Debütroman "Zweieinhalb Störche" zum Leben - das Siebenbürgen seiner Kindheit. Dazu versetzt er den Leser in die 1970er-Jahre.
"Storch, Storch, guter,
bring mir einen Bruder!
Storch, Storch, bester,
bring mir eine Schwester!"
Dieses kleine Liedchen trällert der sechsjährige Ich-Erzähler auf der Dorfstraße mehrmals laut vor sich her. Er ist gerade mit seinem Vater zu Besuch bei seinen "anderen" Großeltern in der Walachei und löst damit allgemeines Erstaunen im Ort aus, denn er hat dieses Lied auf Deutsch gesungen. In dieser Region Rumäniens ist es eine Sensation, dass so ein kleiner Bub eine "Fremdsprache" schon derart gut beherrscht.
Doch Mutter und Großmutter des Knaben gehören zur Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen, und das deutsche Brauchtum ist fester Bestandteil ihres Lebens. Es gibt das Weihnachtsfest nebst Weihnachtsmann, man geht in die christliche Kirche, liest deutsche Märchen, singt deutsche Volkslieder und erwartet voller Spannung von Zeit zu Zeit Besuch "Ausdeutschland". Überreichen doch die Onkel dann immer gut riechende Kaugummis, bunt und knisternd verpackte Süßigkeiten und Blechautochens.
Mehrerlei
"Storch, Storch, guter, bring mir einen Bruder! ...", wird der Knirps noch des Öfteren singen, in der Hoffnung, dass sein "Einerlei" beendet und ihm ein Geschwisterchen gebracht wird. Aber so richtig Verlass ist auf den Vogel nicht. Vielleicht, weil in seiner Heimat alles "Mehrerlei" ist. Angefangen bei der Sprache (Rumänisch, Deutsch, Ungarisch und Sächsisch), dem Feuer in den verschiedenen Öfen des Hauses oder den Glockentönen der "Rumänenkirche" und der "Ungarnkirche" im Ort. Auch die Großeltern des Buben sind für ihn mehrerlei. Denn komischerweise erzählt man ihm, dass sie nicht seine richtigen Eltern sind, denn das "sollen die beiden fröhlichen Leute sein, die uns hin und wieder besuchen und sich dabei wie zu Hause fühlen." Sein Vater, ein Regisseur, und die Klavier spielende Mutter leben in Bukarest.
Mehrerlei sind auch der Fernseher und das Radio, allein schon wegen des unterschiedlichen Informationsgehalts. In Ersterem sieht man hauptsächlich die offiziellen, lautstarken rumänischen Propagandasendungen, in denen meistens der Genosse Nicolae mit "Diesen" zu sehen ist - wie der Großvater, ein von den Kommunisten seines Dienstes enthobener rumänischer Gendarm, verächtlich meint. "Die Großmutter und der Großvater kucken auch nur ganz flüchtig hin und drehen ihn leiser und immer leiser." Mit dem Radio hingegen verhält es sich ganz anders. Seinem nur leise gehörten Kanal "Freies Europa" lauscht man - nicht nur zu Weihnachten, wenn das Glockengeläut "Indeutschland" übertragen wird - andächtig.
Dieses Mehrerlei kann sich der kleine Ich-Erzähler noch nicht ganz allein erklären. Also löchert er seine Umgebung mit vielfältigsten Fragen. Ärgerlich, wenn ihm die Beantwortung selbiger mit einem "Später" verwehrt bleibt. "Was ist es denn, das sich erst später begreifen lässt? Das 'Später' hasse ich manchmal geradezu (...) Obwohl dessen Reiz eigentlich im hier und jetzt liegt. Denn alles, was ich jetzt haben und wissen möchte, wird bestimmt überholt und vergessen sein, eh das Später erreicht ist."
Originelle Geschichtsvermittlung und Landeskunde
Claudiu M. Florian, der als Presseattaché in der Rumänischen Botschaft in Berlin arbeitet, hat aus der Sicht eines kleinen Jungen - seines Alter Ego - das Siebenbürgen der 1970er-Jahre auferstehen lassen. In detailreichen Umgebungsbeschreibungen, mit wunderbaren Berichten aus dem Alltag der Familie des Buben - mit Lokalkolorit gewürzt - und durch ihn belauschten und eigenständig gedeuteten Gesprächen der Erwachsenen ist ein humorvoller und detailreicher geschichtlicher Abriss Rumäniens und seiner "Enklave" Siebenbürgen seit den großen Kriegen entstanden.
In klaren Sätzen, ohne Schnörkel und Beiwerk, schafft der rumänische Autor, der sich bereits während seiner Studienzeit mit Übersetzungen mehrerer deutscher und englischer Autoren - u. a. Herman Hesse - ins Rumänische einen Namen machte, eine wunderbare Aura und originelle Geschichtsvermittlung und Landeskunde. Humorvoll tapst der Bub durch die Zeit und wirft einen staunenden Blick in eine alte und einstmals hochangesehenen Kultur - die der "Siebenbürger Sachsen" - welche durch den Eisernen Vorhang und die großangelegten Zwangskollektivierungs- und Enteignungsmaßnahmen der Kommunisten und durch gezielte Diskriminierung dieser Volksgruppe durch den rumänischen Staat nahezu zum Erliegen gekommen ist.
Letztendlich stellt er fest, dass es leichter ist, Jahre zu sammeln als Geschwister. "Die Jahre scheinen irgendwie von allein zu kommen und sich zu vermehren, die Geschwister nicht."
Die beschauliche Kindheit des kleinen Ich-Erzählers ist mit einem Mal viel zu schnell zu Ende.
Fazit:
"Zweieinhalb Störche" ist ein kurzweiliger und beeindruckender Ausflug in eine andere Welt mitten in Europa - das deutschsprachige Siebenbürgen in Rumänien. Es sind Geschichten aus der Erinnerung des Autors. Geschichten, die er selbst erlebt oder gehört oder aber erzählt bekommen hat. Schön, dass Claudiu M. Florian daraus diese Geschichte gemacht und sie dadurch der Nachwelt erhalten hat.
"Keine Lektüre, kein Studium kann später das ersetzen, was man als Kind am Familientisch verpasste." (Lorenz Jäger)
(Heike Geilen; 09/2008)
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