| Wie verlegen der Architekt auch äußerlich erschien denn er machte in seiner ganz schwarzen knappen modernen Zivilgestalt einen wunderlichen Kontrast , so faßte er sich doch gleich innerlich, allein umso wunderlicher war es anzusehen. Mit dem größten Ernst stellte er sich vor die große Tafel, die von ein paar Pagen gehalten wurde, und zeichnete mit viel Bedacht und Genauigkeit ein Grabmal …
Goethe, Wahlverwandtschaften 1809
Mittags mit Goethe. Er sah einige architektonische Hefte durch und meinte, es gehöre einiger Übermut dazu, Paläste zu bauen, indem man nie sicher sei, wie lange ein Stein auf dem andern bleiben würde. »Wer in Zelten leben kann,«, sagte er, »steht sich am besten. Oder wie gewisse Engländer tun, die von einer Stadt und einem Wirtshaus ins andere ziehen und überall eine hübsche Tafel gedeckt finden.«
Gespräch mit Eckermann, 6. März 1831
Zwischen der Universität und dem Zeughaus steht ein Wachlokal, das nach dem Muster eines römischen Kastells erbaut ist, mit einer Vorhalle von dorischen Säulen. Es ist das Werk des Berliner Repräsentanten jener anspruchsvollen neugriechischen Kunst, des Herrn Schinkel, welcher Pferdeställe im Tempelstil baut. Nächst diesem sonderbaren Wachgebäude kommt das mit kriegerischen Verzierungen überladene Zeughaus und ihm gegenüber das Palais des Kronprinzen, das einer italienischen Villa ähnlich ist. Ein Kalkanwurf deckt überall den Ziegelbau. So sieht die Straße aus, welche den Ruhm und Stolz Berlins ausmacht. Die Passanten harmonieren mit dem trüben und graulichen Anblick dieser im Kasernenstil erbauten Häuser.
Victor Tissot über Berlin, 1875
Durch Ödnis. Die Unbehaglichkeit einer Neubausiedlung. Neu geschaffen, doch nicht geboren. Die ganze Unbehaglichkeit munizipaler Vorsätzlichkeit. Da war eine Ebene, man entschied Häuser angetreten. Und sie traten an, wie Soldaten. Gleichförmige Häuser, bezugsfähig-unwohnlich. Bauten, nicht Häuser. Hier kann man hinfahren, und von hier kann man muß man! wegfahren, hier wohnen unmöglich.
Marina Zwetajewa, 1922
Denn das ist das Reizvolle, das Unerfindliche, das Einmalige an dieser Stadt, daß die nächste Generation es immer wieder verstanden hat, wirklich weiterzubauen, nicht einfach niederzureißen und sich an die Stelle des Alten zu setzen, sondern das Vorhandene zu benützen. (Es gibt böse Kleckse im Stadtbild: so ist zum Beispiel die entzückende Place Dauphine auf der Ile de la Cité durch eine geradezu wilhelminische Treppenscheußlichkeit des Palais de Justice so ruiniert, daß man das Plätzchen, das da so still inmitten des Autogebrauses liegt, nur mit dem Rücken zu dieser Herrlichkeit genießen kann.)
Kurt Tucholsky über Paris, 1924
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Kleiner Gauner.
Michelangelo Buonarroti über den Architekten Nanni di Baccio Bigio
Michelangelo versteht nichts von Architektur; er macht nur verrückte Sachen und kindliches Zeugs.
Nanni di Baccio Bigio über den Architekten Buonarroti Michelangelo
Architekten, alles Schwachköpfe! Vergessen immer die Treppen im Haus.
Gustave Flaubert
Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kunden nur raten, Efeu zu pflanzen.
George Sand
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