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Ruth Berlau
Der Teufel ist ein schlechter Chauffeur
Zwischen Kopenhagen, Paris und New York
Herausgegeben von Ditte von Arnim
Amüsante, abenteuerliche, melancholische Geschichten,
nicht nur über feige
Männer und freche
Frauen ...
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: Leseprobe : Autorin/Autor : Pressestimmen
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128 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag € 14,80 (D) / CHF 25,80 ISBN 978-3-88747-225-2
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Inhalt: Der Teufel ist ein schlechter Chauffeur
Im August 1928 setzt sich eine 21jährige Dänin in Kopenhagen auf’s Fahrrad und fährt nach Paris, um sich einen Lippenstift zu kaufen. Als moderne junge Dame bedient sie nicht nur die Pedale, sondern schreibt exklusiv für die größte Boulevard-Zeitung Dänemarks Reportagen über ihre Erlebnisse, die sie aber üppig mit erfundenen Stories bereichert Dichtung und Wahrheit liegen hier eng beieinander, in den Texten wie im »wirklichen« Leben. Diese junge Dänin heißt Ruth Berlau; sie will aus einem gutbürgerlichen Leben ausbrechen, will Journalistin oder Schauspielerin werden. Abenteuerlust und Phantasie haben bei ihr lebenslänglich Hochkonjunktur. Und ganz gleich, was sich die junge Dame in den Kopf setzt, es gelingt. Jedenfalls bis sie Bertolt Brecht trifft, die große Liebe ihres Lebens. In seinem großen Schatten wurde vieles anders: bis heute wird die Existenz von Ruth Berlau ausschließlich durch die Brecht-Brille betrachtet. Dabei gab es viele andere, die ihre Arbeit geschätzt haben: Egon Erwin Kisch, Martin Andersen Nexö, Elisabeth Bergner oder Ingrid Bergman.
Tatsächlich war Ruth Berlau als Journalistin, Fotografin, Schauspielerin, Regisseurin eine Frau mit vielen Begabungen und mit vielen Gesichtern. Die erst kürzlich entdeckten und hier erstmals veröffentlichten Fotos zeigen eine schöne Frau, mal kokett, mal traurig, schelmisch oder herausfordernd.
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Probe
Eine neue, strahlend weiße Limousine rollte geräuschlos durch einen Vorort von Kopenhagen und hielt vor einem ziegelroten Haus mit großen, hellen Balkonfenstern. Im Gartenweg wartete eine junge Frau. Sie trug ein graues Reisekostüm. Der weiße Filzhut saß ihr schräg auf dem Kopf.
Sie konnte ihren Bräutigam durch die schmiedeeiserne Gartentür kommen sehen und lief ihm entgegen. Um elf Uhr an diesem Morgen sollten sie im Rathaus getraut werden. Dann würden sie in die Flitterwochen fahren, an die französische Riviera. Jetzt war es 9.30 Uhr, Zeit genug also, den neuen Wagen noch auszuprobieren. Sie machte sich schnell mit Gangschaltung und Bremse vertraut. »Oh, das geht ja himmlisch leicht!« rief sie immer wieder, »Sieh doch, mit einem Finger lassen sich die Gänge schalten!« Überglücklich zeigte sie es. Wie gut es ihr steht, wenn sie sich freut, dachte er und setzte sich so, daß er seine junge Braut gut sehen konnte.
»Dein Hut verdeckt die Stirn«, beschwerte er sich.
»Er ist zu flach, nicht wahr?« fragte sie.
»Nein, er ist ein Drittel so hoch wie dein Gesicht, also ganz klassisch.«
Sie fuhren an einem See vorbei. Am Ufer blühten die Kastanienbäume.
»Ich habe Onkel Fred gesehen«, sagte er mit einem schwachen Lächeln.
»Aber er hat dir keine Grüße an mich aufgetragen, habe ich recht?«
»Nein, das nicht gerade. Er kommt nicht zum Hochzeitsessen.«
»Das dachte ich mir schon. Wo hast du ihn getroffen?«
»Er rief mich an und wollte mit mir Mittag essen. Dann habe ich während der ganzen Mittagszeit auf ihn gewartet. Achtung! Gib Obacht!«
»Was ist denn los?«
»Oh, ich war mir nicht sicher, ob du den Radfahrer gesehen hast.«
»Ich sehe alles.«
»Also schön. Ich hatte auf ihn gewartet, um ihm mal gründlich zu sagen … Paß auf! Paß doch auf!«
»Natürlich. Ich habe ihn doch kommen sehen.«
»Aber du warst schrecklich nahe dran.«
»Ich kann auf den Millimeter genau fahren.«
Nun trat eine längere Pause ein, in der er keine Zeit hatte, weiter von Onkel Fred zu erzählen. Er mußte auf die Straße und den Verkehr achten. Als ein Verkehrssignal auf Rot stand, kam er ein bißchen zu Atem. »Ich freue mich schon darauf, dir mein Lieblingshotel zu zeigen. Es liegt an der Straße zwischen Lyon und Marseille. Ein altes Schloß, du verstehst, große Räume mit alten Möbeln, Gemälden an den Wänden und einer herrlichen Aussicht.«
Ein Botenjunge auf einem Fahrrad wäre fast auf den Gehsteig gequetscht worden, so daß er rief: »He, ihr Knalltüten. Um ein Haar hättet ihr mich erwischt.«
»Muntere Burschen, diese Botenjungen», sagte sie.

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Autorin/Autor
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Ruth Berlau
1906 geboren in Kopenhagen, Besuch einer Nonnenschule, dann Arbeit als Arzthelferin, Reporterin und Schauspielerin. 1933 traf sie Bertolt Brecht und war seit dieser Zeit an seiner Seite als Mitarbeiterin und Geliebte. Sie emigrierte in die USA, wohnte dort in New York und folgte Brecht 1949 nach Ost-Berlin, wo sie 1974 starb.
Ditte von Arnim,
1951 geboren, studierte in Leipzig Museologie und arbeitete später im Bertolt- Brecht-Archiv. Sie lebt heute als freie Autorin in Berlin.
Zuletzt veröffentlichte sie das vielbeachtete Buch »Brechts letzte Liebe. Das Leben der Isot Kilian«
(: TRANSIT 2006) |
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Pressestimmen
BRIGITTE, Buch-Extra im kommenden Heft 22 - 10. Oktober 2007

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