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Pressestimmen
Die Berliner Literaturkritik, 23.06.09
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Rezension in »Inside« Regionalmagazin für Siegen, April 2008

BRIGITTE, Buch-Extra im kommenden Heft 22 - 10. Oktober 2007

Literaturnetz.com, 5. Juli 2007 - Auszug
Tobias Fauth
Wie ein Stein im Geröll
Die kleine Conxa wohnt mit ihrer Familie in einem katalanischen Bergdorf und ist die fünfte von sechs Geschwistern. Der Alltag ist von schwerer Arbeit auf dem Land geprägt, bei dem möglichst alle Familienmitglieder so früh wie möglich teilhaben müssen, um das Überleben zu sichern. Da Conxa zu den jüngeren Geschwistern gehört und ihre Tante mütterlicherseits keine Kinder hat, wird entschieden, dass sie noch ein Kind zu Tante und Onkel ziehen muss, um ihnen zu helfen. Dies bedeutet, aufgrund der zu großen Entfernung, den Verlust der Familie und einen Neuanfang voller Ungewissheit.
Doch Conxa schafft es, sich einzuleben, wird nach ein paar Jahren im neuen Dorf nicht einmal mehr als Auswärtige angesehen und gilt gar als gute Partie. Unter anderem ist ein Junge aus einer reicheren Familie an ihr interessiert. Doch sie verliebt sich in Jaume, der, so meint sie, nur auf der Welt zu sein scheint, um ihr all ihre Ängste zu nehmen. Sie verbringt schöne Jahre, zwar immer noch unter der Obhut von Tante und Onkel, die nach der Hochzeit auch über die Finanzen der beiden verwalten und den Arbeitsalltag bestimmen, doch scheint sie in Jaume all das gefunden zu haben, was sie immer gesucht hatte.
Den vollständigen Artikel können Sie sich unter dieser Adresse anschauen:
http://www.literaturnetz.com/index.php?option=com_content&task=view&id=7754&Itemid=44
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 4. JULI 2007 (Auszug)
Florian Welle
Die Axt und das Herz
Jenseits von Barcelona: Maria Barbals »Wie ein Stein im Geröll«
Im Angesicht des Todes blickt Conxa auf ihr Leben zurück. Die alte Frau erinnert sich: An ihre kärgliche Kindheit als fünftes von sechs Kindern in den Pyrenäen. An ihre Übersiedelung zu Onkel und Tante ins nächstgelegene Dorf; jetzt hat die Familie einen Esser weniger und die kinderlose Verwandtschaft endlich eine Arbeitskraft. An den immergleichen Rhythmus der Tage, die Versorgung des Viehs, die Verrichtungen auf dem Feld. An die erste Begegnung mit dem Handwerker Jaume, ihrem späteren Ehemann. An die Patronatsfeste, auf denen sie mit ihrem Geliebten tanzt, tanzt, tanzt. An ihre Heirat, die Geburten ihrer Kinder Elvira, Angeleta, Mateu. An das Engagement ihres Mannes für die spanische Republik. Und an seine Ermordung durch die Faschisten.
Im Vordergrund des Buches steht die Zerschlagung der Zweiten Republik durch Franco, die Errichtung der Diktatur und mit ihr einhergehend die Unterdrückung der katalanischen Kultur und Sprache. Die Figur des lebensfrohen Jaume ist als Symbol der Republik zu lesen - er ist gewitzt, hilfsbereit, stets solidarisch. Sein Tod markiert den Wendepunkt des Romans. Er ist privates Trauma für Conxa, steht jedoch auch für das Trauma vieler Spanier, vor allem der kleinen Leute, die damals Opfer des weißen Terrors Francos wurden.
So spiegelt sich auf den gerade mal hundert Seiten die große Historie des zwanzigsten Jahrhunderts in der kleinen. »Wie ein Stein im Geröll« ist auf mehreren Ebenen zu lesen, als politischer Roman, als gesellschaftliches Gemälde und als das Schicksal einer bildungsarmen, ihr ganzes Leben hart arbeitenden Frau.
Den vollständigen Artikel können Sie sich unter dieser Adresse anschauen:
http://sz-shop.sueddeutsche.de/mediathek/shop/catalog/ShowMediaDetailVP.do?
pid=4068021&extraInformationShortModus=false¤tExtraInformationTab=
Frankenpost am 25. Mai 2007-06-04
Ralf Sziegoleit
»Zu den Neuerscheinungen bei TRANSIT zählt ein höchst lesenswerter Roman. Er heißt »Wie ein Stein im Geröll« und gilt als katalanischer Klassiker der Gegenwart. Die 1949 geborene Autorin Maria Barbal wollte damit ›einem der vielen namenlosen Menschen, die wie ein Stein im Geröll der Geschichte mitgerissen wurden, eine Stimme geben‹. Auf kaum mehr als hundert Seiten wird ein ganzes langes Leben geschildert das von Verlusten geprägte Dasein einer Frau, deren privates Glück durch den Terror der Faschisten während des Bürgerkriegs zerstört wird.
Barbal beschreibt die Stationen der Tragödie, in der auch eine große Liebesgeschichte steckt, ohne jede Larmoyanz in einem poetischen Realismus, der das Fremde und zugleich Vertraute der geschilderten Lebenswelt nachvollziehbar macht. In der Heimat der Autorin erlebte der 1985 erstmals erschienene Roman 50 Auflagen und wurde ein Bestseller.«
Inforadio, Kultur 15.5.2007
Harald Asel
Maria Barbal: Wie ein Stein im Geröll
Während in der Branche noch gerätselt wird, wie sich auf der diesjährigen Buchmesse das Gastland 'Katalanische Literatur' präsentieren wird - mit den 'castellano' schreibenden Autoren aus Barcelona oder ohne -, beginnen deutsche Verlage, Übersetzungen zu veröffentlichen. Und wir stoßen auf Texte, die so aufregend sind, dass wir uns fragen, wie wir ohne sie bislang auskommen konnten.
Wie ein Stein im Geröll ist ein Stück Weltliteratur: In kargen Worten, auf gerade mal 100 Seiten ein ganzes Leben vergegenwärtigend, die Geschichte der Conxa aus den Pyrenäen, einer Frau, so alt wie das 20. Jahrhundert und von diesem aus der archaischen Dorfwelt herauskatapultiert.
Das Mädchen, das von seiner Familie in ein femdes Dorf zu Onkel und Tante geschickt wird - eine billige Arbeitskraft. Die Ehefrau und Mutter, deren Mann als Republikaktivist von den siegreichen Francotruppen massakriert wird - ihr erstickter Schrei, ihr Gebet, darf nicht mehr in der eigenen Sprache sein, sondern soll auf Madrider Spanisch geschehen. Die Alte schließlich, die mit dem Sohn notgedrungen nach Barcelona zieht, eine unbequeme Erinnerung an die Wunde Bürgerkrieg. Immer bestimmten andere, immer ordnete sie sich unter, außer bei ihrer großen Liebe Jaume, dem Handwerker, der aus dem Nichts zu kommen scheint, ein paar gute Jahre mit ihr lebt, und der ihr brutal genommen wird.
Maria Barbal beschönigt nichts. Das Dorfleben ist hart, Gefühle existieren kaum, höchstens ein Glas Milch steht manchmal vor Conxa, mit dem die Tante Anerkennung für ihre Arbeit zollt. Es ist eine enge Welt. Kämen die Verwandten nicht einmal im Jahr aus der Stadt, man könnte denken, es gäbe gar kein Draußen.
Barbals Stärke sind zarte Beobachtungen, dass Conxa versucht, ihre Tante mit keiner zusätzlichen Bewegung, die ihr nicht für die jeweilige Tätigkeit beigebracht wurde, zu verärgern. Das war auch die lustvolle Suche der Tochter nach Walderdbeeren jene Freiheit aufscheinen lässt, die ihr selber verwehrt ist.
Barbals Roman erschien auf Katalanisch 1985 und wirkte inmitten der phantastischen, der dekonstruktivistischen und formal selbstreferentiellen Literatur so fremd, wie sich Conxa in Barcelona fühlen muss. Selbst in der Übersetzung von Heike Nottebaum klingt das Festhalten an einer alten, zeiweilig verbotenen Sprache und jene Zärtlichkeit der rissigen Hände durch. Was da leise und ohne Pathos beschrieben ist, ein vielleicht vertanes, ein aufgeopfertes Leben - es behauptet sich im Getöse der Welt.
Elke Heidenreich
in »Lesen«, 11. Mai 2007 (Auszug)
Buchmessenschwerpunkt in diesem Jahr ist die katalanische Kultur, und dazu können Sie zur Einstimmung nichts Besseres, Ergreifenderes und Eindringlicheres lesen, als diese kleine Liebesgeschichte. Und das ist die zweite Sensation: so ein schmales, ruhiges Buch und es enthält nicht nur ein ganzes Leben, es enthält eine ganze verschwindende Welt.
Dieses Buch ist von einer Ruhe, Kraft und Schönheit, die überwältigend ist. Ich habe so was lange nicht gelesen. Und es lehrt uns, wie kurz unser Leben ist und was eigentlich wirklich wichtig ist letztlich nur lieben, geliebt werden, aufrecht bleiben und sich ein Gefühl für Schönheit bewahren.
Dieses Buch hat etwas, was nur ganz wenige Bücher ganz selten haben. Man liest es und bekommt Kraft. Es ist traurig, aber es ist niemals wehleidig.
Ja, danach hat es jetzt jedes andere Buch wirklich schwer.
Gesamtlänge des Beitrages: fast exakt 5 Minuten
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