Brechts letzte Liebe   Ditte von Arnim

Brechts letzte Liebe

Das Leben der Isot Kilian

Die Biographie einer schönen, inspirierenden Frau  der Freundin Wolfgang Borcherts, der Ehefrau Wolfgang Harichs und der letzten Liebe Bertolt Brechts.

 
180 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, zahlreiche Fotos, Faksimiles und Auszügen aus Isot Kilians autobiographischen Notizen
€ 18,80 (D) / CHF 33,20
ISBN 3-88747-215-2

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Inhalt: Brechts letzte Liebe

Isot Kilian, 1924 in Berlin-Köpenick geboren und 1934 mit ihren von den Nazis verfolgten Eltern nach Hamburg umgezogen, lernt schon 1939 Wolfgang Borchert kennen, der als Lehrling in der Buchhandlung Boysen arbeitet, in der gleichzeitig ihr Vater, ehemaliger Verlagsleiter, Unterschlupf gefunden hatte. Isot Kilian und Borchert, beide theaterbegeistert, nehmen Schauspielunterricht, arbeiten gemeinsam an den ersten Stücken Borcherts. 1946 zieht sie wieder nach Berlin, arbeitet beim Rundfunk und dann, u.a. mit Egon Monk, am Kabarett »Frischer Wind«, das noch vor Brechts Rückkehr aus der Schweiz eine Revue mit Brecht-Gedichten und Songs gibt, 1949 wird sie Mitglied im gerade gegründeten Berliner Ensemble. Die 1952 mit dem Philosophen Wolfgang Harich geschlossene Ehe, Helene Weigel ist Trauzeugin, wird bereits 1955 wieder geschieden. Ein Grund: Die seit 1953 zunehmende Nähe und Vertrautheit zu Brecht. Während der dramatischen Stunden des 17. Juni gewinnt Isot Kilian das Vertrauen Brechts: Sie hat Mut genug, seine Ratschläge und kritischen Anmerkungen an die Regierung durch die aufgebrachte Menge zu schleusen, sie assistiert ihm bei der Regiearbeit, begleitet ihn zu zwei bedeutsamen Gastspielen nach Paris. Eine Liebe beginnt, die letzte Liebe Brechts ...
Der bisher weitgehend unbekannte Lebensweg einer sanften, feinfühligen Frau, deren Charme viele verzauberte – und die Entdeckung eines anderen Brecht: zärtlich, fürsorglich und von der Liebe selbst überrascht.

 



Probe

Große Hamburger Straße. St. Hedwig-Krankenhaus. Zweiter Stock, Zimmer 222. Ein hoher, dunkler Raum. Über dem Bett ein schmales Kreuz. Keiner lebt sich selber, dachte ich. Und keiner stirbt sich selber. So steht es in der Bibel. Stille. Die Frau schien mein Kommen nicht bemerkt zu haben. Reglos lag sie im Bett. Ich wartete. Und wußte nicht worauf. Dann lächelte die Frau mir zu. Erst jetzt erkannte ich sie wieder. Dieses Lächeln erinnerte mich an ihr Gesicht. Das weiche, anmutige, freundliche.
 
 
 
Brecht mit Isot Kilian, Hans-Joachim Bunge, Käthe Rülicke, Manfred Wekwerth und Ernst Busch bei den Proben zu »Der Kaukasische Kreidekreis«, Berliner Ensemble, 1954. Foto: H.E. Schulze



»Unser Leben besteht nun einmal aus großen und kleinen Dummheiten«, meinte sie. Und versuchte ihrer Stimme einen unbeschwerten Klang zu geben. »Sie wissen ...?« Ich nickte. Wußte, sie hatte versucht den Tod zu umarmen. Unerlaubt, hilflos. Ohne Erfolg.
Die Stoiker und Epikureer der Antike hätten damit kein Problem, ein letzter Weg in die Freiheit. Aber wie sah man diesen Tatbestand in einem katholischen Krankenhaus? Als große oder kleine Dummheit gewiß nicht. Ich betrachtete das Kreuz über dem Bett. Die Frau schien meine Gedanken zu erraten. »Brecht hielt ein katholisches Krankenhaus für den besten Zufluchtsort ...« sagte sie lächelnd.
Brecht hatte sie Ise genannt, in den Briefen. Liebliche A. T. im Gedicht. Oder auch kleine Rose. Sie war eine von den unzähligen Mitarbeiterinnen gewesen, die für das Unternehmen Brecht arbeiteten. Geduldig. Zuverlässig. Unentbehrlich. Brechts letzte Liebe. Isot Kilian.
Die Freundin, die ich jetzt habe und die vielleicht meine letzte ist, gleicht sehr meiner ersten. Wie jene ist auch sie leichten Gemüts; wie bei jener überrascht mich tiefere Empfindung ...
Und von beiden weiß ich nicht, ob sie mich lieben. 1954 schreibt der sechsundfünfzigjährige Brecht diese Sätze auf. Selbstverständigungen, in seinen »Autobiographischen Aufzeichnungen« zu lesen.
An Brecht schreibt die Kilian in dieser Zeit: »Ich dachte wirklich, du weißt, wie gern ich dich habe. Ich weiß nicht, wie ich es dir mehr zeigen kann ...« Zuneigung, Mißverständnisse, Freundlichkeiten, Eifersucht, Anteilnahme, Vorwürfe. Das gesamte Repertoire der Liebe spielten beide durch. Viel Zeit bleibt ihnen nicht.
Als Brecht am 14. August 1956 stirbt, ist auch die Kilian in seiner Nähe. Wie im Leben war Brecht umgeben von vielen. Isot Kilian stirbt allein. In einem katholischen Krankenhaus. Am Morgen des 14. März 1986.

 



Autorin/Autor

Ditte von Arnim,
1951 geboren, studiert in Leipzig Museologie, arbeitete im Brecht-Archiv.
Dort lernte sie Isot Kilian kennen, die ihr ihre 1982 begonnenen Erinnerungen an die zeit mit Brecht anvertraute.
Ditte von Arnim lebt als freie Autorin in Berlin.
 



Pressestimmen

»Erbarmen mit den Frauen«
Von Tilman Krause
In der Literarischen Welt vom 12. August 2006 (Auszug)

»... Zwei Biographien sind jetzt erschienen, die an zwei kolossal unterschiedlichen Frauen zeigen, welches die Pfunde waren, mit denen dieser offenbar so charismatische Mann auf Frauen zu wirken vermochte. Charakteristisch ist, daß es sowohl bei Ruth Berlau, sicherlich der kompliziertesten Frau in Brechts Umfeld, als auch bei Isot Kilian, seiner letzten Liebe, die, jedenfalls in ihrer Zeit mit Brecht, eine ganz unproblematische, fröhliche Person gewesen sein muß, daß es also in beiden Fällen zunächst die Kollektivaura um Brecht war, die bestach. [...]
Die klassische Brecht-Frau, das hat auch Ditte von Arnim in ihrer warmherzig einfühlsamen Lebensgeschichte der Isot Kilian herausgearbeitet, hatte bereits verschiedene, meist unglücklich verlaufene Liebesgeschichten hinter sich (im Fall der Kilian waren das Wolfgang Borchert und Wolfgang Harich). Darüberhinaus waren sie, jedenfalls seit Brechts Übersiedlung nach Berlin, überzeugte Marxistinnen, Isot Kilian war schon ein ›Genossenkind‹. [...]«

»Umstrittenes Erbe«
Im Spiegel vom 21. August 2006 (Auszug)

»... Bekannt sind die Geschichten von Ehefrauen und Geliebten, die der Dichter am liebsten alle zusammen um sich scharte. Aber eine ist noch nicht erzählt worden: die der Isot Kilian (1924 bis 1986), der letzten Liebe Brechts, die ihn, wie er selbst bekannte, in den Bann schlug wie seine erste. [...] Kilian, die zuerst den Dichter Wolfgang Borchert (›Draußen vor der Tür‹) liebte, dann mit dem DDR-Kritiker Wolfgang Harich verheiratet war, den sie wegen Brecht verließ, spielte seit 1949 im Berliner Ensemble und war dann Regieassistentin. Kilian hätte reich werden können. Brecht habe ihr und ihren Kindern noch auf dem Totenbett die Einnahmen aus allen seine Songs vermachen wollen. [...]«

»BB’s letzte Liebe«
Von Frank Sziegoleit
In der Frankenpost vom 22. August 2006 (Auszug)

»Bertolt Brecht hatte Glück bei den Frauen. Stets habe er in einem sicheren Netz weiblicher Fürsorge gelebt, schreibt Ditte von Arnim, die Brechts Ehefrau Helene Weigel mit den Worten zitiert: ›Er war ein sehr treuer Mensch, leider zu vielen.‹ In den letzten Lebensjahren war er, auf seine Weise, Isot Kilian treu, über die Frau von Arnim – Ex-Mitarbeiterin im Brecht-Archiv, jetzt freie Autorin in Berlin ein Buch geschrieben hat [...] ›Brechts letzte Liebe‹: ein wunderbares Buch über eine feinfühlige Frau, die selbst den emotional eher verwahrlosten großen BB zu verzaubern mochte.«

Von Holger Teschke
In Theater der Zeit von Oktober 2006 (Auszug)

»Isot Kilian hatte in ihrer Wohnung in der Reinhardtstraße eine große, dunkle Truhe stehen. ›Da sind meine Geheimnisse drin‹, sagte sie manchmal. Viele Besucher waren neugierig, wagten aber nicht, sie näher danach zu befragen.
Ditte von Arnim hat es getan und ein rundum erfreuliches Buch über Isot Kilian geschrieben, das sich wohltuend von der Klatsch- und Opferprosa um Brecht und seine Geliebten abhebt. Es ist ihr gelungen, das Leben der Kilian von 1924 bis 1986 vor seinen politischen und kulturellen Hintergründen so zu erzählen, daß es sich liest wie eine Novelle. Und an außergewöhnlichen Begebenheiten war dieses Leben reich, von Anfang an. [...]
Ditte von Arnim erzählt diese Lebensgeschichte ebenso einfühlsam wie kritisch, sie erspart ihren Lesern nicht die dunklen Seiten in der Biographie Isot Kilians – die Verstrickungen mit der Staatssicherheit nach der Verhaftung ihres Mannes Wolfgang Harich ebensowenig wie ihr Schweigen über den langsamen politischen Verfall der DDR nach 1953. Gerade deshalb überzeugt ihr Buch und erinnert an eine Frau, für die Brechts Credo von der Freundlichkeit der Welt mehr war als nur eine Verszeile.«