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Michael Broschkowski/Thomas Schneider
»Fußlümmelei«
Als Fußball noch ein Spiel war
Aus der »Steinzeit« des Fußballs ein Buch für Menschen, die nicht nur Sport, sondern auch gute Geschichten mögen.
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: Leseprobe : Autorin/Autor : Pressestimmen
: Vorschau / Neue Bücher
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128 Seiten, viele Abbildungen, Stiche und Faksimiles € 14,80 (D) / CHF 26,60 ISBN 3-88747-208-X
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Inhalt: »Fußlümmelei«
Fußball mit Abstand die populärste Sportart, war vor 125 Jahren in Deutschland nahezu unbekannt. Daß sie innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten, zwischen 1880 und 1900, einen so grandiosen Erfolg hatte, war Folge vieler kurioser Zufälle, aber auch ein Beweis dafür, welch ungeheures emotionales Potential dieses Spiel bei Akteuren wie bei Zuschauern wecken konnte. »Football« war eine englische Erfindung, ursprünglich auf vornehmen Colleges gepflegt und dann vereinnahmt auch vom »einfachen« Volk, z.B. Seeleuten, die in Bremen oder Hamburg, ihr neues Spiel einem staunenden und dann mitspielendem Publikum vorführten. Eingeschmuggelt wurde der Fußball auch von Geschäftsreisenden, die in England (damals das Maß aller Dinge) modische Waren einkauften, oder umgekehrt von englischen Studenten, die in z.B. Stuttgart ihre merkwürdigen Bälle auspackten. Die Erfolgsspur von den ersten Versuchen bis hin zum allgemein geliebten Sport zeichnen die beiden Autoren nach, erzählen von improvisierten Spielplätzen, von der Erfindung der Regeln, von frühen Nöten der Schiedsrichter mit protestierenden Spielern oder den noch ungezähmten Zuschauern, von Warnungen aus konservativen (»Fußlümmelei, englische Krankheit«) oder sozialdemokratischen (»bürgerliche Bauernfängerei«) Kreisen.
Als der Fußball noch ganz jung und noch wild war
und vor allem deshalb so beliebt, weil ihn fast jeder an
fast jedem Ort selber spielen konnte.
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Probe
Spielszenen:
Die englische Krankheit: Neue Moden von der Insel
Gewinnspiel: Kricket, Rugby oder Fußball?
Der wilde Beginn: Kicken in der Freizeit
Konkurrenz: Stramme Turner und vaterländische Vereine
Beine zeigen: Verstöße gegen den Anstand
»Beck, Haafbeck, Zenterhaaf, Zenter«: Die Fachsprache der Fußballer
Die ersten Regeln: Gelobt sei, was Spaß macht
Die ersten Schiedsrichter: Nieder mit den Spielverderbern
Die ersten Funktionäre: Kopfballmonster und Multitalente
Im Ziel: Meisterschaften, Stadien und kaiserlicher Segen
Völker hört die Signale: Frühe Reisen in die Schweiz, nach Österreich, England und Amerika
Elf Rätselfreunde: Was macht Fußball so attraktiv
Spielplätze:
Hamburg, Bremen, Braunschweig, Berlin, Leipzig, Dresden, Duisburg, Köln, Dortmund, Frankfurt, Karlsruhe, Cannstadt, Stuttgart, Baden-Baden, Nürnberg, München, Wien, Prag, Zürich, London

Einwurf
Die Geschichte des Fußballs in Deutschland begann nicht mit einem Anstoß, sondern mit einem Einwurf. Sie startete auch nicht auf einem Fußballplatz, sondern auf einem Schulhof, nämlich dem des Martino-Katharineums in Braunschweig. Mäzen, Manager, Trainer, Mannschaftsbetreuer, Schiedsrichter und Initiator, in einer Person war der Gymnasiallehrer Dr. phil. Konrad Koch. Koch war seit 1872 als Lehrer für Geschichte und alte Sprachen an der Anstalt tätig, durch deren Tore immerhin so prominente Schüler wie der Mathematiker Carl Friedrich Gauß, der Dichter Hoffmann von Fallersleben oder der Schriftsteller Friedrich Gerstäcker gegangen waren. 1846 geboren, hatte Koch dem Vorbild seines Vaters folgend nach seinem Abitur 1864 erst in Göttingen, dann in Leipzig und Berlin Theologie und Philologie studiert. Als Hilfslehrer kehrte er 1870 an seine alte Schule zurück, wo er seinen an einem Augenleiden erkrankten Vater teilweise vertrat, bevor er schließlich selber Oberlehrer wurde.
Bereits im Jahr seines Dienstantritts wurden an dem Braunschweiger Gymnasium Pflichtspiel-Nachmittage eingeführt. Koch beklagte den unter Jugendlichen weit verbreiteten Bewegungsmangel und sah in dieser Entwicklung eine Gefahr für die »Volkswohlfahrt«, zumal die jungen Männer seiner Beobachtung nach lieber tranken als turnten. Es galt, »Knaben, Jünglinge und junge Männer aller Bevölkerungsklassen, auch der arbeitenden, regelmäßig in ihrer freien Zeit aus ihren dunstigen Behausungen und Kneiplokalen in Gottes freie Natur hinauszulocken, ihnen den reichlichen Genuß frischer Luft zu verschaffen und sie an einfache und gesunde Vergnügungen zu gewöhnen«.
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Autorin/Autor
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Michael Broschkowski,
geboren 1969 inBonn, längerer Aufenthalt in Cambridge, kompromißloser Abwehrspieler, lebt als Historiker in Berlin.
Thomas Schneider,
geboren 1970 in Berlin, Mittelfeldstratege, lebt als Kulturwissenschaftler und Sportjournalist (bundesliga.de) in Berlin. |
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Pressestimmen
Presseschau
Spielzeit
Über die Anfänge des Fußballs in Berlin
24.April
Es war einmal - eine Zeit, als "der Fußball noch ganz jung und noch wild war - und vor allem deshalb so beliebt, weil ihn fast jeder an fast jedem Ort selber spielen konnte." Lang ist's her: Vor 125 Jahren war Fußball als Sportart in Deutschland nahezu unbekannt. "Daß sie innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten, zwischen 1880 und 1900, einen so grandiosen Erfolg hatte, war die Folge vieler kurioser Zufälle, aber auch ein Beweis dafür, welch ungeheures emotionales Potential dieses Spiel bei Akteuren wie bei Zuschauern wecken konnte", schreiben Thomas Schneider und Michael Broschkowski in ihrem Buch "Fußlümmelei - Die Anfänge des deutschen Fußballs in Berlin" (Transit), das sie mit einem Vortrag vorstellen. Wer die "Fußballväter" in Berlin waren, darüber wird ebenso amüsant geplaudert wie über Spurensuche im Chamissokiez. Die Veranstaltung von BerlinLabor kann auch als Rundgang gebucht werden (Tel.: 444 02 44 50). Die Autoren haben skurrile Geschichten aus der Urzeit des Sports ausgegraben, als dieser noch als "englische Krankheit" und "bürgerliche Bauernfängerei" verunglimpft wurde.
ZLB - Haus der Berliner Stadtbibliothek, 18 Uhr, Tel.: 90 22 60. Auch am 8.+22.5.
© Berliner Morgenpost 2006
19. April 2006 / Christoph Stockburger (Text) / Bettina von Pfeil (Red) /
3sat
Fußlümmelei Als Fußball noch ein Spiel war
Von den Gründerjahren des deutschen Fußballs
Sepp Herberger, Fritz Walter, Uwe Seeler: Selbst wer den Sportteil seiner Zeitung nur zum Fensterputzen nimmt, kennt diese Namen. Aber wer ist denn bitteschön Konrad Koch? Heißt so nicht dieser Radiokommentator? Oder der Torwart vom MSV Duisburg? Daneben. Aber auch der treueste Sportschaugucker und Kickerleser wird wohl nicht erraten, dass dieser Mann den Fußball in Deutschland "erfunden" hat. Zu einer Zeit, als der Kaiser noch Wilhelm und nicht Franz hieß.
Die Turner fanden’ s ätzend
Drei Jahre war es erst her, dass Bismarck seine Pickelhaube gelüftet hatte und darunter das Deutsche Reich hervorrutschte, da glotzten die Schüler von Konrad Koch verdutzt auf eine Lederkugel, die ihnen ihr Lehrer vor die Füße kullern ließ. Was an diesem Mittag im Oktober 1874 angeblich folgte, war nichts Geringeres als das erste Fußballspiel auf deutschem Boden. Als "Fußlümmelei" beschimpften die konservativen Turner damals das chaotische Durcheinander. Ein entzückendes Wort. Und ein idealer Buchtitel für die schmale Historie von Michael Broschkowki. Er beschreibt das Kicken zu einer Zeit, "als Fußball noch ein Spiel war".
Der Koch’sche Urknall des deutschen Fußballs ereignete sich übrigens in Braunschweig. Ist es Zufall, dass knappe hundert Jahre später in der gleichen Stadt die hiesige Bundesligamannschaft als erste mit einem Werbelogo auf dem Trikot auflaufen sollte? Und war damit endgültig Schluss mit der romantischen Annahme, dass Fußball lediglich nur ein Spiel ist?
Antworten auf diese Fragen weiß auch Broschkowski nicht zu geben. Dafür weiß er den Wettbewerbscharakter bei der Jagd nach Toren kulturkritisch einzuordnen: "Im Sport spiegelte sich der soziale Wandel, der die fortschreitende Industrialisierung begleitete. Die wachsende Wertschätzung messbarer Leistungen kennzeichnete die Wende hin zu einer neuen Epoche, in der Rekorde und Höchstleistungen in Wirtschaft und Gesellschaft immer wichtiger wurden."
Schlimme Schönwetterkicker
Gut, dass es nicht allzuviele Parallelen zwischen Sport und Gesellschaft gab. Denn hätte die Arbeitsmoral der Fabrikarbeiter den Spielgepflogenheiten der Kicker um die Jahrhundertwende geglichen, Deutschland wäre heute noch eine Nation von Kartoffelzüchtern. So ist bei Broschkowski zu erfahren, dass sich die Fußballer bei zu hohem Sonnenstand lieber in ein schattiges Plätzchen zurückzogen. Und blies mal ein scharfer Ostwind, wurde die Partie ebenfalls unterbrochen. Keine Mannschaft sollte ja unter einem Nachteil leiden. Gegen die Memmen von damals muten die kickenden Weicheier von heute ja allesamt wie Naturburschen an.
In mancher Hinsicht hat sich gegen Früher aber nicht viel verändert. Als Sündenbock und Pleitenbüßer musste schon vor hundert Jahren der Mann mit der Pfeife herhalten. Zwar gab es davon sogar gleich zwei - wobei sich jede Mannschaft selbst einen Schiri aussuchen durfte - doch gegen den Zorn der Zuschauer half das nicht: "Zwei Schiedsrichter auf dem Feld waren jedoch keineswegs einer zuviel, wie noch ein im Jahr 1900 auf dem Tempelhofer Feld ausgetragenes Städteauswahlspiel zwischen Berlin und Hamburg zeigte, bei dem 'der Schiedsrichter seitens des mit seinen Leistungen nicht befriedigten Publikums in arge Bedrängnis geriet'."
Kein Schulverweis dank falschem Bart
Nicht nur die Schiedsrichter, der ganze Fußballsport an sich hatte es schwer, respektiert zu werden soviel wird bei der Lektüre von "Fußlümmelei" klar. Im obrigkeitshörigen Deutschland wurde das Spiel erst richtig populär, als Kronprinz Wilhelm von Preußen sich bei einer Begegnung zweier Teams in der Hauptstadt die Ehre gab. Das war 1905. Davor hatten es die jungen Kicker von "Viktoria Berlin 89" noch nötig, sich bei ihrem Hobby falsche Bärte anzukleben. Zu groß war ihre Furcht, von Lehrern erkannt zu werden und von der Schule zu fliegen. Nicht jeder Pauker war so offen für die "englische Krankheit" wie Koch.
Dass der Monarch heute "König Fußball" heißt, ist also einer Hand voll hartnäckiger Enthusiasten zu verdanken. Broschkowski stellt hier besonders Walter Bensemann in den Vordergrund. Vom Fußballfieber gepackt, gründete der gleich ein Dutzend Clubs in Süddeutschland, rief die bis heute maßgebende Fachzeitschrift Kicker ins Leben und organisierte nebenher noch das "Ur-Länderspiel". Das Match gegen das Mutterland des Fußballs ging zwar zweistellig in die Binsen, aber der Anschauungsunterricht bei den Engländern hat sich später ausgezahlt.
Ohne Koch keine WM
Durch das abwechslungsreiche Zusammenspiel von Fakten und Anekdoten gelingt Michael Broschkowski mit seiner "Fußlümmelei" ein interessanter Blick unter die Grasnarbe der deutschen Fußballplätze. Fast scheint die Entwicklung des Kicksports in den vergangenen fünfzig Jahren aber zu rasant verlaufen zu sein, als dass sich die Gründerzeit des runden Leders noch vergegenwärtigen ließe. 50 Tage vor Anpfiff der Weltmeisterschaft noch mal über einhundert Jahre in die Vergangenheit zu reisen: lohnt sich das? Eine Frage, die ohne Männer wie Konrad Koch oder Walter Bensemann gar nicht gestellt werden könnte.
Der Tagesspiegel, 24. Januar 2006

Der Spiegel, 12. Dezember 2005

Zunächst das Wichtigste und Schönste: Bei Planet Interview gibt’s ein herrliches Interview mit Michael Broschkowski über die Anfänge des deutschen Fußballs, das wir hier natürlich leider nicht in Gänze wiedergeben können. Nur ein paar Auszüge: »›Durfte der Torwart den Ball in die Hand nehmen?‹ Broschkowski: ›Klar. Sonst wäre der ja überflüssig. Es durften teilweise sogar Spieler den Ball mit der Hand stoppen. Diese Regel ist dann mit der Zeit verschwunden.‹ Und: ›Wer wird Weltmeister?‹ Broschkowski: (zögert) ›Deutschland wird Weltmeister.‹ Unsere Empfehlung: Selber lesen!« (www.planet-interview.de)
Unlängst ist auch die erste Rezension bei Amazon erschienen. Darin heißt es sehr warmherzig: »Daß die Wiege des Fußballs nicht in Deutschland stand, ist klar, aber wann und wie fand das Runde denn nun den Weg in das Eckige - hier in Deutschland? Wie hat sich, was zunächst als ›englische Krankheit‹ und ›Fußlümmelei‹ verpönt war, in der deutschen Gesellschaft so nachhaltig etablieren können? Das Buch gibt unterhaltsame Antworten auf eben solche Fragen, die nicht nur für eingefleischte Fußballfans interessant sind, sondern auch für all jene, die Spaß daran haben, den Wurzeln unserer gegenwärtigen Freizeitkultur nachzuspüren. Die Autoren verstehen es, im lockeren Erzählstil eine bisher wenig ausgeleuchtete Ecke der deutschen Sozialgeschichte zu erhellen. Prima zum Verschenken - und nicht nur für Männer!« Genau! (www.amazon.de)
Das war schon ein Trost, denn nicht hundertprozentig unsere Freunde sind die »11 Freunde«. Ihnen ist offenbar der Stil nicht locker-flockig genug nun ja. Immerhin gibt’s noch drei von fünf möglichen Kickern. In der Ausgabe 11/05 heißt es: »›Fußlümmelei‹ hieß ein 1898 erschienenes Buch, in dem ein Turnspießer den Fußball als ›englischen Aftersport‹ brandmarkte. Unter dem gleichen Titel erzählen Broschkowski und Schneider nun Geschichten aus der Pionierzeit der Sportart. Ihr Stil ist, nun ja, ein wenig bieder, und Sensationelles für die Geschichtsfreaks haben die Autoren auch nicht ausgegraben. Aber Kleinode wie das aus dem anno 1895 gedruckten ›Deutschen Ballspieler-Commersbuch‹ sind doch dabei: ›Wenn bei anderen Commersen, auf deutsch Trinkgelagen, besonders bei einem großen Teil der studentischen, das Trinken und schließlich Betrinken die Hauptsache ist und der als Matador gilt, der das größte Quantum mit Grazie in sich hineinzuleiten versteht, können wir dies bei einem Kommers unter Sportleuten nicht für das Wesentlichste ansehen.‹ Darauf ein Prosit!? Knapp daneben. (11Freunde, 11/05)
Ein schöner Beitrag erschien am 21. Oktober 2005 in der »Financial Times Deutschland«. Unter dem Titel »Fußball ist unser Lesen« wird nicht lange drumherum geredet: »Wie alles anfing, erfährt der Leser in ›Fußlümmelei‹«, und im Artikel dann: »Daß in der Geschichte des Kickens noch viele bisher unerzählte Geschichten schlummern, beweist das Buch ›Fußlümmelei. Als Fußball noch ein Spiel war‹ (Transit Verlag). Michael Broschkowski und Thomas Schneider gehen zurück in die Kaiserzeit, als der Fußball noch in den Kinderschuhen steckte. Die erste Kickerorganisation, der ›Bund deutscher Fußballspieler‹, bestand von 1890 bis 1892, und ihr Gründer erfand die Regel, daß es für ein Tor 20 Punkte gibt und für eine Ecke fünf. Vielsagend ist ein Pressebericht von 1899 über eine Reihe von Spielen zwischen deutschen und englischen Auswahlteams: ›Bei uns glaubte man, seine Aufgabe gelöst zu haben, wenn man seinen Ball abgespielt hat, während der Engländer sich dann schon wieder günstig zu plazieren sucht, um den Ball erneut zu empfangen.‹« Mit Bild! (Financial Times Deutschland, 21.10.2005)
Die Welt vom 15. Oktober 2005 und die Berliner Morgenpost vom 17. Oktober 2005 stellten unter der Überschrift »Kicken mit Kinderschuhen« einen tagespolitischen Bezug her: »Die große Koalition war dagegen. Eindeutig. Die einen, die Schwarzen, sprachen von ›englischer Krankheit‹, die anderen, die Roten, von ›bürgerlicher Bauernfängerei‹. Genutzt hat's nichts. Durchgesetzt hat sich das Spiel, das auf der grünen Insel erfunden und von Hafenarbeitern importiert worden sein soll, trotzdem. Und zwar rasant. Kein Vierteljahrhundert seit der Infektion verging und Deutschland fieberte im Fußballwahn; der Sport wurde ein Massenphänomen. Michael Broschkowski und Thomas Schneider erzählen von dieser Pionierzeit. Unglaubliche Geschichten. Über die Erfindung feiner Leibesertüchtigungsclubs, die mühevolle Eliminierung englischer Spezialausdrücke. Als Bälle noch gepflegt wurden, Kicker noch Romantiker waren, noch Ordnung herrschte auf dem Platz und in den Kabinen. Und die Vereine Hevellia, Tasmania und Teutonia hießen. Auf AOL Arena jedenfalls als Name für einen Bolzplatz wären die damals nie und nimmer gekommen. Ach ja.« Hübsch! (Die Welt, 15.10.2005 / Berliner Morgenpost, 17.10.2005)
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