Kanzlerinnen, schwindelfrei   Corinna Waffender (Hg.)

Kanzlerinnen, schwindelfrei

Über Berlin

Mit Beiträgen von
Inka Bach, Ulrike Draesner, Tanja Dückers, Ines Geipel, Annett Gröschner, Dilek Güngör, Anne Hahn, Pascale Hugues, Sudabeh Mohafez, Monika Rinck, Antje Ràvic Strubel, Antje Wagner, Corinna Waffender, Maike Wetzel, Uljana Wolf u.a.

Literarische Höhenflüge über Berlin,
über die Gesichter einer Großstadt,
unternommen von leidenschaftlichen
Literaturpilotinnen.

www.wortgut.de
 
144 Seiten, gebunden
€ 14,80 (D) / CHF 26,60
ISBN 3-88747-206-3

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Inhalt: Kanzlerinnen, schwindelfrei

Schriftsteller wollen hoch hinaus. Schriftstellerinnen auch. Beispielsweise, um über ihre Stadt zu schreiben. Über Menschen, über Straßen und an Plätzen, die der Stadt ihr eigenwilliges Profil verleihen. Die Idee: Mitten im Getriebe der Großstadt, wo sich schon Flaneure wie Gabriele Tergit oder Walter Benjamin am wohlsten fühlten, blikken versierte Autorinnen auf einen der urbanen Orte Berlins. Hier, am Kurfürstendamm, Ecke Joachimsthaler Straße, ragt noch immer eine, im flotten Stil der fünfziger Jahre gebaute Verkehrskanzel aus dem Asphalt. Von hier aus wurde einst von einem Verkehrspolizisten der Auto- und Personenverkehr per Hand und Mikrofon geregelt. Unter Denkmalschutz verwaist, scheint die verglaste, im Stadtbild nach wie vor präsente Kanzel nur darauf zu warten, einem neuen Zweck zugeführt zu werden: Für jeweils einen halben Tag besetzen die Autorinnen die Kanzel, verschaffen sich einen neuen Überblick über den Ort ihres Schreibens, nehmen eine frische Perspektive ein und schlüpfen unbemerkt in die Rolle der Kanzlerin. Erzählerinnen, Lyrikerinnen, Essayistinnen und Kolumnistinnen beobachten vom gleichen Standort den geschäftigen Lauf der Stadt, warten auf ihre persönliche Momentaufnahme und bringen einzigartige Portraits von einem der tausend Großstadtgesichter zu Papier.

Das Projekt wird vom Fernsehen und der Presse begleitet;
der Rang der Autorinnen garantiert Qualität.



 



Probe

»Etwas zu werden, heißt, es sich erstmal zu erfinden. -
Da bin ich gern dabei.«
Antje Ràvic Strubel


»Als echtes Luftzeichen kann ich zu diesem Angebot
natürlich nicht Nein sagen! Ich hebe gerne mit ab!«
Antje Wagner


»Oben sitzen,
und runter schauen
ist schöner als
unten sitzen und
nach oben zu schauen.

Oben
über unten schreiben,
oben denken und runterschreiben,
von oben runter immer munter.
Ist doch schön.
Dilek Güngör


Oft gefragt, selten bejaht: Kann man Gedichten beim Entstehen zugucken?
Aber der Autorin, der wird man dann zugucken können, beim Schauen, Stirnrunzeln, Schmunzeln, in der verglasten Kanzel, die für kurze Zeit gegen die verkuppte Schreibkapsel eingetauscht wird. Ein merkwürdiges Gefühl, komme ich mir doch selten selber auf die Schliche, am Schreibtisch, und wie dann erst im Großstadtgeschiebe. Und da oben? Überblick heißt auch, erst mal gar nichts zu wollen. Nur der Kreuzung beim Entstehen zugucken. Das ist spannend. Und erst recht das Gefühl, sich dort mit vielen aufregenden Autorinnen unter Denkmalschutz den Staffel-Stift in die Hand geben zu können.
Uljana Wolf


Als Kind wollte ich in der gläsernen Verkehrskanzel wohnen. Sie stand auf einem schlanken schräggestellten Bein hoch über der Kreuzung, an der die Hauptmagistrale auf die Nord-Süd-Verbindung traf. Dort, stellte ich mir vor, könnte man über der Stadt schweben. Nur leider war die Leiter immer versperrt.
Annett Gröschner


»Ich habe große Lust auf die Kanzel. Habe sofort eine Idee gehabt, wohin mich der Blick von dort oben wohl entführen würde, und bin überaus gespannt, ob dem dann auch so ist.«
Sudabeh Mohafez

 



Autorin/Autor

Corinna Waffender,

1964 in Mainz geboren, Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin, Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien (Rowohlt, Aufbau, Berlin-Verlag), zuletzt: »Schnitt. Minutenromane«, (Querverlag).

Foto: Karin Schröer